27.1.2009

GASTBLOG: Wir sind keine Gatekeeper mehr

Journalismus ist eine tolle Sache. Wir haben die Möglichkeit, einer großen Zahl von Menschen die wichtigen Dinge dieser Welt mitzuteilen. Wenige kommunizieren zu vielen. So war das bis vor gut zehn Jahren.

Dann kam das Internet. Erst eMail und einfache Websites. Dann kamen die Blogger, die Chat-Applikationen, Youtube, Facebook, jetzt Twitter. Viel Konkurrenz auf dem großen Markt der Kommunikation – betrachtet man die endliche Zeitspanne, die Menschen täglich zur Verfügung haben.

Natürlich lesen Menschen noch immer Zeitung und schalten weiterhin den Fernseher an. Noch eine Zeit lang. Doch Massenmedien verlieren massiv Reichweite.

Wir Journalisten glauben zu oft, mit diesem Internet-Kram hätten wir nicht viel zu tun – oder können nicht viel daran ändern.

Blogs halten wir für unprofessionell und Twitter verstehen wir erst gar nicht. Doch während wir noch grübeln, abwiegeln oder das alles für unseriös halten, nehmen die Menschen da draußen immer weniger unsere “traditionelle” Arbeit in Anspruch.

Um weiterhin eine zentrale Rolle zu spielen, müssen sich ein paar Dinge ändern.  Zunächst: Das Bild der traditionellen Gatekeeper-Rolle stimmt nicht mehr, diese Rolle haben wir zu großen Teilen bereits verloren. Wir sind nicht mehr die einzigen auf dem Markt der Informationen, die bestimmen was beim Publikum ankommt, und was nicht. Wir sind Teil eines großen Informationsnetzes geworden.

Unsere zentrale Aufgabe ist es auch weiterhin, zu selektieren, zu gewichten und Nachrichten einzuordnen. Dafür müssen wir aber unsere Arbeitsweise ändern.

1. Wir müssen neuen Medien und Tools aufgeschlossen sein: Twitter, Youtube und MySpace müssen wir zunächst begreifen. Wir versuchen sie für unsere Arbeit zu nutzen. Sowohl um an Informationen zu gelangen, aber auch um mit unseren Kunden zu kommunizieren.

2. Wir müssen dabei so flexibel sein, wenig erfolgreiche Projekte auch wieder einzustellen. Zum Beispiel waren Medienauftritte in Second Live wichtig und sinnvoll – und genauso wichtig war es, zu erkennen und einzugestehen, dass sie wenig erfolgreich waren.

3. Wir verabschieden uns zu einem Teil von der One-to-Many-Kommunikation. Leser verdienen mehr Beachtung als früher. Wir müssen Leserkommentare beantworten, “@replies” auf Twitter beachten und Fanseiten auf Facebook pflegen.

4. Wir ändern unsere Recherche-Gewohnheiten. Redaktionen müssen RSS-Reader bedienen, dazu authentische Geschichten und Menschen über Blogs finden. Dazu bekommen wir Hinweise auf brisante Ereignisse künftig vermehrt auch über unsere Twitterleserschaft. Das heißt nicht, dass ungeprüft publiziert wird, was sich im Internet an Informationen finden lässt.

5. Wir berichten leserzentriert. Unsere Geschichten bekommen mehr persönlichen Touch, sind unmittelbarer und vielleicht manchmal auch spekulativ – Hauptsache, sie sind vernünftig eingeordnet. Trockene Meldungen weichen Geschichten, die Menschen auch wirklich interessieren und bewegen. Vielleicht rücken Autoren mehr als heute in den Vordergrund.

6. Aggregation von bereits vorhandenen Informationen wird von uns als wichtiger Teil unserer Arbeit begriffen. Das Finden, Gewichten, Selektieren und die Aufbereitung von Youtube-Videos, Blogbeiträgen und Twitter-Posts ist in der Unübersichtlichkeit des Internets eine journalistische Aufgabe.

Wenn uns das gelingt, werden wir ein wichtiger Teil der Informationsgesellschaft bleiben. Warum? Wir besitzen Reichweite, Strukturen, Arbeitskräfte und Erfahrung im Informationsgeschäft. Diese sinnvoll zu nutzen, ist die eigentliche Herausforderung.

