Alle Achtung, Herr Kobler!
Respekt, Martin Kobler ist ein Diplomat von Format. Als Leiter der Kulturabeilung des Auswärtigen Amtes und früherer Irak-Botschafter stellte er sich uns – 20 jungen, wissbegierigen Journalisten – im Roten Salon der Axel Springer Akademie.

(Foto: Hans von der Burchard)
Wir hatten gute Fragen für dieses Studium Generale vorbereitet. Knifflige Fragen. Dachten wir. Zum Beispiel wollten wir wissen, was das kulturelle Engagement des Goethe-Institutes für Deutschland bringt. Und warum Praktikanten dort eigentlich kein Gehalt bekommen, wo das Institut doch offiziell so viel Wert darauf legt, dass Bildung gefördert wird. Wir fragten, ob der Irak spätestens 2058 im Chaos versinken wird, wenn die Ölreserven erschöpft sind. Und ob man als Botschafter im Irak nicht irgendwann verzweifelt und einfach Angst um sein Leben hat.
“Ich hatte manchmal schon Angst, aber Angst ist ein schlechter Ratgeber. In solchen Situationen helfen weder Übermut noch zu große Vorsicht“, war das pragmatische Statement von Martin Kobler, dessen Fröhlichkeit anscheinend krisenresistent ist. Je mehr er erzählte, welche Grausamkeit und wie viel Gewalt er im anarchischen Bagdad erlebt hat, desto erstaunter waren wir über seinen unerschütterlichen Optimismus. Deswegen sieht Martin Kobler auch die nähere Zukunft des Iraks positiv. Die Ölreserven sieht er als eine Grundlage, damit der Irak sich längerfristig gut aufstellen kann.
Das mit dem Praktikantengehalt im Goethe-Institut haben wir allerdings nicht wirklich verstanden. Was war noch gleich der Grund, warum im Etat keine Entschädigung drin ist? Wahrscheinlich sind wir alle gebrannte Kinder der Medienwelt – bei uns bestehen weiterhin Zweifel, ob unbezahlte Praktika der richtige Weg sind. Auf unsere Fragen nach der Relevanz der Goethe-Institute in der ganzen Welt sagte Martin Kobler: “Da, wo Politik nicht weiterkommt, setzt die Kultur an.“ Eine Picasso-Ausstellung im Goethe-Instiut in Dubai bringe zum Beispiel Diskussionen in Gang, die auch gesellschaftliche Veränderungen bewirken könnten.
Wahrscheinlich ist Martin Kobler ein Beispiel dafür, wie Menschen an Extremsituationen wachsen. Wenn beim täglichen Telefonat mit der Familie immer der Gedanke im Hinterkopf ist, “es könnte das letzte Mal sein.“ Und er trotzdem sagt, dass er gerne länger als ein Jahr im Irak geblieben wäre. Vielleicht war das so, weil ihn die Reaktionen vieler Irakis in seinem Einsatz bestärkt haben. “Noch nie habe ich so oft gehört, ‘Danke, dass Sie hier sind’ “, sagt Martin Kobler.
Da können wir uns nur anschließen. Wir sagen Danke an Herrn Kobler für seine Erfahrungsberichte, die uns den Irak-Konflikt verständlicher haben werden lasssen. Das war sehr spannend. Es war eine Herausforderung für uns, ihm Fragen zu stellen. Und wir hatten gute Fragen. Knifflige Fragen. Martin Kobler aber hat sich nicht in die Karten schauen lassen. Sehr diplomatisch!
Dörte Apel und Karen Merkel
Autor: student Kategorie: A bis Z, Gäste der Akademie | 2 Kommentare »
Tags: Akademie, Botschafter, Familie, Irak, Kultur, Studium generale
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Am 4. August 2008 um 12:44 Uhr
ähem…
…und was hat er nun dazu gesagt, dass kein Gehalt für Praktis gezahlt wird? Da ICH jetzt eure Antwort eher “knifflig”…
“Die Ölreserven sieht er als eine Grundlage, damit der Irak sich längerfristig gut aufstellen kann.”
——also diese Antwort fegt mich jetzt auch nicht unbedingt aus dem Schreibtischstuhl…
Am 4. August 2008 um 12:45 Uhr
sorry. verb fehlt. zwischen “da” und “ICH” bitte “finde” einsetzen. auch knifflig.