1.5.2007

“Wir machen was mit Medien” – Teil 2

Die Fünf Typen der “In-den-Journalismus-Starter” (Forts.)


3.) Der Engagierte
Der Engagierte zählt auf Praxis. Pflichterfüllt hat er schon die Anzeigen für die Schülerzeitung rekrutiert und die Abizeitung gelayoutet. Er verspricht sich von seinem ehrenamtlichen Engagement bei einer studentischen Initiative viel, knüpft auch über Uni-Grenzen hinaus viele Kontakte und übernimmt viel organisatorische Arbeit – auch wenn das Journalistische dann zu kurz kommt. Mit einem Praktikum ist ihm nicht zu kommen. Ein Pflichtpraktikum ist da schon das Höchste der Gefühle.

4.) Der Träumer
Der Träumer hat gute Idee, und macht irgendwie seinen Weg. Aber das ist auch sein Problem. Er fühlt sich links und rechts von Kollegen überholt und weiß nicht so recht, wie denn der Medien-Einstieg nun funktioniert. Dabei merkt er gar nicht, dass er sich schon auf seinem eigenen Weg befindet. Große Träume verbindet er mit seinem künftigen Beruf, hält ihn aber für unerreichbar. Oft vergisst er, dass die eigenen Projekte ihn schon auf seinen Weg gebracht haben.

5.) Der Lokal-Held
Der Lokal-Held hat beim Heimat-Blatt schon Sport-Berichte am Wochenende geschrieben. Jetzt schreibt er für die Lokalzeitung in der Uni-Stadt. Ein Praktikum beim Lokalradio hat er auch schon hinter sich gebracht und in den nächsten Semesterferien wird er von der Lokalredaktion mit einer etwas größeren Aufgabe bedacht – er darf sich um das Befüllen einer Jubiläumsbeilage kümmern. Fest im Sinn hat er sein Volo nach Studiumsschluss. Irgendwas wird sich aus seinen Kontakten schon ergeben.

Und was ist jetzt der Königsweg? Den gibt es nicht. Ich kenne “von jedem Typ” Kollegen, die nach dem Studium wirklich “was mit Medien” machen. Die Radio-Moderatorin und Sängerin Noah Sow hat mir einmal gesagt: “Daniel, einfach machen!” Und sie hat wirklich Recht. Wenn man eine Idee hat, dann sollte man die einfach umsetzen. Tom Buhrow hat uns einmal gesagt, dass ein gutes Fachstudium viel Wert ist und es nicht den einen Karriereweg gibt. Gerade am Anfang gibt es harte Jahre. In dieser Zeit könne man nicht genau das machen, was man gerne möchte. Die Devise lautet dann “dran bleiben”.

Und wie funktioniert das jetzt wirklich mit dem Weg in den Journalismus? Man muss ihn sich selbst recherchieren. Wie jede gute Story, hinter der man als Journalist her ist. Das ist auch irgendwie attraktiv, oder?

Daniel Fiene

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 12 Kommentare »
Tags: , , ,

Verwandte Artikel

12 Kommentare zu ““Wir machen was mit Medien” – Teil 2”

  1. medienblogger

    Hmmm, es ist schon recht unterhaltsam, Medieneinsteiger in solche Typen einzuteilen, aber tatsächlich dürften die meisten Einsteiger etwas von jedem dieser fünf Typen haben. Mehr noch: Ich möchte behaupten, dass jene, die später tatsächlich erfolgreich in den Medien werden, bereits mit der Entscheidung für ein Medien-Studium klare Berufsvorstellungen haben. Aber gut, das schließt sich ja mit obigen Typen nicht aus, aber “irgendwas mit Medien” höre ich persönlich eher selten. Ich glaube schon, dass die meisten sagen Können “Ich will zum Fernsehen” oder “Ich schreibe lieber für einen Zeitung, am besten im Politikressort” usw. .
    Trotzdem schön zu lesen.

  2. Peter Stawowy

    Einen Königsweg gibt es nicht. Man müsste mal heute eine Reihe von wichtigen Medienmenschen fragen, ob sie genau da angekommen sind, wo sie hin wollten. Ich denke, die wenigsten haben ihren Weg berechnet und erfolgreich absolviert.
    Apropos Königsweg: Wann ist man denn im Journalismus angekommen?

  3. SoerenK

    @medienblogger:

    Ich glaube im Gegenteil, dass man sich eben NICHT mehr genau entscheidet, ob man zum Fernsehen oder zum Print will. Im Gegenteil: Viele meiner Freunde haben (wie ich) bei einer Studentenzeitung begonnen, sind aber dann zur Tageszeitung/TV-Produktionsgesellschaften/Boulevard/etc. und sind dann später auch beim TV/Prnit/Online/etc. gelandet. Die Übergänge sind ja auch fließend – wie man nicht zuletzt an der Ausbildung hier in der Akademie auch sieht.