Peter Schink

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 39 Kommentare »
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39 Kommentare zu “GASTBLOG: Wir sind keine Gatekeeper mehr”

  1. avb

    Wahnsinnsbeitrag! Ist der von letztem Jahr oder bin ich auf Zeitreise?

    (Sorry allerseits, hab heute einfach zu viel Zeit um mich über die Mittelmäßigkeit hier zu wundern. In Unambitioniertheit kann Herr Schink den jep-Twitter allerdings nicht toppen.)

  2. Franky

    @avb die meisten schlaumeier haben immer alles viel früher gewusst. leider hat das niemand mitbekommen…

  3. avb

    Mein Freund Herr Diering! Wieso haben Sie das nicht mitbekommen? Lesen Sie etwa nicht täglich den richtungsweisenden jepblog mit dem treffendsten Gespür für digitale Trends :-) ? Hier sind doch in den letzten zwei Jahren haufenweise gute Beiträge erschienen, die ziemlich exakt dieses Keine-Gatekeeper-mehr-Technik-Aufgeschlossenheits-Zeugs behandeln.

    Und überhaupt, Sie können das doch besser, wieso schreiben SIE hier nicht?!

  4. hagen

    twitter-lobbyist jep!

  5. wm

    Wo avb recht hat hat sie (mal) Recht. Das stand hier schon vor ZWEI Jahren: http://www.axel-springer-akademie.de/blog/2007/05/29/wie-das-internet-den-journalismus-verandert/

  6. jep

    Was immer hier mal irgendwann stand: Man kann es nicht oft genug sagen. An vielen Journalisten sind die Entwicklungen der vergangenen Jahre erstaunlicherweise fast spurlos vorbeigerauscht. Steter Tropfen und so.

  7. avb

    Na dann stellt doch gleich auf Endlosschleife und nennt es den Nachplapper-Blog, passend zum Blubber-Twitter.

    Sieht man mal, dass eine wirklich gute Rede immer aktuell bleibt, selbst wenn es um ein zeitsensitives Thema geht. Hat seitdem einfach keiner mehr Lust, sich hier um Vision und Relevanz zu bemühen? Stattdessen Minimaleinsatz mit buchstäblich weit hergeholten Beiträgen zu “Pressefreiheit in Kambodscha” oder das “Ich bohre in der Nase. Echt.”-Gezwitscher, was auch nicht wirklich als cross-mediale journalistische Pionierarbeit durchgehen kann.

  8. Peter Schink

    Hm, die Kommentare hier lässt ja schon ein wenig zu wünschen übrig. Irgendwelche inhaltlichen Anmerkungen, oder geht’s nur um Generalkritik? ;)

  9. avb

    Lieber Herr Schink – ja, gibt’s. Der Inhalt ist einfach nicht neu und stand hier schon in solcher und ähnlicher Form. Dabei gibt es doch eine Gazillion interessante Themen. Im Moment findet z.B. die Digital Life & Design Conference in München statt, wo sich Google/Facebook/Youtube-Gründer tummeln und u.a. die Zukunft des Online Journalismus besprechen. Vielleicht verliert man darüber mal ein Wort? Oder auch: Warum+wie funktioniert das Guardian Geschäftsmodell und warum schafft es sonst niemand? Etc.
    Und die Generalkritik betrifft natürlich nicht Sie, Sie waren bloss zur falschen Zeit am falschen Ort :-) . Gute Nacht!

  10. David Zwadlo

    Ich fand den Eintrag gut. Vielen Dank für die Veröffentlichung.

  11. avb

    Ist auch kein schlechter Eintrag. Bloß: ich kann hier auch das Alte Testament einkleben, guter Text, neuer wird er davon nicht. Die Kritik gilt aber nicht mehr Herrn Schink, denn laut Herrn Peters ist ja Aktualität gar nicht der Anspruch des Blogs. Stattdessen sollen durch ewige Wiederholungen auch noch die letzten online-skeptischen Journalisten konvertiert werden, die allerdings naturgemäß gar keine Blogs lesen, was der Haken an dem „Konzept“ sein dürfte. Alle Kollegen, die hingegen an innovativen Online-Ideen interessiert sind, sind bis dahin in komatösen Tiefschlaf gefallen.

