Besuch von der “Rudi-Dutschke-Straße”
Eine Straße – zwei Adressen. Von der namentlich umkämpften “Rudi-Dutschke-Straße” kam Bascha Mika, Chefredakteurin der “taz”, ein paar Meter über die Straße zum Nachbarschaftsbesuch in unsere Akademie an der traditionsreichen Kochstraße. Sie ist die einzige Frau an der Redaktionsspitze einer überregionalen Tageszeitung in Deutschland, und das schon seit fast zehn Jahren. In der Zeitrechnung unserer Branche eine Ewigkeit.

(Foto: Anastasia Iksanov)
Als Lieblingsfeind hat die “taz” die BILD im Visier. Aber viele erinnern sich noch daran, wie zum 25-jährigen Jubiläum ausgerechnet dieser Feind für einen Tag die alternative Tageszeitung machte. BILD-Chefredakteur Kai Diekmann saß auf Einladung für einen Tag auf dem Sessel von Bascha Mika am “taz-Tisch”. “Kai Diekmann mal eine Zeitung machen zu sehen, da kann man noch was lernen”, erzählt Bascha Mika über diesen besonderen Produktionstag beim Hintergrundgespräch in der Axel Springer Akademie. Fast fünf Jahre sind seither vergangen. Bis heute wartet die Blattmacherin auf die Chance zur Revanche. Endlich will sie einmal einen Tag dort Platz nehmen, wo Kai Diekmann seine Zeitung macht.
Im Gegensatz zu den klassischen Hierachieformen ist die “taz” als antihierachischer Betrieb gegründet worden. Den “MitarbeiterInnen” gehört die Zeitung. Nach einem Jahr können sie Mitglied in der Genossenschaft werden und erwerben so ein Stimmrecht für Angelegenheiten der Genossenschaft. Mit einem Lächeln auf den Lippen sagt Bascha Mika, sie sei auf die klassischen Strukturen wie bei Springer ein bisschen neidisch. Immerhin täten die Leute dort das, was der Chef sage, witzelt die Blattmacherin. Aber natürlich bleibt die Chefredakteurin ihrer “taz” treu. Dank flacher Hierarchie und vielen Debatten ist die “taz” für Bascha Mika “die beweglichste Zeitung mit dem größten Entwicklungspotenzial” in Deutschland.
Besonders wichtig ist der “taz” die innere Pressefreiheit. Jedes Ressort ist selbst verantwortlich, was es auf die Seiten hebt. Klingt nach Basisdemokratie, ist in der täglichen Redaktionspraxis aber auch in anderen Häusern nicht unüblich. Chefredakteure können halt nicht alles redigieren, auch Bascha Mika nicht. Zwar durfte sie bis heute nicht an den Schreibtisch von Kai Diekmann, aber dafür war sie zum ersten Mal Gast der Axel Springer Akademie. Als Dank folgte sogleich die Gegeneinladung für Team 3: Redaktionskonferenz und Blattkritik bei der “taz”. Weit ist der Weg ja nicht – nur auf die andere Straßenseite.
Anne Merholz
Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Blattkritik, Gäste der Akademie, Medienmacher zu Besuch | 3 Kommentare »
Tags: Bascha Mika, Bild, bild.de, Blattkritik, Kai Diekmann, taz, Team 3
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Am 26. März 2008 um 16:14 Uhr
YEAH! Lang hats gedauert, brilliant ists geworden! *Klein und Gemein*
Am 26. März 2008 um 18:50 Uhr
“Endlich will sie einmal einen Tag dort Platz nehmen, wo Kai Diekmann seine Zeitung macht.”
ich finde, die aussage von frau mika bekommt vor dem hintergrund des “BILD-Männer-Plakates” bei der taz noch mal eine ganz neue bedeutung…
Am 27. März 2008 um 10:42 Uhr
@ MS: Vielen Dank
Hatte aber auch sehr gute Unterstüzung durch AM!
@ pro: Dieses Plakat ist auch der Grund warum ich unbedingt hier im Springerhochhaus arbeiten wollte