29.1.2007

Poldi, Schweini und die Schuldfrage

Journalistenschüler Marco Fenske ärgert sich. Über Heribert Bruchhagen, den Vorstandschef von Eintracht Frankfurt. Der hatte gestern im DSF-”Doppelpass” die Medien dafür verantwortlich gemacht, dass die Frisuren unserer WM-Helden „Poldi“ und „Schweini“ in der Berichterstattung manchmal eine größere Rolle spielen als der Sport selbst. Marco Fenske sieht es so:

Es ist unbestritten, dass sich die Berichterstattung über die Jahrzehnte verändert hat. Ob diese Entwicklung nun positiv oder negativ ist, sei mal dahingestellt. Wenn aber Fußball-Funktionäre Journalisten den Schwarzen Peter zuschieben und sie für diese Entwicklung verantwortlich machen wollen, entsteht ein schiefes Bild. Ein Journalist ist auch Dienstleister, unterliegt also dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Was den Konsumenten interessiert, wird veröffentlicht. Ganz einfach. Und damit zurück zur Schuldfrage: Ist eigentlich auch ein Supermarkt dafür verantwortlich, dass sich so viele Menschen ungesund ernähren?

Autor: jep Kategorie: A bis Z, Blattkritik | 23 Kommentare »
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23 Kommentare zu “Poldi, Schweini und die Schuldfrage”

  1. Julien Wolff

    Ich gebe Marco völlig recht. Das Interesse an Frisuren und Mode ist in den vergangenen Jahren generell gestiegen. Daher wird dieses Bedürfnis auch in der Sportberichterstattung befriedigt.
    Die Thesen von Herrn Bruchhagen sind ja generell nicht immer nachzuvollziehen…

  2. Hagen Meyer

    die frisuren-frage wird doch eigentlich nur dann gestellt, wenn es mies läuft. Und sie ist doch auch berechtigt: muss der benjamin köhler 5 stunden beim frisör verbringen oder sollte er in der zeit lieber anständige flanken üben? die antwort liegt auf der hand.

    bei der eintracht gibt es aber wichtigere fragen. Warum trifft der sushi-bomber aus 4 metern keinen müllwagen?
    und: in gewisser weise fördert man ja noch dieses “drumherum”. oder warum wird atilla vor spielbeginn mit großem tamtam ins stadion geschleppt? hat mit bruchhagens “entscheidend-is-aufm-platz”-these ja auch nicht mehr viel zu tun.

  3. Christian Rosenberger

    “Die Thesen von Herrn Bruchhagen sind ja generell nicht immer nachzuvollziehen…” Die Frisuren von Poldi und Schweini aber auch nicht…

  4. soeren onez

    Der Marco macht es sich da dann doch wohl ein bisschen zu einfach. Beschwert er sich noch zu Recht darüber, die Schuldfrage nur in den Medien zu suchen, so unrecht hat er doch damit sie komplett dem Konsumenten zuzuschieben.

    Warum bitte gibt es denn so etwas wie Presse-Ethik? Damit keine Schuld aufkommt doch ganz sicher nicht. Medien haben immer Verantwortung, egal was sie senden/schreiben.

    Also nochmal, die Verantwortung alleine den Medien zuzuschreiben ist sicher zu kritisieren, aber im selben Atemzug ist ein Vonsichweisen jeglicher Schuld der Medien genauso zu kritisieren.

  5. Hagen Meyer

    also moment mal.. wir reden hier über einen irokesen-schnitt und eine blondierte nacken-tapete. darüber wird man wohl schreiben dürfen, ohne sich presse-ethische vorwürfe gefallen lassen zu müssen.
    und wenns dem feinen herrn bruchhagen zu bunt wird soll er seinen exzentrischen jungmillionären mit zu viel zeit doch selber die moppe mähen.

  6. soeren onez

    Also momentmal, oben im Titel steht eindeutig “Schuldfrage”. Selbst gewählt. Und nein, ich habe inhaltlich doch gar nicht bestritten, dass man darüber schreiben/senden darf, oder?

    Nur wenn die Medien sich so wie oben angedeutet sehen, “Was den Konsumenten interessiert, wird veröffentlicht” dann sehe ich schwarz.

    Zu dem Thema habe ich nichts gesagt, ist mir total egal ob jemand über die Frisuren der Heinis berichtet, wirklich, wollte nur darauf hinweisen, dass man das so einfach nicht abtun kann.

