2.12.2008

GASTBLOG: Vietnam zeigt, wie’s geht

Gerade komme ich aus Kambodscha zurück, einem Land in dem es zwar eine Menge Zeitungen gibt, die meisten aber der einen oder anderen Partei gehören. Pressefreiheit ist zwar nominal vorhanden, aber als die englischsprachige Cambodia Daily eine Burma Daily herausgeben wollte, ging das der Regierung zu weit.

In Sachen Presse naht jetzt Hilfe – von einem Nachbarn, der weiß wie man mit der Presse umgeht: Vietnam.

Der stellvertretende Premierminister Nguyen Sinh Hung hat vergangene Woche Mitarbeiter der staatlichen kambodschanischen Presseagentur Agence Kampuchea Presse (AKP) empfangen.  Grund des Besuches ist ein Workshop, veranstaltet von der vietnamesischen Nachrichtenagentur Vietna News Agency.

Nun sind staatliche Nachrichtenagenturen ja immer so eine Sache (wir erinnern uns an die gerade herausgegebenen, völlig unscharfen Fotos von Kim Jong Il), aber wenn ein sozialistisches Land wie Vietnam einer Pseudodemokratie wie Kambodscha helfen will in Sachen Nachrichten, dann kann nur eines herauskommen: Ein angepasster Propaganda-Apparat.

Hierzulande in Vietnam wird nichts berichtet, was politisch heikel sein könnte. Journalisten wandern für eine Recherche schon mal ins Gefängnis, weil die Geschichte sich wohl mit den Falschen beschäftigte.

Und nun also gibt es eine Art Beratungsauftrag für den einst so ungeliebten Nachbarn. Offiziell geht es bei den Workshops natürlich um technische Lösungen und Trainingsangebote. Letztlich aber hat es einen Grund, dass sich die kambodschanische Regierung diese Nachhilfe in Vietnam sucht und nicht etwa bei westlichen Ländern. Es geht um die Kontrolle von Informationen. Die regierende CPP hat die vergangenen Wahlen wieder einmal dadurch gwonnen, dass die Landbevökerung kein oder nur gefilterte Informationen bekommt. Das übrigens war ein Grund, warum Herr Thaksin in Thailand so erfolgreich war und ist – er kontrollierte die meisten Medien.

Mal abgesehen davon, dass es in Kambodscha selbst Trainigsprogramme sogar für investigativen Journalismus gibt. Die werden aber von ausländischen NGOs veranstaltet und kaum einer mag dort ausgebildete Journalisten auch später einstellen.

Als es noch die Sowjetunion gab, wusste ich immer, wie ich mit einer Nachricht der “staatlichen Nachrichtenagentur Interfax” umzugehen hatte. Heute ist diese Floskel “staatliche Nachrichtenagentur” so alltäglich geworden, dass wir manchmal vergessen, dass solche Informationen in der Regel schlichte Propaganda sind.

Thomas Wanhoff

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »
Tags: , , , , , , ,

Verwandte Artikel

Einen Kommentar schreiben