Zeitjung.de – so geht’s nicht
Wenn Erwachsene mal so richtig cool sein wollen, dann sagen sie Worte wie “crazy” oder “total Rock’n'Roll” – und wirken eigentlich fast immer peinlich. Genauso wirkt “www.zeitjung.de”. Schon der Name ist irgendwie bemüht und anbiedernd. Bis auf “Logo!” im Kinderkanal hat es bisher kein Format geschafft, Nachrichten wirklich “jugend-gerecht” aufzuarbeiten, ohne aufgesetzt zu wirken.
Obwohl man dem neuen Portal eigentlich viel Glück wünschen möchte und es ja auch erst am Anfang steht … heute müssen die Kollegen vors Überschriften-Schiedsgericht. So jedenfalls geht’s nicht:
“Zweiter Zombie-Oscar vergeben”
Hier werden nun wirklich billige Assoziationen geweckt, noch dazu mit schiefen Bildern – und das im Haupttext auf der Startseite.
Zunächst: Zombies sind von den Toten auferstanden. Wer die zitternden Stimmen der Familienmitglieder von Heath Ledger bei der Dankesrede gehört hat, dem ist noch einmal das Endgültige des Todes für einen kurzen Moment vor Augen geführt.
Wie auch immer, liebe Autorin “BieneMaja”, wenn Sie sogar in der Überschrift vom “zweiten” Zombie-Oscar schreiben, möchte man auch gern lesen, wer eigentlich die erste Posthum-Auszeichnung bekam. Oder gibt es keine Redaktion? Ich bin verwirrt. “Total crazy!”
Ach so: Wenn man eine gewisse nicht 100-prozentig-zuverlässige Webseite zur Hilfe nimmt, kommt man auf mindestens vier Posthum-Oscars VOR Heath Ledger: Gordon Jennings (1953), Peter Finch (1977), Howard Ashman (1993), Conrad L. Hall (2003).
Sören Kittel
Autor: student Kategorie: A bis Z, Blattkritik, Zukunft des Journalismus | 8 Kommentare »
Tags: Heath Ledger, Oscars, zeitjung.de
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Am 23. Februar 2009 um 18:06 Uhr
“Ledger ist neben Peter Finch 1976 der einzige SCHAUSPIELER, der den Oscar posthum zugesprochen bekam.” – so steht es auch heute in den verschiensten Quellen.
Wikipedia war nicht meine und ist auch allgemein keine sichere Quelle, das bestätigt übrigens auch der Wikipedia-Gründer selbst:
http://chronicle.com/wiredcampus/article/1328.
Aber wenn Sie mehr SCHAUSPIELER gefunden haben, dann nennen Sie mir doch ihre Quelle, man lernt ja nie aus…
Nur zu ihrer Aufklärung und der Recherche. Ledger ist erst der zweite SCHAUSPIELER. Sie haben Recht, alle anderen haben auch posthum einen Oscar bekommen, allerdings in anderen Kategorien… (das nur zu ihrer Recherche)
1953 Gordon Jennings –> Special Visual Effects
1993 Howard Ashman –> Filmmusik (Beauty & the Beast)
2003 Conrad l. Hall –> Kamera
Auf zeitjung.de kann man übrigens in einem Artikel vom Samstag auch nachlesen, wer der erste Schauspieler war, der posthum einen Oscar bekam. (http://www.zeitjung.de/ZEITZEUGE/artikel_detail,1815,Pleitegeier-vs.-Champagnerbad.html)
Kritik ist gut und immer gerne gesehen, aber wenn sie nicht stimmt, dann ist sie unangebracht.
Ich bin offen und freue mich auf weitere Kritik! BieneMaja
Am 24. Februar 2009 um 06:59 Uhr
@Biene:
In Großbuchstaben versteh sogar ich es: Um den SCHAUSPIELER-Zombie gings also. War wohl nicht nur vollkommen Oscar-übermüdet, sondern auch noch dem alten Fehler aufgesessen, die Überschrift zu ernst zu nehmen. Sie dient ja nur dazu, den Leser in den Text zu ziehen. Akkurat muss sie nicht sein – und schön auch nicht, oder?
Und zu Wikipedia: Ist es inzwischen eigentlich schon peinlich, die Seite zu zitieren? Hm. Wäre mal eine interessante Frage… In diesem Fall stimmte die Information – und ein wissenschaftlicher Gebrauch (von dem der Gründer zu Recht abrät) ist hier auch nicht gegeben.
Am 24. Februar 2009 um 09:05 Uhr
Zu Wikipedia: Gute Idee für einen neuen Artikel. Jede Kritik bringt eben doch etwas Gutes mit sich
Am 24. Februar 2009 um 12:46 Uhr
Liebe BieneMaja,
ihr seid nur peinlich. Bitte hört auf. Die Jugend ist zum Glück nicht wirklich so dumm wie Ihr denkt.
Am 24. Februar 2009 um 13:15 Uhr
>> ihr seid nur peinlich. Bitte hört auf. Die Jugend ist zum Glück nicht wirklich so dumm wie Ihr denkt.
Bitte immer schön sachlich bleiben.
Am 24. Februar 2009 um 16:08 Uhr
Der “Zombie-Oscar” ist in der Tat dermaßen peinlich… Als 16-Jähriger hätte ich so etwas nicht nur nicht gelesen, ich hätte mich darüber aufgeregt. Nachrichten für Dumme? Nein Danke.
Was soll denn diese krampfige Lässigkeit überall?
Ich möchte auch nicht von jedem Friseur geduzt werden… Wer mich mit solchem Schein-Jugend-Vokabular anspricht, suggeriert mir damit, dass er mich nicht ganz für voll nimmt, und dass er glaubt, er wisse, wie ich denke und ticke. Ganz augenscheinlich ist dem hier aber nicht so.
Insofern möchte ich doch online, ganz spießig, sinnvoll angepriesene journalistische Inhalte.
Jugendliche, die diesen Jugendslang in diesem Maße ernsthaft sprechen (falls es die überhaupt gibt), sind für solchen Content hier eh nicht zu gewinnen, und alle anderen – egal wie jugendlich, egal wie lässig – kommen sich von so etwas einfach nur verarscht vor.
Genau daran wird zeitjung scheitern.
Am 27. Februar 2009 um 17:40 Uhr
Mit “zeitjung.de” haben auch andere so ihre Probleme.
Am 18. Juni 2009 um 17:42 Uhr
Das ist ja nicht das erste Mal, dass es auf Zeitjung mehr als seltsame Überschriften und Fakten gab. Wie das oben schon <a href=”http://netzfeuilleton.de/2009/02/wollen-wir-diese-worte-auf-ewig-den-nazis-ueberlassen/”verlinkte Interview zeigt.