Award der Woche für die FAZ
Zum Totensonntag
Lieber Profil verlieren oder in Schönheit sterben? Die FAZ hat sich für das Leben entschieden. 33 mal hatte sie seit Gründung 1949 Fotos auf dem Titel gedruckt. Jetzt, Ende 2007, konstatiert sie, dass die “Beachtung des Visuellen” zugenommen habe. Axel Springer hatte das früher erkannt und 1952 mit Gründung der BILD-Zeitung geantwortet.

Der publizistische Mauerfall am Main macht zudem deutlich, dass guter und erfolgreicher Journalismus kein Widerspruch sind nach dem Motto: hier Boulevard, dort vermeintlich Qualität. Seit Jahren ist BILD die meist zitierte deutsche Tageszeitung, die meist gelesene ohnehin in Europa. Nun hat die Bleiwüste FAZ ihren Qualitätsnimbus verloren und eingestanden, dass Journalismus nicht dem Narzissmus seiner Macher, sondern dem Leser dient. Da ist nicht verwunderlich, dass man sich an den Besten orientiert – FAZ.net tut das beim jüngsten Relaunch ja offenkundig auch.
Dennoch verdient die FAZ den JEPBLOG-Award dieser Woche. Nicht weil Totensonntag naht, eher Advent, denn sie hechelt dem Zeitgeist nicht tumb hinterher, sondern ringt nach ersten Gehversuchen um eigene Bildsprache. Wird Journalismus andernorts von jour / Tag abgeleitet und mit Aktualität übersetzt, greift die FAZ auf der Eins beherzt auch ins Fotoarchiv, pflegt die Symbolik und kultiviert das Statuarische. Das wirkt!

Man mag es unter Aktualitätsaspekten belächeln, aber unter Perspektiven der Leserführung ist es ein Impuls, der die Macht von Fotos – auch im Unterschied zu flüchtigen Bewegtbildern oder schwachen Schnappschüssen – und damit die Verantwortung von Journalisten neu ins Bewusstsein hebt.
Autor: rporsch Kategorie: A bis Z, Blattkritik, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »
Tags: Award, Bild, FAZ, FAZ.NET, Frankfurter Allgemeine
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Am 23. November 2007 um 09:23 Uhr
Weil die FAZ Bilder auf die erste Seite hebt, orientiert sie sich an der BILD? Das ist ja mal eine gewagte Schlussfolgerung.