30.10.2007

GASTBLOG: Was bringen Tags und Keywords?

Wer sich Gedanken macht über neue Berufsfelder im Online-Journalismus, denkt an Online-Producer, Videoreporter oder Community-Manager. In den Stellenanzeigen britischer Medienhäuser taucht in diesen Tagen eine weitere Job-Beschreibung auf, die sicherlich bald auch in deutschen Online-Redaktionen an Relevanz gewinnt. Gesucht werden Spezialisten, die redaktionelle Inhalte mit sinnvollen Metadaten und Tags versehen. So war beim Guardian im Oktober die Stelle eines “Tag Editors” bzw. “Keyword-Managers” zu besetzen. Und die Times hat vor einigen Tagen einen Suchmaschinenredakteur eingestellt. Stellt sich die Frage: Sind Tags und Keywords plötzlich genauso wichtig wie redaktionelle Inhalte?

Online-Nachrichtenseiten erzeugen typischerweise 35 bis 50 Prozent ihrer Visits über Suchanfragen bei Google und anderen Suchmaschinen. Das bedeutet: Als Portalbetreiber muss ich mir Gedanken darüber machen, wie meine Beiträge optimal von Suchmaschinen gefunden werden. Dabei gibt es eine Fülle von Einflussfaktoren, die das Ranking positiv wie negativ beeinflussen.

Eine außerordentlich hohe Bedeutung hat der richtige Einsatz von Keywords. Relevante Keywords sind insbesondere beim Texten der Überschrift wichtig. Die Headline eines Artikels wird typischerweise im Snippet ausgegegen, also in der Textvorschau der Suchmaschinen-Trefferliste. Enthält das Snippet den Begriff, den ein User sucht, steigt die Wahrscheinlichkeit einer guten Positionierung in der Trefferliste erheblich.

Und was bringen Tags? Beobachtungen aus der Praxis: Die Redaktion des Freiburger Stadtportals fudder, das ich redaktionell leite, hat seit dem Launch der Site im Januar 2006 sämtliche Beiträge mit Tags versehen und sehr viel mit diesem Instrument experimentiert. Wir taggen Personen, Orte oder Themen. Ebenso werden Tags eingesetzt, um Kontext zu erzeugen. Beispiel: Mit einem Tag lassen sich sämtliche Folgen einer Restaurantserie verlinken. So lotsen wir einen User auf einfache und effiziente Weise zu Inhalten, von denen wir vermuten, dass sie diesen User ebenfalls interessieren.

Durch den Einsatz von Klicktrackern haben wir festgestellt, dass unsere User tatsächlich auf Tags klicken. Und wir beobachten, dass unsere Tags in Googles Trefferlisten kontinuierlich nach oben rutschen. Beweis: Bei der Google-Suche nach dem Freiburger Bertoldsbrunnen steht der entsprechende fudder-Tag an Position 2 auf der ersten Seite.

Ein Blick in die Site-Statistik stützt ebenfalls die These, dass der Google-Algorithmus Artikel-Tags seit einiger Zeit höher gewichtet. Die Zahl der Klicks, die auf fudder von Artikel-Tags ausgehen, hat sich in den vergangenen vier Wochen verdoppelt und eine Dimension erreicht, die wir für unsere kleine Seite (200.000 Visits pro Monat) als absolut reichweitenrelevant bezeichnen.

So gesehen macht es für große Portale erst recht Sinn, Spezialisten einzustellen, die sich systematisch mit dem korrekten Einsatz von Tags und Keywords beschäftigen. Denkt man an eine suchmaschinenffiziente Verschlagwortung von Bewegtbildern und Audio, so wird dieser Themenblock eher noch an Relevanz gewinnen.

Keinen messbaren Effekt auf die Reichweite hat dagegen der Einsatz von Tag Clouds, die die verwendeten Tags anschaulich visualisieren. Nach unseren Erfahrungen nutzen die User solche Wortwolken (noch) nicht. Was trotzdem für Tag Clouds spricht: Sie unterstützen Suchmaschinen dabei, die Struktur einer Seite besser zu verstehen und verborgene Inhalte aufzufinden. Und – je nach Geschmack und Design – sehen sie auch noch stylish aus.

Markus Hofmann

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »
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Ein Kommentar zu “GASTBLOG: Was bringen Tags und Keywords?”

  1. AM

    Sehr spannend und auch als Ausbildungsinhalt zunehmend von Bedeutung. Wobei ich den Tag-Clouds auch noch etwas Zeit geben würde. Möglicherweise haben wir es noch in diesem Jahrzehnt mit ersten Newssites zu tun, die komplett cloud-navigiert funktionieren.

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