Sind Rauchmelder eigentlich Medien?
Eindeutig ja, wenn man das „große Onlinelexikon für Informationstechnologie“ befragt, und deshalb gehört folgende kleine Schlechte-Nacht-Geschichte auch hierher. Sozusagen als Fallstudie zum Mediennutzungsverhalten in Extremsituationen. Also: Um drei Uhr heute früh, man nennt das wohl Tiefschlafphase, geht bei mir Zuhause ein Rauchmelder los. Ein kurzes, aber markdurchdringendes Pfeifen. Feuer!
Feuer? Ich springe aus dem Bett, stolpere die Treppen herunter. Keine Flammen, kein Rauch, kein gar nichts. Nur ein zweites schrilles Pfeifen – das Signal für „low battery“. Puh, noch mal Glück gehabt, der Pulsschlag sinkt, beruhigt ab ins Bett. Wohlige Wärme. Plötzlich wieder Alarm.
Ich ignoriere das Geräusch und hoffe, dass die Batterie endgültig stirbt. Doch dann liege ich da, zähle die Sekunden und warte gebannt auf den nächsten Ton. Also, man hat morgens um halbvier ja sonst nichts zu tun, ab in den Keller, Leiter holen und anschließend den Rauchmelder von der Decke. Kaum im Bett, meldete sich das zweite Teil.
Das gibt’s doch nicht! Wieder raus, Geräuschquelle lokalisieren, rauf auf die Leiter, Rauchmelder runter. Hier hätte der Horror enden können, aber er tut es nicht. Psychoterror pur. Rauchmelder Nummer drei macht mit einem schrillen Pfeifen auf sich und seinen lebensbedrohlich niedrigen Batteriestand aufmerksam.
Ich also, so müssen sich Folteropfer fühlen, raus aus dem Bett und – wie viele von den Dingern haben wir eigentlich? – von Zimmer zu Zimmer: Alle Scheiß-Rauchmelder runter!! Endlich Ruhe!!!
Ich bin fast wieder eingeschlafen, plötzlich ein durchdringendes Pfeifen. Hiiiiilfe! Ein Feuer könnte nicht schlimmer sein. Das erste Mal, dass sich meine Frau meldet: “Sag mal, ich glaube, da piept was.” Ich kurz vorm Totschlag im Affekt.
Erneute Suche. Nach fünf Minuten das verdammte Drecksteil endlich gefunden. Leiter rauf, Melder runter. Draußen beginnen die Vögel zu zwitschern. Zum krönenden Abschluss noch ein letzter Rauchmelder, der sich hinter einem Balken im Flur versteckt.
Ergebnis: Von drei bis fünf Uhr nächtliche Leiter-Akrobatik und seelische Verzweiflung, dazu die Erkenntnis, dass handelsübliche 9-V-Batterien der Marke „GP powercell heavy duty“ (was für ein Hohn!) eine identische Lebensdauer haben… Medien können einen in den Wahnsinn treiben.
Autor: jep Kategorie: A bis Z | 30 Kommentare »
Tags: Rauchmelder Feuer Alarm
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Am 11. April 2007 um 16:16 Uhr
lieber jep,
willkommen im club. habe ähnliches auch schon durchgemacht. jetzt haben wir keine feuermelder mehr – und einige unfeine stellen in zimmerdecken. aber wie sagt doch der grosse schwedische existentialist karlsson vom dach: das stört keinen grossen geist.
beste grüsse
jrv
ps: http://www.vanityfair.de macht grossen spaß. habe gehört: die zukunft liegt im internet
Am 12. April 2007 um 09:13 Uhr
Spannend – schon die oberflächliche Recherche zeigt: Rauchmelder sind tatsächlich ein Medienphänomen:
http://frauechse.twoday.net/stories/3506422/
http://www.ombas.de/2001_05_01_archive.html
http://blog.forum4winde.de/archives/2006/08.html
Die Hamburger Agentur Ethority stellte zwar kürzlich nach der Auswertung von gut einer Million Blog-Postings fest, dass sich die Blogosphäre – etwas zugespitzt – vor allem über Autos und Bier austauscht. Doch vielleicht wartet die Szene ja nur auf einen emotionalen Zufluchtsort wie das Rauchmelder-Blog…?
