“Ich bin eine kleine BILD-Zeitung!”
Blogger oder Journalist? Oder was kann der Journalist noch, was der Blogger noch nicht kann? Wer tut was und wer darf was? Oder sind sie eigentlich das Gleiche? Ein Abend mit Internet-Tagebüchler Robert Basic.

Robert Basic vertritt streitbare Thesen im Akademie-Newsroom (Foto: Hans v. d. Burchard)
Journalist ist, wer hauptberuflich an der Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt ist. Soweit bekannt. Brenzlig wird es aber dann, wenn man unter der Lupe betrachtet, was in den letzten Jahren zum Massenmedium geworden ist. Und noch brenzliger wird es, wenn man erkennt, wer dort alles Informationen, Meinungen und Unterhaltung verbreitet. Nämlich so ziemlich jeder. Die Blogger sind da – und die Schlacht beginnt.
Und zwar live in der Axel Springer Akademie: zwischen Team 4 und dem Blogger Deutschlands, Robert Basic. Auf seiner Website sammeln sich bis zu einer Million Menschen, tauschen sich aus über das BKA-Gesetz, den verlorenen Sohn und die Frage nach dem richtigen Alter, für das Kind ein Handy anzuschaffen, neueste Kinofilme, zufällig entdeckte Songs oder eben – und da wird es wieder brenzlig – den Vor-Ort-Bericht eines Bloggers aus Bombay während der Bombenanschläge Ende November.
Was also unterscheidet das noch von der Live-Schalte zu einem Auslandskorrespondenten? Blogger Basic meint: “Wozu braucht man noch Journalisten? Es ist relativ wahrscheinlich, dass normale Menschen Nachrichten produzieren. Lokal und viel aktueller als die Journalisten.“ Im Akademie-Newsroom wurde es zunehmend unruhig. Team 4 sprach Punkte wie Qualität oder Vertrauen an. Doch Basic konterte: “Technik verändert Kulturen! Blogger kennen sich untereinander, haben täglich aktiven Kontakt zu ihren Lesern und so eine viel engere Bindung. Ein Journalist kann dies nicht ersetzen.“ Egal, was wir anbrachten, Basic ließ nicht locker. Auch dass Journalisten Fakten für den Leser einordnen, analysieren, beurteilen und zusammenfassen sollen, wies er zurück, da ja auch jeder Blogger das entsprechende Thema nach seiner Meinung darstelle. Was also gäbe es besseres als den Austausch mit Menschen, die ihre persönlichen Erfahrungen zu individuellen Themen zur Verfügung stellen? Seiner Meinung nach nichts.
Die phasenweise hitzige Diskussion endet unentschieden: Basic skizziert ganz klar, dass Blogger Journalisten in Zukunft ersetzen werden, sagt: “Ich bin eine kleine BILD-Zeitung.” Jedenfalls müssten Journalisten damit rechnen, einen Teil ihrer Macht abzugeben.
Dass wir dazu keinesfalls bereit sind, steht außer Frage. Bevor das passiert, werden wir lieber selbst zum Blogger. Denn das kann ja schließlich Jeder.
Franziska Wille
Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Gäste der Akademie, Medienmacher zu Besuch, Zukunft des Journalismus | 19 Kommentare »
Tags: basicthinking, Blogger, Robert Basic, Team 4
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Am 11. Dezember 2008 um 09:49 Uhr
Gut gekontert im letzten Satz, hehe!
Am 11. Dezember 2008 um 11:31 Uhr
[...] Weiter: Zum ganzen Artikel [...]
Am 11. Dezember 2008 um 17:29 Uhr
“Internet-Tagebüchler”?
Das geht ja so was von gar nicht! Und ist außerdem so was von 2004!
Falsche und überholte Begrifflichkeiten einstreuen kann offenbar auch “jeder”. Nichts für ungut.
Am 11. Dezember 2008 um 17:46 Uhr
“ich bin eine kleine BILD-zeitung” – das genau ist das problem bloghausens. was hat die BILD-zeitung mit journalismus zu tun?
Am 11. Dezember 2008 um 17:53 Uhr
[...] sagt deutschlands blog-papst robert basic in der axel-springer-akademie. und weiter: "Ich bin eine kleine [...]
Am 11. Dezember 2008 um 18:11 Uhr
Liest sich charmant. Auch auf einem Nokia E61i in der Bahn. Es wird allerdings nicht ersichtlich, warum es am Ende unentschieden stand und wodurch die klassischen Journalisten ihren Rückstand wettmachen konnten.
