GASTBLOG: Ein Loblied auf die Praxis
Bitte eines vorweg: Dass hier im Folgenden von einem Buch die Rede ist, das ich geschrieben habe, soll bitte nicht als neuer Fall von Schleichwerbung verstanden werden. Dass es desweiteren um eine Kritik geht, die an diesem Buch geübt wurde, hat auch nichts damit zu tun, dass ich übermäßig schnell beleidigt wäre – sondern mit einer sehr grundsätzlichen Debatte darüber, wie wir den Journalismus der Zukunft gestalten wollen. Ok?
Danke. Disclaimer beendet.
Erst mal zwei Sätze zum Buch und zur an ihm geäußerten Kritik: “Crossmedia” ist erschienen in der Reihe “Journalistische Praxis” (UVK) und hat ungefähr einen Anspruch, nämlich journalistische Praxis zu vermitteln. Es soll nicht die hundertste Abhandlung medienwissenschaftlicher Natur sein und es erhebt auch nicht den Anspruch zu wissen, wo sich die Medien im Allgemeinen und der Journalismus im Besonderen hinbewegen. Stattdessen geht es um einen viel einfacheren Ansatz: Wenn ich ein Audio produzieren will, welches Gerät brauche ich dafür? Welchen Regeln folgt ein gutes Video? Was, um es zusammenzufassen, muss ich können, wenn ich künftig da draußen in der crossmedialen Medienwelt überleben will? Natürlich kommt man dann gelegentlich zu der einen oder anderen theoretischen Abwägung, letztendlich aber sollte uns alles zusammen, die wir in irgendeiner Weise Journalismus machen, eines klar sein: Wissen in des Wortes Sinne – tun wir momentan erst einmal gar nix…
Die Kritik kommt von einem Medienwissenschaftler – und der kritisiert vor allem meine unakademische Herangehensweise; er bemängelt das fehlende Literaturverzeichnis und die mangelnde Nachprüfbarkeit von Zitaten. Und schließlich heißt es:
„Dass der Autor der (akademischen) Journalistik auch unabhängig von dieser Frage scheinbar nicht sonderlich viel abgewinnen kann, zeigt nicht zuletzt das abschließende Kapitel zur ‘Aus- und Weiterbildung’ im (Crossmedia-)Journalismus: Der enthaltene Überblick über entsprechende Ausbildungseinrichtungen listet ausschließlich Journalistenschulen und Akademien auf — als ob die hochschulgebundene Journalistenausbildung zu diesem Thema gar nichts beizutragen hätte. Aus den genannten Gründen kann ich das Buch “Crossmedia” leider nicht für den Einsatz in der Lehre empfehlen.“
Wie gesagt: Kritik akzeptiert – und dennoch würde ich insbesondere auf den Satz mit der akademischen Journalistik gerne eingehen. Denn es stimmt tatsächlich, der akademischen Journalistik konnte ich noch nie viel abgewinnen; ich glaube sogar, dass sie gerade jetzt in einer Phase, in der wir den (digitalen) Journalismus neu erfinden müssen, nicht von Relevanz ist. Ich halte es für wesentlich wichtiger, in der jetzigen Phase das zu tun, was u.a. auch hier an dieser Akademie getan wird: rausgehen, versuchen, analysieren, ein Stück weit auch autodidaktisch arbeiten. Ich glaube explizit nicht, dass man crossmedialen Journalismus jetzt schon “lehren” kann – dazu sind die Entwicklungen immer noch viel zu rasant; der Ansatz wäre für Lehrende wie auch Nachwuchsjournalisten wenig erfolgsversprechend. Was heute noch gilt, kann morgen schon überholt sein; keine sehr schönen Aussichten für die klassische Lehre.
Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, warum ich in der Tat der Meinung bin, dass die „hochschulgebundene Journalistenausbildung“ nicht sehr viel zu dem Thema beitragen kann. Und genau deswegen stehen im Überblick über die Ausbildungseinrichtungen nur Schulen und Akademien (im Übrigen auch diese hier) – keine Gedankenlosigkeit, sondern pure Absicht.
Christian Jakubetz
Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 6 Kommentare »
Tags: Akademie, Ausbildung, Christian Jakubetz, Crossmedia, Debatte, Gastblog, Journalistenschulen, Journalistik, Literatur
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Am 29. Juli 2008 um 21:29 Uhr
Hallo Herr Jakubetz,
Ihr Buch wurde wahrscheinlich von einem für den universitären Journalismus tätigen Dozenten, also einem Wissenschaftler kritisiert.
Zuersteinmal muss man anmerken, dass jedes Buch, welches einen wissenschaftlichen Anspruch verfolgt oder als so eins gesehen wird, von anderen Wissenschaftlern kritisiert wird. Das ist der Usus und trägt ebenso dazu bei, dass Ihr Buch in den Fokus gerät. Ich besitze Ihr Buch nicht, und kann daher nur vermuten, dass Sie es vor allem zur Orientierung für angehende Journalisten oder Vertiefung für im Journalismus Tätige verfasst haben. Vielleicht kann man es als Handbuch sehen. Ich bin der Meinung, dass man den praktischen Journalismus nicht oder wenig theoretisch vermitteln kann. Viele Studiengänge an der Universität sind aber auch aufgrund von fehlenden Mitteln theoretisch ausgelegt.
