Späth und das Christiansen-Prinzip
Mit feiner Ironie nimmt Lothar Späth, langjähriger Ministerpräsident Baden-Württembergs und seit acht Jahren regelmäßig bei n-tv zu sehen, Politiker und Journalisten gleichermaßen aufs Korn. Er nennt es „das Christiansen-Prinzip“, schreibt Journalistenschüler Thomas Vitzthum:
Und so funktioniert es: Die immer gleichen Politiker drehen ungestraft jede Frage in die Richtung, die ihnen passt. „Da habe ich dann a) meine Botschaft vermittelt b) nichts zum eigentlichen Thema gesagt und c) war dabei auch noch lustig.“
Lothar Späth war gestern Abend Gast der Axel Springer Akademie. Mit den Journalistenschülern diskutierte er über die Perspektiven einer neuen Föderalismusreform und die Rolle Berlins. „Weg mit dem Länderfinanzausgleich“, forderte der heutige Deutschland-Chef der US-Investmentbank Merrill Lynch. „Nur durch ehrlichen Wettbewerb zwischen den Ländern wird der Föderalismus zum Experimentierfeld und bringt Deutschland weiter!“
Späths Vision ist eine radikale Neuordnung: wenige, dafür gleichstarke Länder, die etwa in der Steuer- und Bildungspolitik miteinander konkurrieren. Eine solche Neuordnung wird es vermutlich nie geben, das weiß Späth, nur ein Zusammenschluss scheint möglich: die Fusion von Berlin und Brandenburg: „Weil es gar nicht anders geht.“
Dabei räumt der CDU-Mann Berlin einen Sonderstatus ein. Der Bund müsse endlich anerkennen, dass hier Hauptstadtaufgaben zu erfüllen seien, und dazu brauche es eben zum Beispiel einen ordentlichen Flughafen. „Was muss die Welt von Deutschland halten, wenn der erste Eindruck Tegel ist!“
Klaus Wowereit, den Regierenden Bürgermeister des finanzschwachen Berlins, beneidet der ehemalige Ministerpräsident des reichen Baden-Württemberg trotzdem: „Er ist einer der fröhlichsten Menschen der Welt“, sagte Späth mit einem Augenzwinkern, „er hat bei dieser Finanzlage ja nichts zu verlieren.“
Lothar Späth zwischen den Moderatoren des Abends, Hagen Meyer und Anna Behrens.
Foto: Marco Fenske
Autor: jep Kategorie: A bis Z | Keine Kommentare »
Tags: Christiansen, Finanzausgleich, Späth
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