28.11.2008

Award der Woche für spoonfork.de

Den tristen November einfach wegblasen, wer wünscht sich das nicht? Das Online-Magazin Spoonfork macht’s möglich: einfach Windstärke einstellen, Namen ausdenken und schon fegt der persönliche Tornado über den Bildschirm. Je nachdem, wie aggressiv oder gnädig gestimmt der User gerade ist, kann er ein Spiegelei in der Pfanne, ein Croissant, einen Teddy, ein Auto oder auch ein ganzes Haus dem Sturm opfern.

Früher oder später wird er beim Umblättern im Heft seinen ganz persönlichen Hurrikan wieder treffen.

Umblättern im Heft? Ja, Sie haben richtig gelesen. Denn Spoonfork ist zwar ein Online-Magazin, aber eines, das anmutet wie eine Hochglanz-Printausgabe. Es besteht aus nummerierten Seiten, auf denen man vor- und zurückblättern kann, hat ein Inhaltsverzeichnis und sogar ein Lesezeichen.

Eine tröge eins-zu-eins-Übertragung eines gedruckten Lifestyle-Magazins ins Internet ist Spoonfork deshalb noch lange nicht. Denn Spoonfork spielt mit allen Möglichkeiten, die das Internet zu bieten hat.

Immer wieder faszinierend ist die Playlist des Monats mit eigenem CD-Cover zum Ausdrucken. Der Clou dabei: Jeder Song ist verlinkt und kann kostenlos und ganz legal aus dem Internet heruntergeladen werden. Ideal also, um die eigene CD-Sammlung zu erweitern, neue Künstler kennenzulernen und sich musikalisch auf den jeweiligen Monat einzustimmen.

Das akustische Angebot wird abgerundet durch herkömmliche CD-Rezensionen (auch von Hörspielen und Hörbüchern!) und einen “Pop-Salon“, in welchem virtuelle Musik-Redakteure diskutieren. Klickt man die einzelnen Personen an, öffnet sich jeweils ein Dialogfenster. Auch hier hat jeder Redakteur eine persönliche Playlist zusammengestellt, allerdings verweisen die Links auf das Musikportal musicload – das heißt: hören gratis, Download kostenpflichtig.

Spoonfork setzt sich aber nicht nur mit der Musikszene, sondern auch mit Design, Mode und Kunst auseinander. Nationale und internationale Ausstellungen werden angekündigt und besprochen, Collagen, Bilder und Objekte diverser Künstler und Designer vorgestellt – und immer ist der Bildschirm in Bewegung, fliegen die Fotos von der Seite ins Blatt oder rutschen wenige Sekunden später wieder vom virtuellen “Papier“.

Abgerundet wird das multimediale Angebot durch experimentelle Videos und kleine nutzlose, aber lustige Spielchen, bei denen es auch schon mal passieren kann, dass einem ein Außerirdischer rät, seine Badewanne als Kühlschlafbehälter zu tarnen.

Bei all den innovativen Ideen des Magazins sollte auch der crossmediale Klassiker erwähnt werden: (Fast) alle Texte kann man auch als Audio anhören.

62 Seiten hat die Novemberausgabe des Magazins, das glücklicherweise auf nervige Werbebanner und Pop-Ups verzichtet. Lediglich dem Sponsor Start to Grow ist eine Doppelseite gewidmet, doch selbst auf dieser haben die Macher noch eine Spielerei eingebaut. Die Macher – das sind die Journalistin Katja Neumann und der Designer und Programmierer Bashar Farhat. Unterstützt werden die beiden durch 29 freie Mitarbeiter, darunter Journalisten, Publizistikstudenten, Designer und Schauspieler. Ein Klick auf die Namen im Impressum verrät weiteres.

Und wer sich an dieser Stelle nicht mehr von seinem persönlichen Hurrikan trennen mag, der kann ihn sich gratis als Bildschirmschoner herunterladen. Nur Beeilung ist angebracht, denn am 1. Dezember erscheint schon die nächste Spoonfork-Ausgabe. Und wer weiß, was sich darin wieder versteckt.

Verena Töpper

Autor: student Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »
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