18.2.2008

Russland und die freien Medien

Die Kombination von Russland und Pressefreiheit weckt nicht nur bei Nachwuchsjournalisten die große Neugier. So fanden sich zur Podiumsdiskussion “Russland vor den Wahlen – Welche Rolle spielen die Medien?” neben vielen Studenten aus Team 3 etwa 120 weitere Interessierte im Haus der Presse ein. Gleich vier russland-erfahrene Medienmacher hatten der BDZV und “Reporter ohne Grenzen” eingeladen. Doch leider enttäuschte die Veranstaltung: Man erfuhr kaum Neues.

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(Foto: Maria Exner)

Eine lebendige Diskussion kam nicht zustande. Stattdessen folgte ein Einzelstatement dem nächsten. Dabei fanden die Experten durchaus deutliche Worte. WDR-Chefreporter Klaus Bednarz verglich die Darstellung Putins in den großen russischen Fernsehsendern mit dem Personenkult um Breschnew und berichtete gar von einer Pressekonferenz, bei der die Journalisten von einem Regierungsprecher Zettel mit vorgefertigten Fragen bekommen hatten.

Michael Ludwig, FAZ-Korrespondent in Moskau, kritisierte die Haltung Putins, nach der Pressefreiheit erst dann herrschen könne, wenn die russische Wirtschaft saniert sei.

Dmitri Tultschinski – Leiter des Deutschland-Büros der russischen Nachrichtenagetur Ria Novosti – hatte den undankbaren Job des “Advocatus Diaboli”. Er verteidigte die russischen Medien, die sehr wohl auch regierungskritisch berichteten.

Die junge Journalistin Natalia Morar konnte aus eigener Erfahrung schildern, wie der russische Staat mit den Verfassern solch kritischer Berichte umgeht. Als Reporterin der “New Times” schrieb sie über korrupte Beamte. Die Folge: Nach einer Auslandsrecherche durfte sie nicht mehr nach Russland einreisen. Ihrer Einschätzung zufolge ist lediglich die Blogosphäre frei von Zensur – noch. Vor kurzem hat ein Kreml-naher Unternehmer die Rechte an allen russischen Internetsites mit kyrillischen Buchstaben gekauft.

Die interessanteste Frage des Abends kam aus dem Publikum: Inwieweit hat der russische Machtapparat Einfluss auf die Berichterstattung deutscher Medien, selbst in Deutschland? Als Negativbeispiel diente eine Sabine-Christiansen-Sendung zum Thema “Die Russen kommen” vom Dezember 2006. Damals waren sowohl Klaus Bednarz wie auch der russische Oppositionspolitiker Garri Kasparow plötzlich ausgeladen worden – Gerüchten zufolge auf Drängen der russischen Botschaft. Leider brachte Bednarz keine Klarheit in die Sache. Er antwortete nur etwas kryptisch, damals sei er nicht stolz auf die Kollegen gewesen. Daraufhin wurde das Thema fallen gelassen.

Schade um die vertane Chance. Die Frage nach Pressefreiheit in Russland ist allemal eine ordentliche Debatte wert. Denn es geht nicht um Kleinigkeiten. Klaus Bednarz brachte es auf den Punkt: Seit Putins Amtsantritt seien mehr als 20 Journalisten in Russland umgebracht worden. “Und das kann doch kein Zufall sein.”

Sarah Brech, Maria Exner

Autor: student Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »
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