Das muss nicht immer so sein, ich hatte einen medienwissenschaftlichen Studiengang, der sehr praxisorientiert war, eben auch die geforderten Leistungen im praktischen Bereich waren und weniger zur wissenschaftlichen Diskussion beitrugen.
Verfasst man als beispielsweise als Historiker ein Buch, so ist es unabdingbar, alles ganz konkret an jeder Stelle nachprüfbar zu machen. Das ist an manchen Stellen auch im Fach Geschichte übertrieben, doch die Wissenschaft verlangt es.
Ebenso bin ich der Meinung, dass die Wissenschaft durch das Pochen auf das “wissenschaftlich Korrekte” praktische Aspekte haäufig vergisst, die beim Lernen und Lehren nicht zu kurz kommen sollten. Gerade eben im universitären Fach Journalismus oder Medienwissenschaften muss Praxis vor Theorie kommen, schließlich haben die Studierenden meist vor, Journalisten zu werden und nicht Wissenschaftler.
Lassen Sie sich durch die Meinung eines Wissenschaftlers, der versucht den theoretischen Journalismus in der Wissenschaft zu etablieren( auch das kann ein spannendes Feld sein und ist mit Sicherheit alles andere als einfach), nicht beirren.
Freuen Sie sich an dem feedback, der von praktischen Journalisten kommt, von Journalismus- Studenten, die in Ihrem Buch eine Berufsorientierung sehen. Ich glaube diese Intention verfolgen Sie eher, als von Wissenschaftlern in die Forschung integriert zu werden. Nichts desto trotz kann und sollte man Ihr Buch natürlich auch als Student der Medienwissenschaften o.ä. in Arbeiten zitieren. Da ist ein Inhaltsverzeichnis nicht von Nöten. Schließlich sollte es hier primär auf den Inhalt ankommen!!
Am 31. Juli 2008 um 00:05 Uhr
Danke Smarti(ass) Nachdem du deinen Kommentar dazu geben hast, kann Christian Jakubetz jetzt sicher beruhigt einschlafen.
Über Literatur zu posten, die du nicht rezipiert hast, ist falsch. Als Student, der “einen medienwissenschaftlichen Studiengang” genossen hat, solltest du das eigentlich wissen, gerade weil du diesen Blog unangemessenerweise für eine Selbstdarstellung der unangenehmen Sorte nutzt.
Dadurch kriegste den Volo-Platz (den du ja eigentlich gar nicht mehr nötig hast, oder smarti?) auch nicht, kapische???
Am 31. Juli 2008 um 00:11 Uhr
auf die akademische seite darf man ruhig mal pfeifen, ohne gleich eine grundsatzdiskussion über die bedeutung der wissenschaft führen zu müssen. bauanleitungen für lego-technik stehen ja auch nicht gleich im verdacht, eine missachtung der zugrundeliegenden mechanik oder physik zu sein. der experimentiergedanke gefällt mir. er gibt dem journalismus wieder etwas underground zurück, auch wenn dieser vergleich einige vielleicht etwas zu arg bemüht erscheint. rock, punk oder elektronische musik sind auch durchs heimische basteln am billigen sequenzer entstanden und zu einer kulturellen größe geworden. und es gibt eine menge grandioser unverkrampfter erstlingswerke, die ihrerseits nun wieder durch kulturjournalisten oder musikwissenschaftler untersucht werden. und dabei kommen am ende auch einige interessante artikel und sogar forschungsarbeiten heraus. vielleicht lautet die devise in dieser debatte also: enstpannt bleiben.
ps: wo kann man eigentlich presse-exemplare bestellen?
Am 31. Juli 2008 um 03:52 Uhr
Komisch, dass meine Kritiker immer mit E beginnen. Und wieviele Accounts willst du dir denn noch zulegen? “Erbel”, “es” und jetzt “Ernie”. Durch deine Schreibweise verrätst du dich doch immer wieder, sagte ich dir ja schon bei “neunmalklug”.
(Um mal wissenschaftlich zu werden: “…kapische?” Vgl: Erbel, Post 84. In: 200 fahren nach Berlin.) Lass also bitte deine stop smarti Parolen, ich kenne jetzt deine Meinung über mich!
Wofür benutzt du denn diesen Blog? Über Personen zu urteilen, die du gar nicht kennst, ist falsch, solltest du doch als Mensch eigentlich wissen.
Ich habe hier keine Buchkritik abgegeben, sondern auf eine gestellte Frage geantwortet und mich zu einem Thema geäußert, dass mich selbst beschäftigt.
Dass ich hier blogge hat damit zu tun, dass ich mich an der Axel Springer Akademie beworben habe, und mich mit genau dieser, den anderen Bewerbern und gerne auch mit dem Buch eines Axel Springer Akademie Journalisten auseinandersetze. Ich halte das für angemessen. Mit deinem Post hilfst du jedenfalls keinem weiter, du hast noch nicht einmal etwas Sinnvolles geschrieben. Und wenn ich dazu beigetragen habe, dass Herr Jakubetz besser schlafen kann, freut mich das umso mehr. Ich zumindest kann es bei der Hitze nicht mehr. Guten Morgen!!
Am 8. August 2008 um 22:13 Uhr
@PVS: Presstelle UVK – freuen sich über jede Besprechung, sogar von Akademikern
Am 12. August 2008 um 13:25 Uhr
[...] man sich anderenorts lieber mit fröhlichem Wissenschaftler-Bashing beglückt, zeigen DJV und DGPuK nun, dass sich [...]