    Das fundamentale Problem ist aber: Wie soll hier jemand vom Online-Journalismus überzeugt werden, wenn die Akademie ihn selbst gar nicht ernst nimmt? Herr Peters setzt bei seinen Print-Artikeln wesentlich höhere Maßstäbe an, als das hier der Fall ist. Und wenn selbst der „kreative“ think tank das digitale Format nicht ernst nimmt, dann gute Nacht!

    (Ich hoffe ich hab keinen geweckt ;-)

  12. CU

    Guten Morgen…

  13. hagen

    auch guten morgen!

    grad läuft ne kleine agentur-geschichte über das sogenannte “Mitmach-Internet”.
    Der Titel verräts: die nummer ist nicht ansatzweise so ambitioniert wie frau vb!

  14. Peter Schink

    @avb: Was ich geschrieben habe, stand hier in dieser Form noch nicht, da bin ich mir sicher. Der Essay von Peters ist ähnlich, mit gleicher Stoßrichtung, aber nicht gleich. Dazu: Es ist mein erster Gastblog-Beitrag – da darf ein kleiner Auftrakttext schon sein, oder? Ich werde mich bestimmt auch noch mit anderen total innovativen Dingen beschäftigen – aber der DLD in München ist da jetzt auch nicht das non-plus-ultra. Jetzt vermisse ich aber immer noch die inhaltliche Auseiandersetzung zu dem, was ich geschrieben habe. Schade eigentlich.

  15. avb

    Lieber Herr Schink,

    Sie liegen inhaltlich goldrichtig (besonders mit Punkt 2!), genau wie z.B. Markus Hofmann in seinem Gastblog vom 19.2.08, der wiederum auf ein Essay von Mark Glaser vom 28.6.07 verwies. Oder wie das bahnbrechende Journalismus 2018 Projekt von Team 3 im April/Mai 08 – in dem die Prämisse genau das war: Wir sind keine Gatekeeper mehr, wir müssen die neuen Recherchemöglichkeiten nutzen, wir überzeugen durch Qualität, etc. Aber ich will Ihnen gar nicht verübeln, dass Sie hier in der Vergangenheit nicht mitgelesen oder das Archiv durchstöbert haben, denn dabei wären Ihnen sicher die Füße eingeschlafen.

    Ich lese hier (wie sich zeigt mit gutem Grund) auch nur sehr sporadisch, weshalb ich gar nicht wusste, dass die Akademie jetzt noch mehr Gastblogger hat, um noch weniger selbst zu schreiben (und die Namensgebung des Blogs sich einmal mehr als konzeptuelle Fehlentscheidung erweist). Egal, Sie haben recht: Ein Auftakttext darf natürlich sein, und Sie können hier sowieso als Gastblogger nur gewinnen. Das DLD ist sicherlich nicht das Mass aller Dinge, aber immerhin ist es topaktuell, und es wurden viele extrem spannende Themen erörtert. Wieso da jetzt kein Produktentwickler vor Ort war und nun hier darüber berichtet, sondern bloss die ahnungslose avb wie ein kid im candy store, darüber zu sinnieren führt vermutlich zu weit.

  16. Peter Schink

    Liebe avb, Arroganz ist keine Tugend, wenn ich das hier mal sagen darf. War auch schon zweimal auf dem DLD, danke. Diesmal aber lieber beim #mbc09. Sie pöbeln einfach den Falschen an. Wir können uns gerne weiterhin über die Zukunft des Journalismus unterhalten. Da bleiben noch ein paar Antworten auf drängende Fragen offen.

  17. nur so aus interesse...

    …was ist denn genau arrogant an avbs kommentaren? (außer, dass arroganz natürlich immer eim prima totschlag-argument ist)

  18. sök

    Endlich kommt mal was Bewegung in die Bude! Wie gut, dass es noch den einen oder anderen Gatekeeper gibt. :)

    Richtig ist, das der Beitrag ein wichtiges wenn auch altes Problem anspricht. In der Tat fühle ich mich mit Hinweisen wie auf MySpace (Wer nutzt das denn noch?) wirklich nicht gerade hinterm Ofen hervorgelockt. Und nur weil die Weltwoche auf ihrer Titelseite vor einer Woche entdeckt hat, dass Facebook auch in der Schweiz Nutzer hat, heißt das nicht, dass in einem Berliner Medienblog deshalb ein Sack Reis umfällt. Oder so.

