24.1.2007

“Kannibalismus pur”

Journalistenschüler Alexander Holzapfel ist nach dem Recherche-Seminar mit Matthias Brendel, freier Autor und Dozent, über seine zukünftige Branche erstaunt. Folgende Anekdote wusste der Recherche-Profi zu erzählen: Zum Motorsport am Nürburgring lädt ein großer Autokonzern die Sportjournalisten zu einem Presseempfang ein. Einen der ankommenden Journalisten schmeißt der Pressesprecher raus. Er habe in der Vergangenheit zu kritisch über die Marke berichtet. Nun der Skandal: Die anderen Journalisten sind geblieben!

Brendel beklagt gerade im Sportjournalismus eine fehlende Solidarität unter Kollegen. Für einen Vorteil in einer einzigen Sache opferten die Konkurrenten ein Stück elementarer Pressefreiheit. Brendel nennt das „Kannibalismus pur“. Was der Pressesprecher gelernt habe sei, dass man Journalisten disziplinieren kann. Die Journalisten, dass kritisches Berichten den Job kosten kann. Es wäre für alle das Beste gewesen, geschlossen den Saal zu verlassen. Außer für den Pressesprecher.

Autor: jep Kategorie: A bis Z | 6 Kommentare »
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6 Kommentare zu ““Kannibalismus pur””

  1. Caren Schütt

    Den Kannibalismus-Experten gibts dann bei
    http://www.idw-online.de.

  2. Christian Breuer

    So gut, so schnell gesagt. Als freier Autor mag es dann und wann auch möglich sein, aus Solidarität mitzugehen.
    Was aber macht der Volo, der Pauschalist, der Freie Mitarbeiter (ein Redakteur kann es sich vielleicht noch am ehesten leisten), der auf einen solchen Termin geht? Er steht vor der Wahl, diesem “Kannibalismus” Vorschub zu leisten oder – um in der Wortwahl zu bleiben – “Suizid” zu begehen. Ich fürchte, wenn Herr Brendel als Chefredakteur dasteht und sein Mitarbeiter kommt ohne Geschichte nach Hause, sieht er die Sache anders. Ansonsten wäre er nach meiner Erfahrung eine Ausnahme.
    Ohne Frage, der Vorgang ist bedenklich, aber mal ganz brutal gesagt: jeder Konzern kann selbst entscheiden, wem er Infos gibt und wem nicht. Und wenn ein Pressesprecher meint, auf ein Medium verzichten zu können, ist das zunächst seine Entscheidung.
    Insofern stimme ich auch dem Resumee nicht zu: Journalisten sind nicht disziplinierbar, sie müssen sich nur gewiss sein, dass kritische Berichterstattung kritische Reaktionen hervorruft. Daher wäre es – meiner Meinung nach – auch nicht besser gewesen, wenn alle den Saal verlassen hätten: besser wäre es gewesen, wenn mehr Kollegen sich trauen würden, kritisch zu berichten! Denn man kann einen Journalisten ausschließen, aber nicht alle…

  3. Sandra Basan

    Wo Christian Breuer recht hat, hat er recht…
    Das Musketier-Prinzip “Einer für alle, alle für einen” funktioniert nur in der Welt der Sagen und Mythen – und garantiert NICHT in Deutschland im Jahr 2007! Bei einer Arbeitslosenquote von 9,6 Prozent, überlegt jeder dreimal, ob er den Mund aufmacht und mit wem er sich wann solidarisiert. Das ist bei der ambitionierten Bäckereifachverkäuferin nicht anders als beim karrierebewussten Journalisten. Leider! Wer in der oben genannten Situation den Helden spielt und ebenfalls den Saal verlässt, macht das wahrscheinlich einmal und nie wieder. Denn 99 von 100 der verehrten Kollegen werden (wie geschehen) sitzen bleiben, während der “Märtyrer” guten Gewissens aber allein erst zu seinem wütenden Chefredakteur und dann auf Jobsuche gehen darf.

    Und zu meinem “erstaunten” Mitschüler Alexander Holzapfel bleibt zu sagen: Willkommen im Leben, Akkel! ;-)

  4. (Tor)-Phantom

    Mops’ Spitzname ist nicht Akkel, sondern Aggi…

  5. Trist

    @SamuGER: wo sind deine beewise? wo seine widerlegungen? beide seid ihr spasten die sich argumentativ im kreise drehen. macht aber immer spaß, solche wie euch gegeneinander auszuspielen.

  6. ynzmpgszuc

    goMDFN ydjeolhzclkc

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