Am 12. April 2007 um 13:12 Uhr
feuermelder hin oder her…
WAS für ein einblick in das seelen- und nachtleben des akademie-chefs.
da stürzt jan-eric peters des nachts im pyjama von “zimmer zu zimmer” und entfernt mindestens (!) 5 feuermelder aus verschiedenen räumen. zwischendurch in den keller, dann wieder ins obergeschoss… WO/WIE WOHNT DER MANN?
in diesem zusammenhang sei daran erinnert, dass im jepblog gute geschichten schon mal mit foto-aufnahmen illustriert wurden.
hätte ihre frau nicht auf den auslöser drücken können, nachdem die erste sorge verflogen war?
so ist zumindest optisch eine kleine leserenttäuschung eingetreten… wobei die freude über ihre unversehrtheit natürlich überwiegt.
Am 12. April 2007 um 13:34 Uhr
Herr Meyer, Sie alter Schleimer! Also bei mir überwiegt ganz klar die Enttäuschung über das fehlende fotografische Beweismaterial. Dieses lässt sich übrigens hervorragend (und oft viel authentischer!) nachträglich erstellen, wie wir jetzt in den Redaktionen lernen dürfen (für die Niggemeiers da draußen, das sollte ein Witz sein). Überraschen Sie uns morgen vielleicht mit ein paar Schnappschüssen, Herr Peters?
Am 12. April 2007 um 13:44 Uhr
@ Hagen Meyer
Lieber Hagen Meyer,
bingo! Ich wußte, dass ich auf Ihr aufrichtiges Mitgefühl zählen kann. Und auf Ihre Neugier. Bravo, so müssen Reporter sein! Und trotzdem: Für eine “Dranbleibe”, “Weiterdrehe” oder gar Serie ist die Geschichte dann doch zu dünn. Und womöglich würde aus meiner bescheidenen Hütte am Ende noch eine boulevardeske Luxusvilla.
Herzliche Grüße nach Hamburg!
jep
Am 12. April 2007 um 13:50 Uhr
@ Anna von Bayern
Liebe Anna von Bayern,
erstens sollten Sie der Kraft des Wortes vertrauen, das haben Sie an der Akademie doch gelernt. Und zweitens sieht so ein Rauchmelder absolut unspektakulär aus. Aber vielleicht kann Ansgar Mayer ein Audioclip erstellen – der Ton ist wirklich schrill!
Auch an Sie herzliche Grüße nach Hamburg!
jep
Am 12. April 2007 um 13:51 Uhr
jetzt verstehe ich, warum ihr heim so opulent mit rauchmeldern ausgestattet ist. – wellblech, bast und holzplanken geben einfach eine leicht brennbare mischung ab.
und wenn schon keine dranbleibe oder serie möglich ist, dann doch sicherlich endlich die große homestory, oder?!
gute gelegenheit, endlich mit diesen luxusvilla-vorurteilen aufzuräumen.
hamburg grüßt berlin!
Am 12. April 2007 um 13:56 Uhr
@ Hagen Meyer
Bringen Sie mir bis Ende des Monats eine BILD-Schlagzeile mit Ihrem Autorennamen, dann lade ich Sie zum Grillen ein. Holzplanken hab ich ja genug.
Am 12. April 2007 um 13:59 Uhr
gebongt!
ich mag nackensteaks und rostbratwürstchen.
Am 12. April 2007 um 14:05 Uhr
Deal done! Ich bin gespannt.
Am 12. April 2007 um 14:05 Uhr
was krieg ich, wenn ich vorher eine hab?
Am 12. April 2007 um 14:08 Uhr
Hagens Rostbratwürstchen.
Am 12. April 2007 um 14:09 Uhr
kalt wohlgemerkt!
Am 12. April 2007 um 14:10 Uhr
Aber klar, wir können die Wette gern erweitern:
Jeder ist eingeladen, der es jetzt in seinem ersten, vierwöchigen Praktikum zur Titelgeschichte bringt.
Am 12. April 2007 um 14:13 Uhr
Ich möchte aber lieber gleich die Fotos für die nächste Titelgeschichte: von der brennenden Wellblechhütte und Herrn Peters davor im Pyjama. Gute Geschichte!
Am 12. April 2007 um 14:17 Uhr
Ein bißchen mehr Respekt, Frau von Bayern! Armut schändet nicht.
Am 12. April 2007 um 14:27 Uhr
ja, die frau von und zu hat mit respekt und anstand schon immer so ihre problemchen gehabt.
wir drehen’s um:
ihre frau macht exklusiv für uns die pyjama-pics und wir weihen einfach den newsroom mit ner großen grillfete ein.
die schlagzeile basteln wir dann schon aus ihren fotos.