    Will sagen: Twitter und Co. wird ein Elitenphänomen bleiben. Genauso wie sich nur ein kleiner Teil wirklich aktiv an Dingen wie Second Life oder World of Warcraft (Auch da wird offenbar Information ausgetauscht) beteiligt. Wirklich massentauglich wird das doch alles erst, wenn sich Mobiltelefone an diesen Dingen beteiligen lassen und man nicht horrende Gebühren für Mobile-Internet zahlt. Dann erst kann man sich beim Twittern die Einleitung sparen “Sitze mit meinem Laptop in…” – immerhin 27 Zeichen.

    Aber darüber steht sicher auch bald etwas hier im Blog. Genauso wie über die deutsche Huffington, etc.

  19. jep

    @ nur so aus interesse…

    Ein Hauch von Arroganz dürften hier auch unsensible Naturen spüren, oder? Aber geschenkt. Ich habe den Eindruck, dass da jemand mit seiner Kritik um sich fuchtelt und sich dabei ziemlich verheddert. Es fehlt Linie, Logik und Lockerheit. Und an einigen Stellen ist die Kritik schlicht falsch.

    Das Blog erhebt auch nicht den Anspruch, eine „Gazillion interessante Themen“ behandeln zu wollen. Im Wesentlichen sehen wir es als Informations- und Kommunikationsplattform für die Journalistenschüler der Akademie (und von ihnen), für Bewerber und andere junge Journalisten. Und freuen uns, dass „in den letzten zwei Jahren haufenweise gute Beiträge erschienen“ sind, wie avb schreibt. Genau 464 Beiträge wurden seit Januar 2007 veröffentlicht und fast 4.000 Mal kommentiert (so ganz irrelevant und uninteressant kann’s nicht gewesen sein).

    Aber ich finde auch, dass wir besser werden können, ja, wieder besser werden müssen. Im ersten Jahr lief das runder. Da war allerdings mehr Zeit, sich nicht nur mit den Entwicklungen im Journalismus zu beschäftigen, sondern die Gedanken dazu dann auch aufzuschreiben, die Akademie ist seither ganz schön gewachsen und mit ihr ihre Aufgaben. Aber das darf als Ausrede natürlich nicht gelten. Wir haben schon einige neue Ideen (@ avb auch konzeptionelle).

    Es wäre außerdem schön, wenn mehr Schüler schreiben würden, denn die meisten beschäftigen sich ja intensiv mit Medienthemen und hätten da einiges zu sagen. Einer wie Sören „sök“ Kittel zum Beispiel.

    @ sök

    Ich bin überzeugt davon, dass das mobile Internet der ganze große Trend dieses und der nächsten Jahre wird. Das ist keine brandneue Erkenntnis, aber eine entscheidende. Weil es hier gelingen könnte, anders als im Internet für journalistische Arbeit auch Geld vom Nutzer zu bekommen. Denn Handy-Nutzer sind es gewohnt und bereit, für den Abruf von Informationen zu bezahlen. Eine große Chance (und übrigens ein Bereich, in dem die Akademie gerade Entwicklungsarbeit leistet).

  20. Peter Schink

    Ich mach’s jetzt nochmal etwas konkreter an einem Beispiel fest, damit es für alle greifbarer wird: Wenn sök sagt, Twitter sei ein Elitending, widerspreche ich. Bei nahezu allen wichtigen Ereignissen der letzten Zeit fanden sich interessante Dinge auf Twitter. Journalisten aber nutzen das nicht zur Recherche, weil die entsprechenden Werkzeuge fehlen, um gut bei Twitter zu recherchieren (und Journalisten nicht mal die Werkzeuge kennen, die schon existieren – wie z.B. hashtags.org oder tweetscan.com). Da müssen wir doch Antworten finden. Dass das Thema alt ist, kann ich nicht erkennen. Und das war jetzt nur ein winziger Ausschnitt.

