5.8.2008

GASTBLOG: Yahoo! Pipes für Journalisten

137 Feeds, 1.196 ungelesene Beiträgen: Wer seine Nachrichten- und Themenkanäle mit einem RSS-Reader scannt, kann leicht den Überblick verlieren und Wesentliches verpassen. Yahoo! Pipes ist ein Werkzeug, das diese Informationsflut kanalisiert. Es kombiniert beliebige RSS-Feeds und filtert aus dieser Datenflut genau jene Artikel, die bestimmte Selektionskriterien erfüllen. Das klingt kompliziert, ist aber kinderleicht.

Wer Yahoo! Pipes nutzt, arbeitet ein bisschen wie ein DJ. Es geht darum, sinnvolle Quellen auszuwählen, geeignete Bereiche zu mixen und die Steuerungsregler an den entscheidenden Stellen zu betätigen. Das Ergebnis ist eine Auswahl genauer jener Beiträge, die die eigenen Selektionskriterien erfüllen.

Das Schöne an Yahoo! Pipes ist: Man muss die technische Struktur eines RSS-Feeds (unten) nicht wirklich verstehen, um sich seine eigene Pipe zu bauen. Und das geht so:

1. Die Formalien: Wer Yahoo! Pipes nutzen will, benötigt eine Yahoo-ID (eMail-Adresse).

2.
In unserem einfachen Beispiel wollen wir eine Pipe bauen, die uns über das Thema “Zensur in China“ auf dem Laufenden hält. Wir klicken auf “Create A Pipe”.

3.
Ganz oben in der linken Sidebar können unter “Sources“ die Content-Quellen ausgewählt werden, die gescannt und gefiltert werden sollen – zum Beispiel der RSS-Feed einer Website, getaggte Fotos bei flickr oder Suchergebnisse von Yahoo! Wir konzentrieren uns auf RSS.

4.
Mit der Option “Fetch Feed“ kann man beliebige RSS-Feeds kombinieren. Wir entscheiden uns für das Blog des Sportjournalisten Jens Weinreich und das Sport-Ressort von Welt Online, ziehen das babyblaue Feed-Modul in den breiten Contentbereich nach rechts und fügen die RSS-Feeds dieser beiden Seiten hinzu.

5.
Da wir nur ganz bestimmte Artikel dieser beiden Feeds angezeigt bekommen wollen, richten wir einen Filter ein. Unter dem Menüpunkt “Operators“ findet sich die Option “Filters“ – wir ziehen auch dieses Modul in den Content und definieren einige Selektionskriterien. Zum Beispiel muss die Überschrift eines Beitrags ein ganz bestimmtes Schlagwort (“Peking“) enthalten, damit der Artikel aufgeführt wird.

6.
Jetzt müssen das Feed-Modul und das Filtermodul miteinander verbunden werden. Yahoo! visualisiert das sehr intuitiv mit blauen Röhren (“Pipes“), durch die nun die Daten fließen und zu einem einzigen Datenstrom zusammen geführt werden. Sobald eine zweite Röhre zwischen dem Filtermodul und dem “Pipe Output“ (unten) gelegt ist, tauchen die gefilterten Beiträge in einer Artikelliste auf.

7.
Die letzten Schritte: Pipe speichern (“Save“), und aktivieren (“Run Pipe“) – alles ohne Programmierung!

8. Die erstellet Pipe (im Beispiel: Zensur Olympische Spiele China) kann man nun zum Beispiel als Widget (“Badge“) in eine Website einbinden oder wiederum als RSS-Feed abonnieren.

9.
In Netvibes (einem browserbasierten RSS-Reader) sieht solch ein personalisierter Pipe-Filter dann zum Beispiel so aus:

Lesenswerte Artikel zu diesem Thema:

* Video-Tutorial zu Yahoo! Pipes
* Onlinejournalismblog: How to create basic Mashups with Yahoo! Pipes
* ReadWriteWeb: Anwendungsbeispiele für Yahoo! Pipes
* ReadWriteWeb: Wie man mit Yahoo! Pipes das verrückteste Zeug im Internet findet

Markus Hofmann

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 4 Kommentare »
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4 Kommentare zu “GASTBLOG: Yahoo! Pipes für Journalisten”

  1. claas

    danke für den hinweis. aber wozu brauche ich Yahoo pipes, wenn es netvibes gibt? das funktioniert auch ohne sich die 4. mail-adresse anlegen und merken zu müssen. vielleicht eher etwas für leute, die ohnehin schon einen yahoo-account haben.

  2. Harry

    Interessanter Beitrag – dennoch kann ich hier meinem VOrredner nur zustimmen – netvibes reicht völlig aus. Werde Yahoo! Pipes aus Neugier dennoch testen.

  3. Markus Hofmann (Badische-Zeitung.de)

    Das Argument ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen.

    Die Gemeinsamkeit zwischen Netvibes und Yahoo Pipes ist die Personalisierbarkeit.

    Der Unterschied ist die Möglichkeit, beliebige Datenquellen zu aggregieren (“mashen”) und auf bestimmte Themen zu filtern.

    Anwendungsbeispiel: Meedia aggregiert ja neuerdings auf einer Seite die Feeds von 50 deutschen Medienseiten
    –> http://meedia.de/menu/tools/meedia-browser/deutschland/

    Das kann man auch auf Netvibes nachbauen.

    Angenommen, ich möchte nun all diese Quellen zu einem ganz bestimmten Thema scannen (zB zeige mir nur Beiträge zu StudiVZ oder Facebook), dann kann man mit Yahoo Pipes effizienter arbeiten, weil ich das, was ich scannen will, für mich rausgefiltert wird.

  4. Georg

    Trotzdem braucht man natürlich auch wieder einen yahoo-account, den sich ja auch nicht unbedingt jeder noch zulegen will. Generell habe ich mittlerweile aber auch schon so viel Positives über Pipes gehört, dass ich dem ganzen wirklich gute Chancen ausrechne, yahoo mal wieder einen kleinen aber bitter nötigen Push zu verpassen. In letzter Zeit verliert Yahoo gegenüber der Konkurrenz ja meist nur.

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