Mut zur Intoleranz!
Die türkische Rechtsanwältin Seyran Ates setzt sich für die Rechte muslimischer Frauen ein. In der Axel Springer Akademie erzählte sie von ihrer Arbeit – und hielt vor den 18 Journalistenschülern ein Plädoyer für die Intoleranz. Thomas Vitzthum berichtet:

Seyran Ates
Als die Türkin Seyran Ates 21 Jahre alt war, schoss ihr ein türkischer Nationalist in den Hals. Bei dem Attentat auf den Kreuzberger Frauenladen TIO wäre Ates fast verblutet. Der Anschlag galt aber weniger ihr als ihrer Überzeugung, dass muslimische Frauen und Männer die gleichen Rechte und die gleiche Würde haben.
Seyran Ates nahm ihr Überleben als Auftrag, sich um die Anliegen muslimischer Frauen zu kümmern. Sie wurde Rechtsanwältin und trat gegen Zwangsheirat, drohende Ehrenmorde oder häusliche Gewalt ein. An die angehenden Journalisten richtete Ates den überraschenden Appell, Intoleranz gegenüber bestimmten Inhalten des Islams zuzulassen: „Geben Sie uns Muslimen das Recht, unsere Religion zu kritisieren. Multikulti-Ideen fördern oft die Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Frauen.“
Für ihr Engagement wurde die Anwältin mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, sie wurde Frau des Jahres 2005 und erhielt den Zivilcouragepreis beim Christopher Street Day. Doch Preise bedeuten keine Sicherheit. Aus Angst gab sie im vergangenen Jahr unter großer medialer Anteilnahme ihre Anwaltszulassung zurück. Ates hat diesen Schritt nicht nur für sich getan: „Ich habe eine kleine Tochter. Die Drohungen richteten sich auch gegen sie. Das konnte ich nicht ignorieren.“
Verstummt ist Seyran Ates nicht. Ein Buch ist in Arbeit, sie hält Vorträge und nimmt immer wieder Auszeichnungen entgegen. Am 7. Februar wird ihr Jutta Limbach, die Präsidentin des Goetheinstituts, den Margherita-von-Brentano-Preis der FU Berlin verleihen. Das Preisgeld in Höhe von 11.000 Euro will sie in die Forschung zum Thema „Rechtsprechung und Multikulturalismus zum Nachteil von Frauen“ stecken.
Autor: jep Kategorie: A bis Z, Gäste der Akademie | 2 Kommentare »
Tags: Frauen, Islam, Multikulti, Seyran Ates, Toleranz
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Am 30. Januar 2007 um 19:42 Uhr
Ich bin froh das es jemanden gibt der so viel Mut und so viel Kraft besitzt sich für die Frauen, mit der Muslimischen Religion, einzusetzen.
Ich halte es ganau so schlimm was die Religion aus einem Menschen machen kann, die Brüder töten ihre eigenen Schwester und das nur wegen einer Religion!
Ich bin Froh das es noch vernünftige Menschen auf diesem Planeten gibt!
Mit freundlichen Grüßen
Christina
Am 6. November 2007 um 13:58 Uhr
In der Überschrift sollte es wohl heißen, für Toleranz oder gegen Intoleranz. Kleiner Patzer mit großer Wirkung.
Grüße