Am 12. April 2007 um 14:32 Uhr
Schon Manschetten bekommen? Sie sind doch sonst nicht von Selbstzweifeln geplagt! Also, Feuermelder, Würstchen und Frau von Bayern hin oder her, ich will jetzt eine BILD-Schlagzeile von Ihnen.
Am 12. April 2007 um 14:37 Uhr
ich will – ich will – ich will!
ok, wird erledigt.
aber “JETZT”?
das dürfte schwierig werde – auch ohne größere selbstzweifel…
Am 12. April 2007 um 14:41 Uhr
Nein, nein, es soll schon der klassische Weg sein: Gute Idee, gründliche Recherche, fesselnder Text. Bis Ende des Monats (dann schaffen Sie ja vielleicht sogar zwei).
Am 12. April 2007 um 15:25 Uhr
jetzt muss ich mich mal einklinken, lieber jep.
ehrlich, das sollte doch wohl die leichteste übung sein: noch nicht mal heiße luft, aber trotzdem großalarm – das kennen wir doch täglich aus der BILD..:-)
Am 12. April 2007 um 15:27 Uhr
Ich bin zutiefst ergriffen.
Am 12. April 2007 um 16:05 Uhr
@ Alexander Böker
Auf den MAXimalen Ertrag kommt es an, Alex, das weißt Du doch – big issue! Die Leser sind “zutiefst ergriffen”, das ist doch schon mal was.
P.S. Freut mich übrigens, dass Du zu den Stammlesern der BILD gehörst.
Am 12. April 2007 um 17:17 Uhr
‘türlich, morgens zum kaffee die BILD!
schön auch, dass man hier leute wie jrv wieder trifft, die ja auch irgendwie alarm machen, und sei es nur mit einer url…:-)
Am 13. April 2007 um 10:04 Uhr
rückblickend verstehe ich jetzt, was döpfner immer mit “zielvereinbarungen” meint…
Am 15. April 2007 um 10:22 Uhr
wenn ich heute den jep-award zu verleihen hätte, dann bekäme ihn sicher die bild am sonntag.
begründung: in anderen redaktionen bekommen volontäre zum abschied eine packung merci geschenkt, bei bams eben eine titelgeschichte. NOCH ein bischen authentischer wäre es allerdings gewesen, hätte bernhard kellner nicht nur auf die 1, sondern auch auf die 2/3 verzichtet.
Schönen SoSo noch.
Am 15. April 2007 um 10:47 Uhr
Tja, die Würstchen sind weg, lieber Hagen Meyer. Aber noch sind die Nackensteaks zu haben. Keep fightin’!
Glückwunsch an Anna von Bayern! Die erste Schlagzeile nach zwei Wochen – eine reife Leistung. Erkämpft, nicht geschenkt.
Konnte die Geschichte heute hier in der Brandenburger Diaspora zwar noch nicht lesen, aber die Recherche, das habe ich schon von der Chefredaktion der BamS gehört, ist beeindruckend!
Am 17. April 2007 um 10:52 Uhr
Lieber Hagen,
es sieht so aus, als hättest du die Abmachung mit jep falsch verstanden. Für die von dir geforderten “Nackensteaks und Rostbratwürstchen”solltest du doch in vier Wochen eine Titelgeschichte aus dem Hut zaubern…
Oder ging es darum, es in nur zwei Wochen gleich zwei Mal in die Bildblog-Hitparade zu schaffen? Sei’s drum, ist ja auch ne Leistung
http://www.bildblog.de/?p=2196
http://www.bildblog.de/?p=2188
Am 17. April 2007 um 17:30 Uhr
oh. da muss in der tat ein missverständnis vorliegen. (-;
aber: “aus dem hut gezaubert” wird hier nichts. das weiß avb so gut wie ich.
und: wenn ich diesen brutalen klima-wandel richtig einschätze, dann hat sich die grillsaison spätestens im mai eh erledigt.
egal, es gibt ja auch elektro-grills für den indoor-betrieb.
also: mund abwischen und weiter!
Am 18. September 2008 um 14:16 Uhr
[...] Viel Angst. Jedenfalls hat er sein bescheidenes Anwesen mit fünf (!) Rauchmeldern gesichert, was diesem Beitrag zu entnehmen ist, in dem er im Stile eines vergnüglichen “Mein gruseligstes [...]