17.2.2009

GASTBLOG: Die 4-Stunden-Woche

Vor sechs Wochen habe ich Ihnen die Produktivitätsmethode “Getting Things Done” vorgestellt. Bevor wir uns der zweiten Methode widmen, ein Wort zur Warnung: Halten Sie es bitte nicht für zynisch, wenn ich in Zeiten der boomenden Kurzarbeit die 4-Stunden-Woche vorstelle. Beide Konzepte haben aber etwas gemeinsam: Sie sind Werkzeuge gegen eine Krise. Die 4-Stunden-Woche ist gegen eine persönliche Krise, die das Leben im Allgemeinen betrifft. Die Kurzarbeit will die Auswirkungen der Wirtschaftskrise stoppen. Aber: Bei der Kurzarbeit rücken die Angestellten in einem Unternehmen zusammen.

Setzt man auf die 4-Stunden-Woche, läuft man Gefahr, von seinem Umfeld als Freak bezeichnet zu werden. Aber wäre es nicht schön, wenn wir alle nur vier Stunden arbeiten müssten?

Methode 2: Die 4-Stunden Woche von Timothy Ferriss

Timothy Ferriss will die Leser seines Buches “Die 4-Sunden-Woche” (Econ) auf die Seite der “Neuen Reichen” ziehen. Als “Neue Reiche” bezeichnet er alle, die so viel Geld in vier Arbeitsstunden pro Woche verdienen, dass sie sich alle ihre Träume erfüllen können und mit den restlichen Dingen beschäftigen können, die sie mögen.

“Neu Reich” kann jeder werden, die einen D.E.A.L. eingeht. Hinter diesen Buchstaben verbergen sich auch die Hauptabschnitte in Ferriss’ Buch. Ich habe das einmal ausprobiert:

1. D(efinition): Im ersten Schritt muss ich erst einmal definieren, was ich möchte und  ich muss mich gleichzeitig von Erwartungen verabschieden, welche die Gesellschaft an mich hat.

2. E(limination): Sind die Ziele gesetzt, verabschiede ich mich von allen Zeitfressern. Ich lese nicht ständig meine E-Mails und reduziere auch den Medienkonsum. Hier geht es um die 80-20-Regel. Ich fokussiere mich nur auf die 20 Prozent, die dann die größten Ergebnisse bringen.

3. A(utomation): Hier bastele ich mir einen Workflow, der mein Einkommen sichert. Es geht um ein Produkt oder eine Dienstleistung. Von der Produktion bis zum Verkauf soll alles automatisch funktionieren. Das Produkt darf nicht mehr als vier Stunden Aufmerksamkeit von mir erfordern – und das natürlich pro Woche. Zur Hilfe demonstriert Ferriss Automations-Dienste im Internet. Ein Highlight sind in diesem Bereich die Virtual Assistents. Ferriss schwört auf diese Hilfen, die man mit dem Erledigen von Aufgaben betraut. Die Aufgaben reichen von dem Buchen eines Hotels bis hin zu umfangreichen Recherchen.

4. L(iberation): Trudelt das Einkommen automatisch ein, kann ich mich auch von meinem Standort lösen und einige Wochen oder Monate in der ganzen Welt erfüllen, die ich im ersten Schritt definiert habe. Willkommen in der Welt der “Neuen Reichen”!

Alle Kapitel erklärt er an seinem eigenen Leben. Er hat zum Beispiel die Firma BrainQUICKEN gegründet. Er verdient sein Geld durch den Vertrieb eines Nahrungsergänzungsproduktes. Mehr als vier Stunden pro Woche braucht er für seine Firma nicht.

Das klingt nach Aussteigen 2.0. Aber es sind die kleinen Details des Arbeitslebens, die an seinem Konzept faszinieren: Was spricht dagegen, sein E-Mail-Programm auch mal zu schließen? Es ist auch genau so wenig etwas dagegen zu sagen,  Arbeitsabläufe zu automatisieren oder andere in die Arbeit mit einzubinden.

1997 kam sein Buch raus, wird seit dem ständig in Blogs diskutiert und landete auf diversen Bestsellerlisten. “500.000 verkaufte Exemplare” steht auf dem Deckel  meiner deutschen Ausgabe. Was ich während dem Lesen ahnte, hat sich nach einer Recherche für mich bestätigt: Timothy Ferriss wird von seinen Lesen entweder gehasst oder geliebt. Die einen halten ihn für den größten Selbstdarsteller, der sein Leben als das Erfolgsrezept schlechthin verkauft. Die anderen bewundern ihn, während sie bei ihrer kurzen Pause der Alltagstretmühle entfliehen und ein paar Seiten lesen.  Immerhin:  Er ist vor einem Jahr von “WIRED” zum “Greatest Self-Promoter of All-Time” ernannt worden.

Mein Fazit: Timothy Ferriss polarisiert stark. Außerdem ist seine ganze Theorie so stark amerikanisch überzeichnet, dass selbst die typischsten US-Bürger ganz unamerikanisch wirken. Vielleicht ist es Ferriss’ leichte Arroganz, die das Buch dann doch wieder so attraktiv macht. Und ich gebe zu: Ein paar Dinge habe ich mir schon abgeguckt. Ich streue inzwischen weniger im Netz rum und verdaddel’ weniger Zeit. Einiges kann ich aber gar nicht machen. Die Dienstleistungen der “Virtual Assistents” gibt es nicht auf dem deutschen Markt. Was aber noch wichtiger anzumerken ist: Für Journalisten ist diese Methode gänzlich unbrauchbar. Wir haben kein Produkt, das wir automatisiert über das Internet vertreiben können. Wir können es uns nicht leisten nur einmal die Woche eine Zeitung zu lesen. Wir leisten Gedankenarbeit.

Ich mache es einfach so. Das wird vielleicht Ferriss nicht gefallen, aber ich wende die von ihm so geliebte 80-20-Regel auf seine Idee selbst an: Ich setze 20 Prozent seiner Ideen um, und erhalte trotzdem 80 Prozent mehr Produktivität. Auch wenn ich dann etwas mehr als vier Stunden arbeiten muss.

Links zum Thema:
- Das Buch bei Econ
- Das Blog von Timothy Ferriss (inkl. Probekapitel)

Nächstes Mal bespreche ich, warum wir niemals E-Mails am Morgen lesen sollten.

Daniel Fiene

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z | 3 Kommentare »
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3 Kommentare zu “GASTBLOG: Die 4-Stunden-Woche”

  1. daniel fienes weblog » Blog Archive » fiene & 4 stunden

    [...] JEPBLOG [...]

  2. Chris

    “Ich setze 20 Prozent seiner Ideen um, und erhalte trotzdem 80 Prozent mehr Produktivität.”

    Sehr schönes Fazit!

  3. jepblog » Blog Archive » GASTBLOG: Hundertzehn Zwanziger gegen Zwanziger

    [...] Den dritten Teil meiner Produktivitätsserie gibt es in der kommenden Ausgabe. Ich wollte diesmal unbedingt das Ende des DFB-Weinreich-Streits [...]

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