13.2.2009

Award für Print on Demand

Seit sich die gedruckte Zeitung an Online-Medien messen lassen muss, hat sie einen schweren Stand. Die Gazette ist nie ganz aktuell, zu wenig interaktiv, unflexibel und für Multimedia-Enthusiasten ohnehin längst nicht mehr am Puls der Zeit. Auf viele wirkt sie mittlerweile so blassgrau wie das Papier, auf dem sie gedruckt ist.

Trotzdem hat die Zeitung den Award der Woche verdient. Genauer wird ein Verfahren prämiert, das dem angestaubten Zeitungs-Image zu mehr Zeitgeist verhilft: “Print On Demand”, also “Druck auf Abruf”.

In den k presse + buch-Filialen am Hamburger Hauptbahnhof und am Flughafen kann man sich neuerdings Zeitungen aus der ganzen Welt ausdrucken. Das Angebot umfasst rund 700 Zeitungen aus mehr als 70 Ländern, darunter die Moscow Times, die Shanghai Daily, die Times of India, die Helsingin Sanomat oder die Auckland City Harbour News aus Neuseeland. Der Kunde wählt einen Titel auf dem Bildschirm aus und ordert dann bei einem Verkäufer den Druck. Vier bis sechs Euro kostet ein Exemplar.

Vor dem Computer sind alle Blätter gleich: ob Nordisches Format oder Tabloid, der Drucker spuckt alle Zeitungen in DIN A 3 aus. Auch die Financial Times in zartem Lachsrosa verliert auf dem beige-grauen Druckerpapier ihr Alleinstellungsmerkmal. Schriftzug und Fotos aber erscheinen in Farbe. Das Papier ist fester als die üblichen Zeitungsseiten und hinterlässt nach der Lektüre keine schwarzen Fingerkuppen. Wenn am Ende die Wunschzeitung mit Klammern zusammengeheftet wird, oben, unten und in der Mitte, erinnert sie ein bisschen an eine Schülerzeitung.

Da die Redaktionen ihre Seiten zeitgleich an die Rechner der Hamburger Buchhandlungen übermitteln wie an ihre Druckereien, sind manche Zeitungen bereits früher erhältlich als in ihren Heimatländern. So kann der Kunde zum Beispiel um neun Uhr morgens die neueste Ausgabe der New York Post durchblättern, während sie an der Ostküste um drei Uhr nachts Ortszeit noch gar nicht im Briefkasten liegt.

Laut Angaben des Unternehmens Valora Retail, das die Filialen am Hauptbahnhof und auf der Plaza des Flughafens betreibt, nehmen hauptsächlich Geschäftsreisende, deutsche Urlauber und Touristen den Print-on-Demand-Service in Anspruch. Die einen suchen nach tagesaktuellen Informationen über das Reiseland, die anderen sehnen sich nach einem Stückchen Heimat im fremden Land. Die Gazetten kommen in vollem Umfang aus dem Drucker der Buchhandlung. In der New York Post findet man neben der Rätselseite und dem Wetterbericht auch Kleinanzeigen oder Rabattangebote von Warenhäusern. Am Airport Plaza ist die New York Times der Bestseller, am Hauptbahnhof gehen skandinavische Titel gut, die heimkehrende Skitouristen aus dem Norden für die Lektüre im Zug mitnehmen.

Bei Valora Retail ist man zufrieden mit dem bisherigen Verkauf. Noch läuft der Service auf Abruf als Pilotprojekt. Setzt sich der Zeitungsdruck durch, soll das Angebot auf andere deutsche Großstädte ausgeweitet werden. Wir finden, der alten Tante Zeitung steht der kosmopolitische Chic ganz gut.

Kerstin Bund

Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 6 Kommentare »
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6 Kommentare zu “Award für Print on Demand”

  1. Martin

    Sehr interessant. Aber wie viel kostet denn solch ein Zeitungsausdruck? Zahlt man da pro Blatt? Und wenn ja, besteht auch die Möglichkeit, sich nur einen Teil der Zeitung ausdrucken zu lassen? Die Kleinanzeigen interessieren vielleicht nicht jeden im gleichen Maße wie die Nachrichten.

  2. gella

    steht doch im text: vier bis sechs euro pro ausgabe.

    das ist natürlich nicht wenig, aber bei einem erfolgreichen test und mehr absatz dürften die preise sinken, denke ich.

  3. Tom

    … einen vergleichbaren Service gibts bereits seit Jahren unter http://www.newspaperdirect.com.

  4. jep

    @ Tom

    Der Service ist nicht nur vergleichbar, sondern derselbe. Aber bislang gab’s die Drucker in Deutschland noch nicht in Zeitungsläden an Flughäfen und Bahnhöfen, sondern fast ausschließlich in einigen wenigen Hotels.

  5. Lesestoff 17/02/2009 « ich:AG

    [...] Award für Print on Demand [...]

  6. Lesestoff 17/02/2009 » ich:AG

    [...] Award für Print on Demand [...]

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