9.12.2007

Award der Woche für “Matheon”

Ein Sack voller Kopfnüsse

“Mist. Nur noch 39,2 Megabyte Platz. Der Weihnachtsmann fluchte…”

Wer kommt schon darauf, dass sich hinter diesem flotten Einstieg ein so genanntes “Knapsack- oder Rucksack-Problem” verstecken könnte? Eines, das als “ganzzahliges lineares Programm modelliert werden” kann? Wer versteht schon, dass mit “tropischer Algebra” nicht Rechnen unter Palmen gemeint ist? Und wer weiß, was “kombinatorische Optimierung” bedeutet? Oder “Cantorsche Paarungsfunktion”?

Für Menschen, die solche Formeln fix übersetzen können, ist es vielleicht wenig faszinierend, dass der pfiffigste digitale Adventskalender dieses Jahres – aus einem mathematischen Forschungsinstitut kommt. Für alle anderen schon.

“MathInside – Mathematik ist überall!” Unter diesem Motto hat Matheon 24 vertrackte Knobeleien ins Netz gestellt. Allesamt verpackt in verrückt-skurrile Kurzgeschichten (s.o.).

Matheon: Das ist das Berliner Forschungszentrum der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betreiben hier in etwa 70 Projekten angewandte Mathematik. Und einige von ihnen haben die Kalender-Aufgaben ausgetüftelt.

Schirmherr der Aktion ist der Deutschlandfunk. Aus der “Forschung-aktuell”-Redaktion kommt dieser Video-Trailer, gedacht als Einstimmung auf die Grübel-Parade.

Herausgekommen ist bei „MathInside“ die beste Antwort auf Pisa: mit Witz und Geist gegen das knochentrockene „Das-kann-man-überhaupt-nicht-verstehen-Image“ der Wissenschaft. Mathematik für Schüler spannend machen. Zeigen, wo sie sich im alltäglichen Leben versteckt. Und, anders als in der Schule: Das Medium ist das Internet. So vorbereitet, kann das Wissenschaftsjahr 2008 gern kommen. Es wird das Jahr der Mathematik

Und so funktioniert der digitale Kalender :
- Anmelden und registrieren lassen.
- Täglich um 18 Uhr öffnen sich die Türchen mit den Aufgaben.
- Dann hat man sechs Stunden Zeit, die Aufgaben zu lösen.
- Wer länger braucht, bekommt einen Zeitabzug.
- Gewonnen hat, wer die meisten Fragen in der kürzesten Zeit richtig beantwortet.

Alles weitere findet sich in den Spielregeln.

Um die 24 Aufgaben lösen zu können, braucht man das Mathe-Schulwissen der 11. Klasse. Genügen wird es allein eher nicht, denn ohne Spaß am Knobeln sind die Lösungen kaum zu finden. Ganz wichtig vor dem Untergang im Zahlenmeer: Die Schöpfer der einzelnen Aufgaben sind am Tag ihrer Aufgabe für Rückfragen im Forum zu erreichen.

Was den Mathekalender noch von der 69-Cent-Schoko-Variante abhebt: Neben den Tüfteleien hinter den Türchen birgt auch die grafische Gestaltung kleine Schätze. Klickt man die Porträts der dort gezeigten Mathematiker an, hebt man spannende Geschichten. Wie zum Beispiel die der russischen Mathematikerin Sonja Kowalewska, die – 1850 in Moskau geboren – ein für ihre Zeit extrem ungewöhnliches Leben führte.

Fazit: Der JEPBLOG-Award der Nikolaus-Woche geht ans Matheon. Für einen Adventskalender, der statt Schokolade extraharte Kopfnüsse verteilt. Der nicht dick macht, sondern klug. Ginge es besser?

Katrin Aldag-Gendner

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Blattkritik | Keine Kommentare »
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