“Generation Praktikum” ein Phantom?
Na, da wurden wir aber mit beruhigenden Infos ins Wochenende geschickt: “Der Begriff ‘Generation Praktikum’ ist mit Blick auf den beruflichen Verbleib von Hochschulabsolventinnen und -absolventen nicht gerechtfertigt.” Stellte die Hochschulinformations-System GmbH (HIS) nach einer Befragung von rund 10.000 Absolventen des Jahrgangs 2005 fest. Und erzeugte damit die gewünschten Reaktionen, zum Beispiel in der FAZ oder bei WELT KOMPAKT (Schlagzeile: “Es gibt keine Generation Praktikum”).
Statistisch so weit belegt. Nur…
…sollte das Kleingedruckte der Studie beachtet werden. So verweisen die Experten auch darauf, dass der Bereich Presse, Rundfunk und Fernsehen zu den “intensiveren Nutzern von Praktikanten” zähle. (Übrigens schön formuliert.) Und wer die einschlägigen Stellenmärkte im Internet durchforscht, wird phasenweise entsetzt sein, welche Stellenbeschreibungen sich dort unter “Praktikum” finden und eben eigentlich gestandene Redakteure voraussetzen.
Deshalb auch der zweite kritische Hinweis an die Macher der Studie: Der Absolventen-Jahrgang 2005 bietet nur einen Aspekt und noch dazu dürften dessen Vertreter (noch) wesentlich optimistischer auf ihre Lage blicken als zum Beispiel Absolventen der Jahre 2001 oder 2002, die mitten in die Medienkrise hinein gestartet sind. Oder Akademiker, die rechtzeitig vorher ihren Abschluss gemacht haben, im Zeichen der New Economy einen Spitzenjob fanden, um nun seit einigen Jahren die “Digitale Bohème” zu bilden.
Wer sich an der Axel Springer Akademie bewirbt, wird ohne entsprechende Praktikums-Erfahrung kaum Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. Deshalb bietet auch Axel Springer eine große Zahl an Hospitanzen an. Zur Berufsorientierung und Erweiterung des Horizonts sind Praktika unerlässlich – und in der Medienbranche vielleicht auch noch häufiger nötig, weil die Schlagzahl im Web 2.0-Zeitalter durchaus hoch ist.
Dennoch sollte keine Studie den Eindruck erwecken, “Generation Praktikum” sei nur ein Buzzword. Nach einer Umfrage der DGB-Jugend ist jeder zweite Praktikant der Meinung, er ersetze einen vollwertigen Arbeitsplatz und werde ausgebeutet.
Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Ausbildung | 3 Kommentare »
Tags: Akademie, Ausbildung, Axel Springer, Hospitanz, Praktikum
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Am 14. April 2007 um 12:20 Uhr
Also ich kann dieses ganze Gerede von “Generationen” nicht mehr hören.
“Generation Praktikum”, “Generation X”, “Generation Golf”, “Generation Internet” – was soll das denn heißen?
Kann man gesamte Generationen wirklich unter einem Begriff zusammenfassen?
Die Leute sind doch völlig unterschiedlich.
Sicherlich nutzen Menschen unter 40 Jahren das Internet heute vielmehr als Menschen über 60 Jahre, aber deswegen gleich von der “Generation Internet” zu sprechen und zu schreiben – naja!
Kann man machen, muss man aber nicht.
Was ist den mit den heute 17jährigen?
Ist das die “Generation Flate-Rate-Saufen”?
Oder die “Generation DSDS”?
Mir ist das zu pauschal.
Am 18. April 2007 um 16:42 Uhr
Heutzutage werden neuartige Massentrends innerhalb einer Gesellschaft schnell der Kategorie “Generation X oder Y ” zugewiesen, um bestimmt Gebiete, d.h. Trends, vorläufig einzuordnen zu können. Laut biologischer Definition bezeichnet es eine Gesamtheit von Lebewesen , die zu anderen Lebewesen, (zwar durch Abstammung) verbunden sind ,doch lässt sich der Begriff Generation auch außerhalb der Genealogie für sämtliche Menschen eines konkreten Lebensalters oder eines konkreten geschichtlichen Zeitabschnitts verwenden.
Der Begriff einer Generation wird also nicht nur bei Lebewesen, sondern in dem übertragenen Sinn auch auf unterschiedliche, aufgrund weiterentwickelter Eigenschaften deutlich unterscheidbarer Entwicklungsstufen, verwendet.
Insofern kann man doch von verschiedenen (Erlebnis-)Generationen sprechen, da es beispielsweise vor meiner Generation noch keine andere Generation gegeben hat, welche so viel Internetrecherche betrieben hat. Da zusätzlich mit der Recherche im Internet, vorallem bei den jungen Leuten so viele Probleme und Diskussionen entstanden, fasste man nun all das in die Rubrik der “Generation Internet” zusammen.
Man fasst damit also nicht “gesamte Generationen unter einen Begriff zusammen”, sondern benutzt nur eine Kategorie, welche es erlaubt, die jeweilige Generation, ausgehende vom Ganzen, im Detail zu problematisieren.
Am 23. April 2007 um 09:46 Uhr
Mich nervt das trotzdem.