  21. fdiering

    Nicht vergessen – die Idee heißt Rom! Alles, was der Sache dient, ist ein Ding an sich und damit gut. Darf ich zudem daran erinnern, dass wir uns alle unter einem gemeinsamen Dach befinden. Die Plattform, auf der wir uns bewegen, ist nicht das Eigentum eines Einzelnen. Also bitte etwas mehr Integrität*. Wir dürfen/können/wollen/sollen mit unserer Arbeit hier schießlich Geld, Ruhm und Ehre verdienen.
    *
    “Integrität ist eine ethische Forderung des philosophischen Humanismus, nämlich die Übereinstimmung zwischen idealistischen Werten und der tatsächlichen Lebenspraxis, nicht in jedem kleinen Detail, aber im Ganzen.” (Wikipedia)

  22. driedel

    Apropos Online-Journalismus:

    http://www.spreeblick.com/2009/01/29/online-journalismus-1981/#more-15169

    Ich hätte auch “Back to the future” schreiben können…

  23. jep

    @ driedel

    Sehr cool! Erstaunlich, was sich seither alles getan hat – und was NICHT: Die typische amerikanische Zeitungsredaktion sieht heute noch so aus wie anno 1981. Die gleichen bräunlichen Stühle, Tische und Teppiche, die gleiche Atmosphäre. Nur die Bärte der Redakteure sind ab.

    Aus dem Examiner ist 2003 übrigens eine Gratiszeitung geworden, weil er sich nicht gegen den Chronicle behaupten konnte, der nun seinerseits ums Überleben kämpft.

  24. avb

    Na wenn es mir an Logik, Linie und Lockerheit fehlt dann haben der Blog und ich ja doch was gemeinsam ;-) Aber ehrlich: unlocker wird’s für mich erst da, wo man sich nicht anders zu helfen weiß, als persönlich anzugreifen. War natürlich auch kein netter Rumpelstilzchen-Empfang für Herrn Schink. Aber wenn dafür hier allgemein wieder die Ansprüche hochgeschraubt werden, hat es ja was gebracht.

    Die Akademie ist ehrgeizig und mit viel Liebe zum Detail konzipiert und betrieben. Aber ausgerechnet hier, wo man so auf Crossmedia setzt, ist der Blog vollkommen lieblos geführt. Das hat mich einfach geärgert. Eigentlich doch weder unlogisch noch sonderlich schwer nachzuvollziehen.

    Zum Feierabend noch zwei Vorschläge: Alle Veröffentlichungen der Akademie werden regelmäßig kritisiert (Welt Kompakt, die Übungszeiten). Warum geschieht das nicht mit den digitalen Veröffentlichungen? Wie wäre es mit einer wöchentlichen Blog-Kritik? Sicherlich würde es auch helfen, wenn sich eine Person, die auch Spaß daran hat, dafür verantwortlich fühlen würde, den Blog inhaltlich einigermaßen schlüssig + interessant zu gestalten.

  25. Anonym

    Eine Frage: Hatte die Akademie nicht mal einen Crossmedia-Beauftragten?

  26. AM

    @ Anonym:

    Antwort 1: Nö, nur Behörden haben Beauftragte.

    Antwort 2: Warum so feige?

    Antwort 3: Und…? ;-)

  27. psil

    “Wer daran gewöhnt ist zu schreiben, sollte in der Lage sein, zwei oder drei mal am Tag was Intelligentes rauszuhauen”, sagt eine, die es wissen muss: Die “Twitter-Expertin” Nicole Simon. Und sie hat sogar ein Buch (ein herkömmlich gedrucktes!)über das Gezwitscher geschrieben.

  28. psil

    Und dieser Link sollte eigentlich dazu:

    http://update2.blog.de/2009/01/30/interview2-nicole-simon-twitter-expertin-5475071/

  29. qq

    Thema kostenpflichtige Internet-Inhalte auf dem Handy:

    Zitat “jep”:
    “Ich bin überzeugt davon, dass das mobile Internet der ganze große Trend dieses und der nächsten Jahre wird. Das ist keine brandneue Erkenntnis, aber eine entscheidende.”