Oder glauben, ihn wettmachen zu können.
Es fehlt mir auch das Thema Relevanz von Medien, Journalisten, Blogs und Bloggern. Es kann eben nicht jeder bloggen, auch nicht jeder Journalist.
Mein Fazit: Schade, aus diesem Artikel hätte sehr viel mehr werden können. Weder die Hitzigkeit der Diskussion kommt für mich rüber, noch verstehe ich den Beitrag als einen Stein in der leider immer noch notwendig scheinenden Brücke zwischen Journalisten und Bloggern.
Am 11. Dezember 2008 um 18:18 Uhr
“Internet-Tagebüchler”! Robet will not be amused
Am 11. Dezember 2008 um 18:44 Uhr
“Jedenfalls müssten Journalisten damit rechnen, einen Teil ihrer Macht abzugeben.
Dass wir dazu keinesfalls bereit sind, steht außer Frage.”
Nun, unter dem Artikel steht “Autor: Student”. Von daher kannst Du / könnt Ihr auch kein Journalist sein und keine Macht abgeben. Denn laut der von Dir verwendeten Definition ist Journalist “, wer hauptberuflich an der Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt ist”. Studenten sind aber Studenten und nicht hauptberuflich tätig.
Wenn jedoch das Merkmal der hauptberuflichen Tätigkeit nicht vorliegen muss, dann bin ich Journalist.
Also sind wir per Definition entweder beide Journalisten oder beide keine Journalisten.
Auch Blogger könnten wir tatsächlich beide sein
Am 11. Dezember 2008 um 19:21 Uhr
Wenn Blogger Journalisten ersetzen sollen (und Journalisten der alten Garde werden nicht mehr lange “Macht” haben), dann sollten sie auch Ethik- und Rechtschreibekurse belegen, an ihrer Schreibe arbeiten, besser recherchieren und sich verpflichten, gewisse Standards einzuhalten.
Nur weil Old School Journalisten und ihre Verlage viel falsch machen im Bereich der relevanten Medien, heisst das nicht automatisch, dass Blogger in allen Bereichen besser sind.
Blogger Sam
Am 11. Dezember 2008 um 20:20 Uhr
basic, der visionär der blogosphäre. er hat sendungsbewußtsein, pflegt seinen individuellen stil, ist sehr aktiv und konventionell unkonventionell – darauf kommt es an..
Am 12. Dezember 2008 um 15:30 Uhr
Dieser Artikel führt seinen letzten Satz ad absurdum – er beweist, dass eben doch nicht jeder bloggen kann. Dieser Beitrag hat, vorsichtig ausgedrückt, wenig Nährwert.
Wer dereinst mit Texten sein Geld verdienen will, sollte besseres zustande bringen. Von Selbstbeweihräucherung allein kann auch ein Journalist nicht leben.
Am 14. Dezember 2008 um 03:01 Uhr
Wie sollen Blogger Journalisten ablösen? Das funktioniert nicht. Journalisten haben eine Ausbildung hinter sich, um diesen Beruf ausüben zu können. Ganz zu schweigen davon, dass nicht jeder Hans und Franz an einen Presseausweis herankommt, der die Arbeit von Journalisten erleichtert. Bloggen kann jeder, das stimmt wohl. Aber was nicht jeder kann, ist eine professionelle Berichterstattung. Schreibstil und Rechtschreibung lasse ich mal außen vor.
Viele Grüße
Adam
Am 15. Dezember 2008 um 18:11 Uhr
[...] JepBlog/Axel-Springer Akademie: Auf seiner Website sammeln sich bis zu einer Million Menschen, tauschen sich aus über das BKA-Gesetz, den verlorenen Sohn und die Frage nach dem richtigen Alter, für das Kind ein Handy anzuschaffen, neueste Kinofilme, zufällig entdeckte Songs oder eben – und da wird es wieder brenzlig – den Vor-Ort-Bericht eines Bloggers aus Bombay während der Bombenanschläge Ende November. Leicht inflationäre Angabe zu meinem Blog:) In dem besagten Beitrag gehts um meinen Besuch vor einigen Wochen bei der Axel Springer Akademie. Meine Eindrücke habe ich ja bereits zu vermitteln versucht. [...]