  7. Hagen Meyer

    ok. marco war offenbar SO sauer, dass er fälschlicherweise “schuldfrage” und nicht “schuldfrage?” geschrieben hat.

    und du siehst schwarz, bei der grundhaltung “was den konsumenten interessiert, wird veröffentlicht”?
    bei dieser ansicht sehe ICH schwarz! und zwar für den titel für den du arbeitest. ob nun frisuren unbedingt von ganz öffentlichem interesse sein sollten, sei mal dahin gestellt. aber wenn “ganz deutschland” über schweinis tapete diskutiert, muss dieser komplex in der berichterstattung eine rolle spielen!
    dass, und damit nehme ich wohl deinen nächsten einwand vorweg, “ganz deutschland” oftmals nur WEGEN der berichterstattung einiger zeitungen “diskutiert”, ist richtig.
    themen setzen heißt das glaub ich.
    und wenn halt 2 spielfreie tage sind dann schreibt mann eben über tapeten.

  8. soeren onez

    hab dich, themen setzen ist jawohl ein handlung. jede handlung wird bewertet. moralisch, ethisch, unter welchen gesichtspunkten auch immer. mehr wollte ich auch gar nicht zur diskussion beitragen, ausser, nein medien können sich nicht rausreden, egal mit welchem argument, schon gar nicht mit polemischen, ala der supermark.

    ich schreibe übrigens für überhaupt keinen titel, sondern für mich und mein blog. ich will hier auch gar nicht stören oder presseethische fragen klären, von denen ich keine ahnung habe. aber gerade bei schuldfragen zu polemisieren und wegschieben auf andere, wen auch immer, das finde ich komisch und darauf wollte ich hinweisen.

  9. Marco Fenske

    Stimmt, hast uns ertappt. Zeitungen handeln, setzen Themenschwerpunkte, rufen zur Wertung auf und eröffnen Diskussionen! Eigentlich keine neue Erkenntnis. Aber: Ist das so verwerflich?

  10. soeren onez

    Habe ich das irgendwo behauptet?

  11. Marco Fenske

    Zitat:
    Nur wenn die Medien sich so wie oben angedeutet sehen, “Was den Konsumenten interessiert, wird veröffentlicht” dann sehe ich schwarz.

  12. soeren onez

    das ist aber nicht auf den fall bezogen, sondern auf die generelle aussage, man könne alles schreiben, was der konsument fordere. das kann nicht richtig sein. über haarprachten zu schreiben, was soll daran falsch sein, ausser, dass es mich abhalten würde ein solches blatt zu lesen, aber das hat nun keine relevanz.

    ich will hier aber auch nicht stören, ich glaube wir reden an einander vorbei.

  13. G.K.

    Die Frage, WER denn entscheidet, was für “den” Konsumenten von Interesse ist, wird hier leider ausgespart. Schade!!

  14. Andre

    Und damit zurück zur Schuldfrage: Ist eigentlich auch ein Supermarkt dafür verantwortlich, dass sich so viele Menschen ungesund ernähren?

    ====

    Sollte er eigentlich nicht, da die dort verkauften Lebensmittel, den deutschen Gesundheitsbestimmungen für Lebens- und Genussmittel standhalten müssen, dadurch eine staatlich angeordnete Vorregulierung stattfindet :)

  15. Erich Tanzmann

    Natürlich bin ich auch der Meinung, dass die sportliche Leistung an erster Stelle stehen sollte, aber m.E. sind die Sportler auch Vorbilder
    für die Jugend, und somit gehören auch Outfit und
    Auftritt in der Öffentlichkeit zum Gesamtbild eines Sportlers. Aufgabe der Journalisten sollte es sein, dieses Auftreten und Verhalten auch kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen.

  16. Thelmar

    Die Jungs sind hier bei der Springer-BILD Presse schon ganz gut aufgehoben. Feierabend!

  17. Marco Fenske

    @ G.K.
    Um beim eingangs erwähnten Vergleich zu bleiben: Mit welchen Lebensmitteln stockt ein Supermarkt wohl sein Sortiment auf, wenn Marzipan-Schokolade total begehrt, aber restlos ausverkauft ist? Etwa mit Nuss-Schokolade?
    Und noch eine Sache, die der Supermarkt-Vergleich hergibt: Was macht ein Kunde, der zwar Marzipan kaufen möchte, sie aber im Schoko-Regal nicht findet? Richtig, er geht zum nächsten Supermarkt.

  18. kg

    Ein, wenn man so will, angehender Springer beschwert sich über die Art und Weise der Frisurenberichterstattung, aha. Da hat er sich ja den richtigen Ausbilder ausgesucht.