    @Daniel:
    Ich finde ja schon die Type, die sich für ein studentisches Medium entscheidet, an sich sehr speziell. Es gibt ja auch etliche, die kein solches – oft süchtig machendes und vom Studium ablenkendes – Projekt mitgestalten und trotzdem später “was mit Medien” machen. Wollen.

  4. jep

    @ SoerenK

    Das sehe ich auch so. Früher sind Journalistenschüler/Volontäre in den Beruf eingestiegen, um Zeitungsreporter zu werden oder Fernsehredakteur oder Hörfunkmoderator. Aber das ist das Denken des Industriezeitalters. Im digitalen Zeitalter muss man viel breiter aufgestellt sein und sich auf das gesamte Berufsfeld Journalismus einlassen.

    Es geht nicht darum, dass wir alle zur eierlegenden Wollmilchsau werden. Aber man muss lernen, wie man eine Geschichte crossmedial am besten erzählt und welche (technischen) Möglichkeiten es gibt.

    Reporter, die ihr gesamtes Berufsleben nur für Zeitungen schreiben, wird man bald jedenfalls nur noch aus Erzählungen kennen.

  5. Daniel

    @SoerenK, das kommt drauf an, in welchem Umfeld du studierst. In Städten mit einem breiten medialen Umwelt haben studentische Medien einen schweren Stand. Wenn du schaust, wo diese Medien eine starke Personaldecke, kreative Ideen und gute Umsetzung haben, steht dies oft in Relation mit dem dürftigen sonstigen Angebot – wenn dann noch ein typischer Was-Mit-Medien-Studiengang dazu kommt ist das ganze perfekt. Und eigentlich ist es jedem Student nur zu empfehlen neben dem Studium “sich ablenken” zu wollen, weil auf den Lehrplänen wird dir eigentlich Null Praxis vermittelt.
    Gruß, Daniel

  6. C

    @jep
    Was Sie hier schreiben stellt in meinen Augen nicht die innere Haltung der angehenden Journalisten dar, sondern die Anforderungen, die Medienunternehmen wie AxelSpringer von den Journalisten erwarten.
    Da mag alles crossmedial sein, dient jedoch in erster Linie nur der Kostenreduzierung.

    Es gibt jedoch auch Journalisten, die den Beruf aus einer gewissen Passion und Liebe zum Medium heraus betreiben. Journalisten, die (kommt natürlich auf das Objekt an) gar nicht daran interessiert sind, dass ihr Artikel durch den digitalen Äther gejagt wird.

    Was nützt es, wenn Volontäre mit crossmedialem Gedankengut überfrachtet werden und damit im schlimmsten Fall die Kernarbeit vernachlässigen.

    Die notwendige journalistische Qualität kann man hier doch nur mit Spezialisten erzielen. Leute, die texten, Leute die den Artikel onlinegerecht aufbereiten, Leute die den Artikel nehmen und daraus ein Video, Podcast oder was auch immer produzieren.

  7. SoerenK

    @C
    Ich versteh’s ehrlich gesagt nicht ganz. Das heißt: Es gibt Menschen, die aus Liebe zum Material Papier sich für den Beruf entscheiden? Hmm… Und wieso dient es der Kostenreduzierung, wenn man Journalisten in mehreren Feldern ausbildet? Und wer entscheidet, ab wann sind Hirne mit Wissen überfrachtet? Was der Ausgebildete dann im Alltagsleben braucht, entscheiden doch ganz andere Umstände… Hmm. Aber dass die Medienlandschaft sich ändert und man sich anpassen muss, ist Ihnen doch auch nicht entgangen, oder? Wie also in der Ausbildung “richtig” reagieren?
    Die BJS, DJS und Nannen-Schule wollen auch, dass ihre Studenten in allen drei Feldern Praktika machen. Und Online wird dort auch nicht ignoriert. Und so wirklich kleine Konzerne stehen da auch nicht hinter. Also? Was genau wollten Sie mit Ihrem Kommentar sagen?

    @Daniel
    Auch Dich hab ich nicht ganz verstanden: Warum sind große Medienstädte schlechte Standorte für studentische Medien? Die UnAufgefordert (www.unauf.de) hat zumindest momentan keine Themen-, Mitarbeiter- oder Leserschafts-Probleme… Auch die Hamburger Studentenpresse hört man selten klagen… Oder hab da was falsch verstanden?

  8. jep

    @ C

    Das ist keine Kosten-, sondern eine Existenzfrage. Nicht nur für Medienunternehmen, sondern auch für den einzelnen Journalisten.

    Volontäre könnten, schreiben Sie, “mit crossmedialem Gedankengut” überfrachtet werden und “die Kernarbeit” vernachlässigen. Was ist die Kernarbeit eines Journalisten? Aufklären und erklären – und zwar nicht im luftleeren Raum, sondern möglichst wirksam: Wir müssen unser Publikum, die Öffentlichkeit erreichen, sonst sind wir überflüssig.