    Ein nicht unerheblicher Teil meiner mobilen Internetnutzung dient dem Studium von Leserkommentaren auf welt-online. Neben der reinen Meinungsäußerung sind dort immer wieder sehr informative Sachverhalte dargestellt, die über die (durch schlechte Recherche und ideologische Einseitigkeit geprägte) Informationsvermittlung der Springer-Journalisten hinausgehen. Deswegen lese ich täglich viele Kommentare zu allen möglichen Themen. Die eigentlichen Webzeitungs-Artikel schaue ich mir meist garnicht mehr an, weil sie wenig Informationen enthalten.

    Da ich mir mal eine bildmobil-sim gekauft hatte, schlug ich hier vor Monaten vor, eine Option für die bildmobil-Karte anzubieten, mit der man für eine monatliche Gebühr von 3 euro mit der bildmobil-sim auch auf welt-online surfen kann. Da dem mobilen Internet ein rasantes Wachstum bevorsteht, wäre eine simkarte, mit der man unterwegs auf “Bild” UND “Welt” zugreifen könnte ein guter Einstieg gewesen, um die Handynutzer an solch eine “Springer-Sim” zu binden, die man nach und nach mit weiteren (auch kostenpflichtigen Inhalten) hätte aufrüsten können. Da kein Mensch ständig seine simkarte aus dem Handy fummeln will, gibt es hier für kreative Lösungen durchaus einen Markt.

    Natürlich wurde mein Vorschlag sofort gelöscht, vermutlich entsprach er nicht den elitären Vorstellungen von anspruchsvollen Inhalten sondern beschäftigte sich eben nur mit den profanen Fragen der Logistik, mit denen sich abzugeben für einen Journalisten wohl unter seiner Würde ist. Nun, damals hätte ich mir eine solche Option gewünscht und auch gebucht. Jetzt verstaubt meine bildmobil-sim im Regal und ich habe eine simyo-flat.

    Sehr schade, ich habe die bildmobil-sim als Einstieg von Springer in die Zukunft des mobilen Internet gewertet, aber schlecht gepflegt, ist sie für mich überflüssig geworden. Und dabei hat bildmobil sogar einen Vorteil gegenüber simyo: das besser UMTS-ausgebaute vodafon-Netz gegebüber dem empfangsschwachen eplus-Netz. Für mich unverständlich, wie lieblos Springer seine Handy-Sim behandelt. Nach zwei vergeblichen Versuchen, am Zeitungsstand eine Aufladekarte für bildmobil zu bekommen, lasse ich die Sim jetzt halt ablaufen.

  30. jep

    @ psil

    Habe ich heute morgen auch gesehen. Aber hat sie recht? Geht es darum beim Twittern?

    Allein kress, Medium-Magazin und turi2 hauen alle paar Minuten zu Branchenthemen “was Intelligentes raus”. Aber kann das außer Arbeitslosen jemand verfolgen? Und wollen Sie das wirklich lesen?

    Tweets a la “gute halbjahres-zeugnisse für die jungs. kinder glücklich, vater auch” sind natürlich belanglos wie es Small-Talk ja meistens ist (und manche empfinden das sogar als peinlich).

    Aber mich interessiert als 5-Sekunden-Pausen-Info Persönliches von Menschen, die ich kenne – Was hören die für Musik? Womit beschäftigen sie sich gerade? Ach, die Kaffeemaschine in der ASA-Küche ist explodiert? – viel mehr als irgendwelche Branchenschnipsel. Dafür gibt es Newsletter, Blogs, Internetportale, Branchenmagazine, Zeitungsartikel…

  31. jep

    P.S. Aber selbst das wird sich schnell abnutzen, glaube ich, jedenfalls was mich betrifft. Kostet Zeit, lenkt ab, bringt nicht viel (landet ja nicht jeden Tag ein Flugzeug im Hudson). Für Familien wäre Twitter – als geschlossener Kreislauf – allerdings ein gutes Tool. Statt sms und post-it am Kühlschrank fortwährender und immer aktueller Personal-News-Feed.

  32. Anonym

    @ AM
    Antwort 2 ist eine Frage Ihrerseits. Ist das eine Art Zoolander Argument a la “let me answer your question with another question”?

    Zum Punkt:

    Es hätte ja sein können, dass der Crossmedia-”Leiter” auch leitet, bzw. sich um Inhalte kümmert oder?

