11.3.2009

Der Autorisierungswahn (Linksverkehr 12)

“Wie man Gesagtes ungesagt macht”, beschreibt Hanns-Georg Rodek heute in der “Welt”. Es geht um die Autorisierung von Interviews mit Stars. “Die Zensur beginnt neuerdings bereits, bevor das Interview überhaupt zustande kommt.”

Auf der “Berlinale” hatte die Knef-Biografie “Hilde” Premiere, und der Filmverleih und ein Journalist vereinbarten ein Interview mit Hauptdarstellerin Heike Makatsch. Auf Nachfrage erhielt der Journalist eine Mail von “Hildes” PR-Firma. Rodek: “Welt der Film in seiner Zeitung schlecht besprochen worden sei, stand darin wörtlich, könne das Gespräch leider nicht stattfinden.”

Nach vielen weiteren Beispielen für den “Autorisierungswahn” schließt Rodek: “Jeder Wahn grassiert nur so lange, bis sich genug Vernünftige finden, die ihm ein Ende bereiten. Insofern tragen die Medien Mitschuld an der Pervertierung der Gattung Interview, weil sie oft genug kuschen und geschönte Texte drucken, um Stars im Blatt haben.”

Autor: jep Kategorie: A bis Z, Blattkritik, Zukunft des Journalismus | 9 Kommentare »
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9 Kommentare zu “Der Autorisierungswahn (Linksverkehr 12)”

  1. jep

    So sieht es aus, wenn man Autorisierungswünsche druckt.

  2. STES

    Es ist ja wohl doch eher ein Geben und Nehmen. Mal gewinnen wir, mal die Stars und Sternchen. Ist ja nicht so, dass Journalisten nicht wüssten, wie die Medienspielregeln funktionieren.
    http://tinyurl.com/bktwac

  3. SoVu

    Damit Menschen in den Medien nicht denunziert, verleumdet und in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt werden, gibt es Gesetze, an die sich das Gros der Medienmacher auch immer noch hält. Außerdem gibt es nicht umsonst das Mittel der Gegendarstellung, Unterlassungserklärung und nicht zu guter letzt auch die Wahl, Gespräche mit bestimmten Journalisten oder Medien erst gar nicht mehr zu führen. Aber den Eingriff, den sich sehr viele Prominente aller Ressorts inzwischen in den Inhalt der Berichterstattung leisten, lässt die Presse zu Dienern von PR-Apparaten verkümmern. Eine Gefahr in meinen Augen und ein Armutszeugnis.

  4. avb

    In politischen Interviews ist der Autorisierungsprozess durchaus positiv und schützt letztlich auch den Journalisten. Wenn einer zu viel streicht haut man das Interview in die Tonne, so einfach ist es doch (oder sollte es zumindest sein).

  5. avb

    PS Nicht-autorisiertes Interview heute übrigens in Form einer Gegendarstellung auf BZ S. 14. Unschön.

  6. SoVu

    @avb
    da war wissentlich etwas veröffentlicht worden, was weder in der noch für die öffentlichkeit gesagt worden war…

    was das in die tonne hauen betrifft: finde ich auch, sollte man rigoros durchziehen. kann man aber aus verlegerischen aspekten leider nicht immer, wenn nicht auch die anderen das so handhaben. sonst ist man so oder so verlierer, vor dem interviewten oder vor dem leser, der dann eben woanders liest…

  7. MariaG

    zum thema: mal gewinnen wir, mal die Stars…

    Ich denke es geht um Authetizität. Auf eine Frage sollte der Interviewte unmittelbar beantworten. So verkaufen wir es doch auch dem Leser..
    Beispiel aus dem Leben:
    In einer prekären Situation, wo ich mal nicht weiß, wie ich antworten/reagieren soll, fallen mir im Nachhihein tausend schlagfertige Antworten ein. Aber tatsächlich gesagt, habe ich sie eben nicht.
    Genauso ist es in einem Interview. Es geht um den Moment und den Gedanken, den der Interviewte in diesem Moment ausspricht.
    Wenn ich es später autorisieren lasse und dem Sternchen vielleicht eine bessere/lustigere Antwort einfällt, dann gewinnt dadurch vielleicht mein Interview, aber es verliert an Authentizität.

  8. avb

    @SoVu: Falsch. In der Öffentlichkeit gesagt, nämlich bei einem Pressetermin, vor Journalisten.

    @MariaG: Nicht ganz Deiner Meinung. Vor lauter Authenzität sollte das Interview schon auch noch lesbar sein. Da hilft das ein oder andere Nachjustieren später schon.

  9. STES

    @MariaG

    Lässt sich “Authentizität” über das gedruckte Wort verkaufen?
    Außer dem Journalisten und dem Interviewten kennt ja niemand den genauen Wortlaut, wie das von “jep” anschauliche Beispiel zeigt. Es sei denn, wir drucken genauso das, was wir nicht sollen.
    Deshalb bleibt es für uns Journalisten eine tägliche Herausforderung und generelle Verantwortung das “informelle Selbstbestimmungsrecht” jedes Einzelnen zu beider Seiten Zufriedenheit auszuloten. Bleibt es zudem beim “Verkauf”, ist es für uns mal ein gutes, mal ein schlechtes Geschäft.

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