    Es kommt letztlich nicht darauf an, ob wir wollen, dass unsere Artikel “durch den digitalen Äther” gejagt werden. Es kommt darauf an, ob der Nutzer unsere Artikel online lesen will. Journalisten sind Dienstleister ihrer Leser, Zuhörer und Zuschauer. Und die meisten 14- bis 29-jährigen beispielsweise nutzen nun einmal als erstes das Internet, wenn sie sich über ein Thema informieren wollen. Wollen Sie auf die verzichten?

    Journalisten predigen immer Veränderungsbereitschaft und Flexibilität. Nur wenn es um sie selbst geht, ist bei vielen das Beharrungsvermögen doch stärker. Das erinnert mich an den Einwand gegen den Start von Spiegel-Online, man würde für Staubsauger ja auch kein eigenes Ressort einrichten…

    Das Mediennutzungsverhalten hat sich in den vergangenen zehn Jahren dramatisch verändert, und es wird sich weiter verändern. Bei einer Ausbildung geht es darum, die Leute fit für die Zukunft zu machen, und zwar nicht nur für die nächsten zwei, drei Jahre. Ich befürchte, einige unterschätzen das Tempo, mit dem sich unser Beruf gerade grundlegend wandelt.

    In der Crossmedia-Ausbildung steht selbstverständlich Journalismus im Zentrum. Es geht nicht darum, in irgendwelche Gadgets ein bisschen Journalismus reinzuprügeln nach dem Motto: Toll, so erstellt man also ein Podcast, jetzt brauche ich nur noch irgendeinen Inhalt. Nein, es geht um die alte Kernfrage: Wie bringe ich meine journalistische Geschichte dem Nutzer am besten nahe? Und da haben wir heute viel mehr Möglichkeiten als früher, und darüber können wir uns freuen.

    Nicht jeder Journalist muss alles können, aber er muss verstehen, wie das Zusammenspiel von Text, Foto, Audio und Video funktioniert. Und deshalb wäre es gut, wenn sich auch „die innere Haltung der angehenden Journalisten“ verändern würde. Denn wer will schon als Fossil ins Berufsleben starten?

  9. C

    @jep
    Na wenn schon, dann Kosten- und Existenzfrage.

    Man kann natürlich sagen (und hat damit bestimmt recht), dass sich Journalisten von heute (und morgen) mit der medialen Evolution befassen müssen. Man sollte wissen welche unterschiedlichen Aufbereitungsformen es in der Medienwelt gibt (und welche in den Startlöchern stehn).

    Aber möchten Sie wirklich widersprechen, dass es für den Arbeitgeber natürlich auch angenehm ist, wenn er statt dreier Spezialisten nur einen Allrounder beschäftigen muss.
    Und hier ist mein Ansatzpunkt.
    Noch übrlastet man die Journalistn vielleicht nicht. Aber wenn es sich erst einmal in den Köpfen der Chefs festgesetzt hat, dass Journalisten ja noch viel mehr können, als sich um die Geschichten zu kümmern, könnte es sich negativ auf die eigentliche Arbeit auswirken.

    Wo liegt hier der Fokus bei den Unternehmen? Geld einsparen oder die Journalisten fit für das Jahr 20xx machen? Und welche Konsequenzen hat diese Fähigkeiten-Komprimierung (in der digitalen Welt hat dies immer auch einen Qualitätsverlust zur Folge)?

    œ Soeren:
    Es tut mir leid, wenn du meinen Beitrag nicht ganz verstanden hast – zumindest der Adressat hat es ofensichtlich (wenngleich er nicht meiner Meinung ist)

  10. jep

    @ C

    Im Fokus steht der Journalist, der fit sein muss für die Zukunft, denn sonst wird man seine Kunden nicht mehr erreichen und kein Geschäft mehr machen. Und das lassen sich die Unternehmen viel kosten. Die Journalistenausbildung bei Axel Springer etwa ist mit der neuen Akademie erheblich teurer als früher – aber eben auch zeitgemäß und besser.

    Im übrigen geht es nicht darum, drei Spezialisten durch einen Allrounder zu ersetzen, sondern drei Allrounder zu haben, die in der Redaktionspraxis ein Spezialgebiet bearbeiten werden, aber genau verstehen, was der Nachbar tut – weil man gemeinsam an einer Geschichte sitzt. “Um Geschichten kümmern” heißt künftig, schon bei der Planung multimedial zu denken.

  11. Thomas Wanhoff

    @ C: Journalisten wollen nicht dass ihr Text durch den “digitalen Äther” gejagt wird? Sorry, aber reden wir über Schriftsteller oder Journalisten? Erste waren schon immer Verweigerer in den Redaktionsstuben, meist aus Bequemlichkeit und Faulheit. Letztere sind daran interessiert, dass ihre Geschichte gelesen werden. Und Crossmedial automatisch mit Stellenabbau gleichzusetzen ist genauso falsch wie Crossmedial zum Stellenabbau zu nutzen.

  12. Daniel

    @SoerenK bei Nr. 7 – das bezog sich nur darauf, da du meintest “Ich finde ja schon die Type, die sich für ein studentisches Medium entscheidet, an sich sehr speziell” – das finde ich überhaupt nicht :-)

Einen Kommentar schreiben