29.5.2007

GASTBLOG: Tiere und Kinder

Ich habe schon öfters über Preisverleihungen berichtet. Die Verleihung von Journalisten-Preisen steht im Medienjournalismus für die Kleingartenvereine im Lokaljournalismus. Gerne blicke ich dabei über den Tellerrand und schaue mir an, was Kollegen Bewundernswertes auf die Beine gestellt haben. Aber eine Erkenntnis trübt meine Begeisterung: Tiere und Kinder gehen immer.

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Hermann Schreiber ist Sprecher der Print-Jury des Axel Springer Preises für junge Journalisten. Als er über die Arbeit der Print-Jury sprach, berichtete er über eine lebhafte Diskussion, die geführt wurde: Warum befinden sich unter den Einsendungen hauptsächlich bedrückende Themen? Es wird veröffentlicht über sozialen Verfall. Über Armut. Über Ausländerhass. Über Krieg. Nicht Frieden. Über Unterschicht.

Nähme man die Themen als Querschnitt unserer Gesellschaft, dann böte sich ein katastrophales Bild; demnach hätten wir nichts zu lachen. Die Jury beschäftigte sich mit den Ursachen und fasste sich dabei an die eigene Nase: Hat die Jury in den vergangenen Jahren etwa den Eindruck erweckt, nur depressive Themen hätten die Chance auf eine Auszeichnung? Haben Preisverleihungs-Jurys in ihrer Gesamtheit diesen Eindruck erweckt? Oder ist es in der Tat so, dass Journalisten nur hervorragende Arbeiten machen können, wenn sie sich mit Themen beschäftigen, die am Abgrund unserer Gesellschaft stehen?

Schreibers Gedankenanstoß war wichtig. Vielleicht haben sämtliche Preis-Jurys, die journalistische Arbeiten sichten, zu diesem Bild beigetragen. Nach seiner Ausführung, konnte die Fernseh-Jury berichten, eine ähnliche Debatte geführt zu haben. Die Variante, dass gute Arbeiten nur gelingen können, wenn sich der Autor mit Abgrundthemen beschäftigt, lässt sich mit einigen Beispielen direkt entkräften (siehe auch das P.S.). Aber wo liegt die Crux von Journalisten-Preisen? Und hier meine ich gleichermaßen kleine Förderpreise und große renommierte Preise. Ich kann mir vorstellen, dass auf der einen Seite natürlich auf Qualität geachtet wird, aber auf der anderen Seite auch einer moralischen Verantwortung nachgegangen wird: Finden bestimmte Themen unter den Preisträgern nicht statt, werden sie durch eine Auszeichnung nicht zu Leuchttürmen erhoben – fehle dann nicht Sinn und Zweck des Preises. So scheint es zu den Siegern aus den Bereichen Kinder, Tiere, Kriegerlebnisse und Soziales zu kommen. Bei meiner nächsten Preisverleihung werde ich eine Vorhersage der Gewinner machen und diese nach dem Schema aussuchen. Ich glaube, ich werde dann gar nicht so schlecht mit meiner Vorhersage liegen. Ich bin froh, dass Hermann Schreiber dieses Thema angesprochen hat, denn ich trage es schon lange mit mir rum.

Einen Fall habe ich persönlich miterlebt, der meine Skepsis erklärt. Ich war auf einer Preisverleihung mit einem Team nominiert. Wir hatten noch zwei Mitbewerber in jener Kategorie. Ein Projekt von einer Tierschutz-Organisation und ein weiteres Projekt, an das ich mich nicht mehr so gut erinnere. Viele haben sich für uns gefreut und uns die Daumen gedrückt. Die Jury hat sich für das Tierschutz-Projekt entschieden. Das war bestimmt gerechtfertigt – aber zwei Dinge fand ich bemerkenswert: Bei der Bekanntgabe ging ein leichtes Raunen durch Saal, bevor dann geklatscht wurde. Hinterher kamen sogar zwei Jury-Mitglieder zu uns und sagten, dass sie unser Projekt eigentlich qualitativ besser fänden, es aber eben nicht gereicht habe. Ich finde, so etwas darf nicht passieren. Seitdem schaue ich genauer auf die Nominiertenlisten, wenn die Sieger aus den typischen Tier- und Kind-Kategorien kommen. Aber zurück zu der Frage, warum so viele Negativ-Themen bei Preisverleihungen stattfinden.

Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass andere Arbeiten nicht reingereicht werden. Dann kommen Kinder und Tiere zum Zuge, weil jemand sagt: “Hey’ bewirb dich doch. Mit dem Thema hast du eine gute Chance.” Vielleicht kann man jungen Journalisten neben dem Zitatrecht auch noch das Preisrecht eintrichtern – das geht ganz einfach: Bewirb dich doch auch mit einem ganz anderen Thema. Das macht dann auch die Jury-Arbeit spannender.

Falls ich mal ein passendes und gutes Thema habe, werde ich mich damit irgendwo bewerben. Falls ich einmal einer Jury angehören sollte, dann nehme ich mir schon jetzt vor, bei positiven Themen besonders gut hinzuschauen.

P.S.: Bei der Verleihung des Axel Springer Preises hat es sich wieder gelohnt über den Tellerrand zu schauen. Ich bin begeistert von dem Sieger der Internet-Kategorie: Lars Abromeit ist für seine Arbeit “Antarktis: In der Wüste der Kälte” ausgezeichnet worden. Für GEO.de hat er seine Antarktis-Expedition multimedial begleitet. Er schrieb ein Tagebuch, untermalte die Texte mit Sounds, sodass die Kälte spürbar wird und bereicherte die phantastischen Fotos von George Steinmetz mit animierten Karten zur Expedition.

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P.S.S: Im Juni findet das Medienforum NRW statt. Zum 19. Mal trifft sich “die Branche” um über aktuelle medienpolitische Themen zu diskutieren. In diesem Jahr wird auf der Veranstaltung in Köln auch Bundeskanzlerin Merkel erwartet, die eine medienpolitische Grundsatzrede halten wird. In meinem nächsten Gast-Beitrag möchte ich darüber berichten.

Daniel Fiene

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z | 1 Kommentar »
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Ein Kommentar zu “GASTBLOG: Tiere und Kinder”

  1. Anita Seyfarth

    Haben Medien wirklich die Aufgabe Angst zu machen????????????

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