GASTBLOG: Kann Joe the plumber Khmer?
CNN hat gestern angekündigt, die Wahl in den USA würde die Welt verändern können, und deshalb möge man doch bitte gar nicht mehr vom TV – und den Werbeeinblendungen – weggehen.
Interessiert es denn wirklich auch den so genannten kleinen Mann auf der Strasse in anderen Ländern? Ein Freund von mir hat mir eine Geschichte erzählt, die ihm vor zwei Tagen passiert ist und zeigt, wie die Wahlen tatsächlich die “Joe the Plumbers” dieser Welt beschäftigen.
John lebt seit einigen Jahren in Kambodscha und spricht fließend Khmer. Wie die meisten Menschen in Phnom Penh bedient er sich der Motodubfahrer, einfache Leute die versuchen mit ihrem Motorrad ein paar Riel zu verdienen, in dem sie Menschen von A nach B bringen. Sie sprechen in der Regel kein Wort englisch, freuen sich aber immer über eine Konversation auf Khmer. Und so machte sich John schon auf die üblichen Fragen “Woher kommst Du”, “Was machst Du”, “Hast Du Kinder” und so weiter vor. Doch er fiel fast vom Motorrad, als der Fahrer erst fragte, ob er aus den USA sei und dann, ob er denn schon gewählt habe. Der Fahrer selbst sagte nicht ohne Stolz, dass er neulich bei den Wahlen in Kambodscha auch gewählt habe. Dann fragte der Fahrer welche Parteien es denn in den USA gäbe, und welche Programme die haben. Am Ende fragte er meinen Freund natürlich, wen er gewählt habe und wunderte sich, als dieser sagte, das sei sein Geheimnis.

Barack Obama mit kambodschanischem Krama-Schal.
(Bild: jinja@ekit.com, Concept: Jinja / Art: Vuth)
Der Economist hat in einer Umfrage versucht herauszufinden, wer gewählt würde, wenn alle Ländern der Erde mitwählen dürften. 9.115 stimmten für Obama, 203 für McCain. Aus Burma gab es 72 Stimmen, jeweils die Hälfte für einen der beiden Kandidaten. Für McCain stimmten Kongo, Algerien und der Irak. In Kambodscha gingen alle 23 Stimmen an Obama, in Vietnam gewann Obama 89 Prozent. (Gallup hat eine ähnliche Umfrage gemacht, in der Kambodscha ein Pro-McCain-Land ist.)
Jetzt dürften die Stimmen gerade aus den Entwicklungsländern in der Regel von Expats gekommen sein, da Einheimische kaum den Economist lesen, aber sowohl die Geschichte aus Kambodscha als auch die Umfrage zeigen: Ja, die Welt hat ein großes Interesse an der Wahl. Und das wiederum wird auch in den USA selbst annerkennend notiert. Das Politblog Huffington Post widmete einen Artikel dem Thema “Obama in Cambodia”. Wayne Weightman, Vorsitzender der kambodschanischen Democrats abroad sagt: “It’s not just Americans in Cambodia, but all nationalities in Cambodia. The whole world is watching this.”
Und weil das hier ja ein Blog für angehende Journalisten ist, noch ein Rat: Auch wenn man meint, dass alles gesagt wurde, so lohnt sich immer ein Blick über den Tellerrand. Es ist dank Internet heute ein leichtes, Stimmen aus anderen Ländern zu bekommen. Blogs und Co. machen es möglich.
Thomas Wanhoff
Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »
Tags: Barack Obama, CNN, Gastblog, Huffington Post, Irak, Kambodscha, Thomas Wanhoff, Umfrage, USA
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Am 10. November 2008 um 14:27 Uhr
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