    “Was für Eltern muss man haben, um so verdorben zu sein – einen Vertrag zu unterschreiben bei diiiiesem Sch…. verein?”

    In diesem quasi fussballerischen Sinne,
    schönen Abend noch.

    PS: Ja, natürlich weiß ich dass nicht jeder Axel-Springer-Schulen-Schüler bei dem vierbuchstabigen Medienstadl landet. Dass man sich allerdings unter dieser Überschrift ausbilden lässt, verschließt sich mir als denkender Mensch.

  19. G.K.

    @ Marco Fenske: Mir will sich nicht erschließen, wer beschlossen hat, dass Frisuren ein Thema in der Sportberichterstattung sein müssen. Oder gab es eine Umfrage unter den Lesern???

    @ Thelmar: Hier gibt es auch Mädchen…

    @ Erich Tanzmann: Dann lesen wir demnächst sicher etwas über Trikotfarben.

    @ Andre: Der Meinungsmacher muß sich an anderen Maßstäben messen lassen als der Supermarkt. Oder wird auch in diesem Bereich (noch mehr) staatliche Kontrolle gewünscht??

    Fragen über Fragen, und nur ausweichende Antworten. Da macht mensch sich doch so seine Gedanken…

  20. mona lisa

    Welche Gedanken macht man sich denn so…?
    Der Gedanke, dass Journalisten einfach Dienstleister sind wie viele andere, die sich (nur?) nach den Gesetzen des Marktes (übrigens: Wer macht denn diese in Übereinstimung mit welchen Werten?)orientieren, befremdet mich erst einmal. Ich habe noch nie gehört, dass “normale” Dienstleister mit derartigen Privilegien und Rechten ausgestattet sind wie Journalisten ( z.B. Informantenschutz)

  21. Adrian

    Also ein Supermarkt der billiges Gammelfleisch verkauft, nur weil die Nachfrage da ist, stelle ich durchaus auch nicht von jeglicher Schuld frei.
    Außerdem kann auch ein Supermarkt mit einer starken Marktstellung langfristig das Kaufverhalten beeinflussen.
    In diesem Fall ergibt sich dann auch eine Schnittmenge mit den Medien. Die Medien haben einen besonderen Status in unserer Gesellschaft, der auch verfassungsrechtlich manifestiert ist: sie dienen der (demokratischen) Meinungsbildung. Weil das so ist, sind sie mit besonderen Pflichten, aber auch Privilegien belegt. Es sieht also vielmehr so aus, dass die Medien ganz besonders beeinflussen können, wie die Nachfrage aussieht. Sie können beeinflussen, was gelesen, veröffentlicht, gekauft, konsumiert, ja sogar wie gewählt wird.
    Eine “schlechte” Berichterstattung oder ungeschickte Schwerpunktsetzung mag langfristig Einfluss auf die Nachfrage im Speziellen haben, aber wenn ich das richtig verstanden habe, wurde in besagtem Interview vielmehr eine generelle Medienkritik geübt. Und da kann man sich nicht so einfach rausreden und behaupten, dass man nur der Nachfrage hinterher renne. Denn eine generelle Mediennachfrage ist immer gegeben.
    Insbesondere Springer sollte mittlerweile bewusst sein, dass sie mit ihrer Berichterstattung mehr bewirken können, als einfach nur einen Markt zu bedienen.

  22. Fran Eßers

    Nun, lieber Herr Fenske,

    selbstverständlich ist der Supermarkt schuld – ebenso wie die Journalisten: Wenn nämlich nur feinste )journalistische) Kost zu bezahlbaren presien angeboten wird, dann werden auch die Käufer (Leser) zu Feinschmekern. Das Angebot bestimmt die Nachfrage. Wo nichts Schlechtes angeboten wird, kann auch kein mist nachgefragt werden. Unternehmer jeder coleur stehen da in der Pflicht.

    P.S.: Wenn ich einem aufgebrachten Menschen, der sich mit einem anderen heftig zankt, ein Messer in die Hand drücke und dieser das dann auch benutzt, dann kann ich mich ja wohl kaum auf den Standpunkt zurückziehen, ich selsbt wäre unschuldig an der Körperverletzung. Schließlich habe ich ja dem Täter nicht gesagt, dass er mit dem Messer Böseres tun solle als Brote schmieren. Kein Richter würde mir diese Ausreden abkaufen. Und ich ihnen ihre auch nicht, Herr Fenske. Liefern sie gute Sportberichterstattung und lassen sie die Frisuren außen vor. Dann gibt es auch keine berechtigten beschwerden.

  23. Gartenmöbel

    Super :)

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