  33. psil

    @jep

    da kommt der vielzitierte “gatekeeper” wieder ins spiel. Und zwar der im eigenen Kopf. Natürlich verbreiten kress, Medium-Magazin und turi2 nicht nur breaking news. Aber ein oder zwei Interessante Geschichten sind eigentlich immer dabei. Man muss nur suchen. Auch wenn die richtig guten Mediengeschichten leider noch zu oft in den gedruckten Zeitungen zu finden sind. (Wie heute die Geschichte über Holzbrincks Nazi-Vergangenheit). Aber wenn es einen neuen Vize-Chef bei Bild.de gibt, interessiert das nicht nur die “Arbeitslosen”, die angeblich zu den Hauptbesuchern besagter Portale zählen. Und Außerdem: Ich habe dort durchaus “Persönliches von Menschen, die ich kenne” erfahren. Oder woher wüsste ich sonnst, dass der ein oder andere hochrangige Journalist früher mal Strafverteidiger werden wollte?

  34. avb

    Twitter Small Talk ist nicht per se peinlich, sondern nur wenn es so klingt, als sei man Star seiner eigenen Doku-Soap. Frage an Herrn Peters: Im Twitter-Thread haben sie ja eingesehen, dass ich recht habe (früher wurde so was hier mal verlinkt):

    jep
    Am 28. Januar 2009 um 14:59 Uhr
    (…)
    2. bin ich kein twitter-lobbyist. ich bin ein twitter-experimentalist. und bislang hat mich der dienst nicht überzeugt. zu unambitioniert, wie frau avb sagen würde.

    Wie lange müssen Sie denn das gescheiterte Experiment noch fortführen, um zu beweisen, dass Sie es nicht der Kritik wegen abbrechen?

  35. jep

    @ psil

    “Man muss nur suchen.” Will ich aber nicht. Ich will nicht nach einer oft kryptischen, weil sehr kurzen Ankündigung erst auf einen Link klicken müssen (und das viele Dutzend Mal am Tag), um dann entscheiden zu können, ob es mich interessiert (die Arbeitslosen bezogen sich auf die Zeit, die dafür nötig wäre, nicht auf das Interesse an diesen Themen). Und vom Strafverteidiger haben Sie auch im Newsletter turi2 erfahren können, der fein säuberlich und gut kommentiert auf einen Blick Mediennews auflistet und verlinkt – bevor sie dann später zerstückelt und zerhackt bei Twitter verzwitschert werden.

  36. AM

    @ Anonym:

    Gähn. Was ist das denn für ein unfassbar altes Weltbild? Web 2.0 heißt Mitmachen, Vernetzen, Teilnehmen. (Über diese Feststellung wird gleich wieder avb motzen, aber was bleibt mir über.) Und Web 2.0 bedeutet nicht, darauf zu warten, dass jemand vorne hampelt. “Da ist einer, der heißt ‘Crossmedia’. Der ist zuständig.” Nö.

    Lesen Sie doch einfach mal meine Einträge, zum Beispiel den von heute Morgen. Sie dürfen auch gern inkognito kommentieren. ;-)

    Ps.: Gegenfragen sind also nicht erlaubt? Auch total out.

  37. jep

    @ avb

    Wieso immer so negativ, Frau vb? Das Experiment kann nicht scheitern, weil es genau zum beabsichtigten Ergebnis führen wird: Ich werde Twitter ausprobiert haben und wissen, wie mir der Dienst gefällt. Und immerhin habe ich ja einige Follower wie Sie, die der vermeintlichen Doku-Soap aufmerksam folgen.

  38. avb

    @AM: Das ist ja ne schwache Ausrede. Wie Herr Schink schreibt: Selektieren, gewichten, einordnen, eben damit Leute teilnehmen. Natürlich braucht es hier einen Textchef, der auf die Qualität achtet, die ja eindeutig mal besser war. Wenn Sie das nicht können oder wollen, wie wäre es mit Delegieren?

    @jep: Sie schreiben doch bereits, dass Twitter Ihnen nicht gefällt, siehe oben (“unambitioniert, kostet Zeit, bringt nicht viel”). Warten Sie noch auf irgendwas, gefallen Sie sich als Star, oder sind Sie womöglich einfach ein ganz kleines bißchen stur :-) ?

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