Award der Woche für nicht-erschienen.de
Nicht erschienen, weil der Selbstversuch keinen Abnehmer fand. Oder auch: Nicht erschienen, weil der Platz in der Zeitung beschränkt war und ein anderes Thema wichtiger wurde.

Und somit steht es auf einer der wunderbarsten Websites, die in letzter Zeit online gegangen ist: Nicht-erschienen.de.
Welcher Journalist kennt das nicht: Fliegt heute leider raus, müssen wir schieben, kommt morgen ganz sicher – und aus die Maus, der Text ist raus. Was für jeden Schreiberling einen herben Schlag, Demut und verletzten Stolz bedeutet, kann nun durch diese clevere Web-Idee gemildert werden. Auf Nicht-erschienen.de werden genau die Texte veröffentlicht, die es aus meist unerklärlichen Gründen nicht ins Blatt geschafft haben – denn sie sind großartig!
So zum Beispiel der Selbstversuch eines Endzwanzigers, der es wagte, zwischen zartrosa-schimmernden Ballet-Grazien eine Tanzstunde zu nehmen. Oder ein Stück über die Machenschaften des “Paten von Madeira”, dem Regierungschef Alberto João, der unter seinen Anhängern seit 30 Jahren das mysteriöse Ansehen eines Monarchen genießt. Daneben stehend “Randnotizen”, die Fakten und Hintergründe erläutern.
Um zu verhindern, dass die Seite zu einem überquellenden Blog wird, auf dem jeder schreiben kann, was er will und womöglich überflüssige Tagebucheinträge zum Besten gibt, werden nur Texte ausgebildeter Redakteure oder erfahrener Journalisten angenommen. Und das natürlich unkommerziell. Die freie Journalistin Tanja Schwarzenbach hatte die Website ursprünglich als “Nebenbeiprojekt” ins Leben gerufen, nun ist daraus zum Glück mehr geworden. Unterteilt in die Kategorien Politik, Kultur und Leben veröffentlichen derzeit zwar erst 16 Autoren ihre Werke, aber das ist gewollt. Sortierte Auswahl heißt Qualität. Und das erfreut nicht nur für die frustrierten Journalisten, sondern auch deren Leser, die so doch noch diese andernfalls verloren gegangenen Schätze genießen können.
Es sind Texte, die Spaß machen, interessieren und informieren oder auf schöne Art einfach nur verwundern. Die eben genau das tun, was Texte tun müssen. Meist sicher besser als die schnell zusammen geschriebenen Stücke, die dann deren Platz im Blatt eingenommen haben.
Franziska Wille
Autor: student Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »
Tags: Award, Blog, Geschichten, Website
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