9.11.2007

Award der Woche für einestages.de

Guido Knopp gilt als einer der bekanntesten Historiker Deutschlands. Egal, wie man seine Filme findet (oder besser: die seines Teams, denn zu den Produktionen steuert er ja inzwischen oft nur noch seinen guten Namen bei) – eins steht fest: Knopp hat Zeitgeschichte populär gemacht. Inzwischen muss man wohl von History-Boom sprechen. Hitlers Helfer, Barschels Ende, die Frau vom Checkpoint Charlie – das bringt Quote. Warum nicht auch Klicks? Bislang gab es im Web 2.0 eher wenig Populäres zum Thema Zeitgeschichte – jetzt gehen einige Portale an den Start, das ambitionierteste ist einestages von Spiegel Online.

Noch beta und deshalb eigentlich etwas früh für einen Award? Egal. Wir unterstützen kreative Projekte gern. Und dieses kann sich sehen lassen. “einestages” setzt nicht nur auf Otto-Normal-Zeitzeugen, sondern auch auf Prominente: Udo Lindenberg schreibt über die Sternstunde mit Honecker; Heide Simonis über die Sternstunde, als sie Deutschlands erste Ministerpräsidentin wurde (Einstiegssatz: “Manche hielten es für einen Betriebsunfall” – praktisch, den kann sie gleich für die Fortsetzung verwenden); oder Roger Field über den Sommer 1968, als er einem Kumpel namens Arnold Schwarzenegger mit mäßigem Erfolg Englisch beizubringen versuchte.

Wenn man sich an die Spiegel-untypische Optik gewöhnt hat, kann man auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise durch die Zeit gehen. Die Themen gibt entweder die Redaktion vor (“Ergänzen Sie die Alben um Ihre Bilder”) oder die User selbst (“Lassen Sie Ihre Erinnerungen nicht verblassen – schreiben Sie Geschichte!”). Das Spektrum des Portals ist riesig, reicht von Kapiteln wie “Meine erste Platte” über “Neue Thesen zum Tod Ludwigs II.” bis zu “Faschismus made in DDR”. Kommentare schreiben, Fotos dazustellen, Videos und Podcasts hochladen – “einestages” bietet alles und hat deshalb auch von allem ein bisschen: Wikipedia, Xing, Youtube. Eine Art globales Zeitzeugen-und-Informations-Netzwerk. Hübsche Idee: das Ressort Fundbüro, wo Bilder von Mitgliedern die dazu passenden Geschichten suchen, oder umgekehrt (“Wer ist der Unbekannte neben dem Schriftsteller Uwe Johnson?”).

Am Ende, träumt Spiegel Online-Chef Mathias Müller von Blumencron, hat er ein “kollektives Gedächtnis der Geschichte” geschaffen. Keine falsche Bescheidenheit. Aber Blumencron ist ja nicht allein: Seinem Team sollen renommierte Kooperationspartner helfen, darunter das Bundesarchiv, die Deutsche Fotothek oder die Körber-Stiftung. Von den unbekannten, auskunftsfreudigen, manchmal natürlich auch schwatzhaften Nostalgikern ganz zu schweigen. Von denen finden sich schon jetzt zum Teil großartige Porträts, anrührende Geschichten, manchmal auch nur kleine Anekdoten auf “einestages”. Da lässt sich die Zeit wunderbar totschlagen.

Marc Thomas Spahl

Autor: mtspahl Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 2 Kommentare »
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2 Kommentare zu “Award der Woche für einestages.de”

  1. http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1536/einestages_ist_webmagazin_des_jahres.html

    [...] einestages bekam Gold und ist “Webmagazin des Jahres 2008″.

  2. http://turi-2.blog.de/2008/06/04/heute2-spiegel-online-tchibo-illner-4271639

    Web goes Print: Spiegel Online werkelt offenbar an einer Print-Version seiner erfolgreichen Geschichten-Community einestages. [...]

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