Am 16. Dezember 2008 um 14:56 Uhr
Blogger können vielleicht den Manfred Döpfner’s, den Kai Diekmann’s, den Steffen Naumann’s, den Andreas Wiele’s (um beim ASV zu bleiben) die Wurst vom Brot klauen … die Macht der Journalisten werden wohl die meisten JAP-Youngsters bald als die Ohmacht der Journalisten gegenüber den (siehe oben) erleben, erleiden oder vielleicht selbst Publisher werden, vielleicht auch auf einem, mit einem Blog.
Bis es soweit ist können sich motivierte Journalisten bei ihrer Arbeit ja inspirieren, unterstützen, antreiben oder abturnen lassen …
Am 13. Januar 2009 um 15:22 Uhr
[...] Dass die Wahrnehmung von Blogs in der breiten Öffentlichkeit noch nicht allzu verbreitet ist, hat aber nur wenig mit den Blogs in Deutschland zu tun. Sicherlich gibt es bei uns wenige Leuchtturm-Blogs, also Blogs, die allseits bekannt sind und gute Inhalte bieten. Schau’ ich mir etwa die Top-Blogs der Deutschen Blogcharts an, ist das mit den guten Inhalten so eine Sache. Auf Platz 1 findet sich (noch, schließlich läuft im Moment der Verkauf) Basic Thinking, ein Wald-und-Wiesen-Blog mit leichtem IT-Einschlag. Nicht eben ein Blog, das Zweifler von den Fähigkeiten der Blogs überzeugen dürfte. Dahinter folgt Spreeblick. Ebenfalls ein Wald-und-Wiesen-Blog, aber mit leichtem Hauptstadt-Touch. Platz 3 belegt Nerdcore, auch hier fehlt die klare Ausrichtung, macht aber nichts, denn die Posts bestehen fast ausschließlich aus Bildern, Filmchen und Zitaten. Kurz und gut: Die meistverlinkten deutschen Blogs zeigen die Möglichkeiten des Mediums “Blog” nicht wirklich auf. Die Inhalte erinnern mehr an inhaltlichen Fast-Food als an Journalismus von unten. Dazu passt auch Robert Basics Selbsteinschätzung: Ich bin eine kleine BILD-Zeitung. [...]
Am 19. Januar 2009 um 18:24 Uhr
Die wichtigsten Unterschiede für mich:
1. Als Journalist erhält man eine (hoffentlich fundierte) Ausbildung, während Blogger meist nur durch ihre Tätigkeit lernen.
2. Hinter einem Journalisten stehen oft größere Institutionen (egal ob frei oder fest angestellt), was so manche Türen öffnet, die Bloggern derzeit meist verschlossen bleiben. Dazu gibt es (noch) Geld im Hintergrund. Hier sehe ich allerdings grade starkes Veränderungspotential – bei einem von mir geführten Online-Magazin kann ich dank der Werbeeinnahmen mittlerweile in freie Mitarbeiter investieren.
Am 9. Januar 2010 um 12:54 Uhr
Aus der Sicht des Lesers kommt es darauf an, welche Qualität ein Artikel inhaltlich hat. Ein Leser, der einen gut recherchierten, und interessant geschriebenen Artikel im Internet findet, wird erst mal nicht die Frage stellen, ob dieser von einem Journalisten, oder von einem Blogger kommt. Der Leser wird den Beitrag zunächst nach seinem Nutzen bewerten.
Am 3. Juli 2010 um 23:49 Uhr
Blogger werden immer mehr den klassischen Journalisten ergänzen und ggf. ersetzen. Das heisst im Gegenzug aber, dass Journalisten eben auch bloggen lernen müssen, um am Ball zu bleiben.
Für Blogger wird es Zukunft sehr wichtig sein, um erst genommen zu werden, dass man sich verflichtet, gewisse Standards einzuhalten. Dazu zählen neben Rechtschreibung vor allem die Recherchearbeit.
Diese Standards gilt es zu entwickeln.
Am 19. August 2010 um 06:45 Uhr
Blogger können und werden Journalisten nicht ersetzen.
Vielmehr werden Journalisten das blog als Journalistisches Medium erobern und als Ergänzung zu den klassischen Medien nutzen.
Die Bloggerei wird professionalisiert werden und der klassische (Laien-)Blogger, um seinen Technikvorsprung beraubt, wird auf der Strecke bleiben.
Ein bedrucktes Blatt macht noch keine Zeitung.