11.12.2007

GASTBLOG: Konvergenz schlägt Kompetenz

Nachdem ich das letzte Mal verschollen war und es einen akustischen Beitrag von mir gab, melde ich mich mit einem Problem zurück, was ich seit dem letzten Monat mir herumtrage. Ich glaube, die haben das noch nicht so ganz verstanden mit dem Internet.

Der Mediengipfel auf den Medientagen in München hat mich verwirrt. Bayerns Ministerpräsident Erwin Huber und später auch seine Gäste schwadronierten über Medien, die Probleme, die Zukunft. Letztere werde bestimmt durch das Internet, so die Medienmenschen.

Wenn ich mir mit einem Monat Abstand auch noch einmal die Berichterstattung rund um die Medientage durchlese, frage ich mich noch einmal: Ist das wirklich deren Ernst? Das Internet als “das neue Ding” in der Medienlandschaft zu bezeichnen? Als große Unbekannte, die irgendwas mit der Zukunft zu tun hat? Wie schwierig das Thema “Internet” und Journalismus ist, zeigt eine aktuelle Debatte rund um DJV-Michael Konken (nachzulesen bei Thomas Mrazek und Thomas Knüwer).

Richtig verstanden hat der MDR das Internet. Richtig begeistert, hat mich Eric Markuse. Der Programmchef der MDR-Jugendwelle Sputnik hat am Donnerstag auf den Medientagen das Internetangebot mysputnik.de vorgestellt. Mich hat seine Präsentation begeistert – die Verzahnung zwischen Radioprogramm und Netzmöglichkeiten finde ich richtig gut. Angespornt aus Frequenzarmut im Heimatbundesland, hat die MDR-Welle eine Internet-Strategie entwickelt, die seit einigen Monaten im Netz präsent ist. Sämtliche Radioverantwortliche der Bundesrepublik sollten sich MySputnik genauer anschauen. Vielleicht sollten das sogar alle Besucher der Medientage überhaupt machen um ein Hauch Zukunft zu schnuppern. “Abi & DSL 20 bis 29″, das ist die neue Kernzielgruppe von Sputnik. “Man muß eng zielen und breit zu treffen”, grinste Markuse ins Plenum. Sein bestimmt unabsichtlicher Versprecher der Medieanalüge statt Mediaanalyse, als es um Zahlen ging, zog selbst Privatfunker auf seiner Seite. Deren Vermarkter zeigten sich schockiert, als sie das Internet-Video von Sputnik sahen: Hörer zertrümmerten auf Marktplätzen ihre UKW-Empfänger und bekamen dann WLAN-Radios überreicht. “Das kriegen wir doch niemals verkauft”, runzelten die Verkaufsleiter ihre Stirn. Aber schick fanden sie die Aktion schon und aktuelle Zahlen geben Markuse und seinen Kollegen Recht: Rund 700.000 Streamzugriffe gab es im Juli. Im Oktober wollten die Hörer Sputnik schon 2,5 Millionen Mal den Sender einschalten.

Keine Tagung kommt ohne Phrasenbingo aus – pflichtgemäß steuerte Markuse noch den Satz “Internet ist Community mit Radioanschluß” bei – dabei ist mir aufgefallen, dass spätestens im letzten Jahr der Begriff “Konvergenz” die “Medienkompetenz” auf den Podien abgelöst hat. Markuse füllt die Hülse zum Ende seiner Präsentation mit den Worten: “Konvergenz heißt auch den Blickwinkel verändern.” Etwas mehr Konvergenz wünsche ich mir auch im nächsten Jahr von den Teilnehmern des Mediengipfels in München.

Daniel Fiene

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »
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