31.3.2009

GASTBLOG: Hundertzehn Zwanziger gegen Zwanziger

860 Spender haben mitgemacht – 22.000 Euro sind zusammengekommen. Dazu gab es viele aufmunternde Worte aus allen Ecken des Netzes. Es ging um einen Gerichtsstreit. Es muss also ein bemerkenswerter Streit gewesen sein. Das war dieser auch. Es ging um eine riesige Organisation, die sich nicht scheut, mächtige Werkzeuge zu nutzen, um einen kleinen Kritiker mundtot zu machen. Auch wenn ihm die Öffentlichkeit sämtliche Sympathien bekundet.

Was passierte? Jens Weinreich bezeichnete DFB-Präsident Theo Zwanziger als Demagogen, der DFB sah seinen Präsidenten diffamiert.

Weinreich deckte in einer folgenden DFB-Pressemitteilung eine Reihe von Lügen auf. Viele Gerichtsverhandlungen und -urteile folgten. Mit größter Sorgfalt hat Weinreich den Streit in seinem Blog dokumentiert. Nehmen Sie sich etwas Zeit und durchforsten Sie die ganzen Dokumente. Es ist sehr ernüchternd.

Leider geht es bei so einer Diskussion nicht um das Recht, sondern um den längeren Atem. Das finanzielle Risiko, das Weinreich bei diesem Rechtsstreit gegen eine große Organisation einging, ist wohl nur zu erahnen.

Jetzt – das Ende. Beide Parteien haben sich geeinigt. Das liest sich so “Herr Weinreich hat erklärt, dass er den Präsidenten des DFB, Dr. Theo Zwanziger, mit der von Herrn Dr. Zwanziger beanstandeten Formulierung ‘unglaublicher Demagoge’ zu keinem Zeitpunkt in die Nähe eines Volksverhetzers rücken wollte. Der DFB hat erklärt, dass er Herrn Weinreich durch die Pressemitteilung Nr. 180/2008 vom 14.11.2008 unter der Überschrift ‘DFB missbilligt Diffamierung von Dr. Theo Zwanziger’ zu keinem Zeitpunkt in seiner Arbeit als kritischer Sportjournalist behindern wollte.”

Und was haben wir davon? Stefan Niggemeier sieht kritischen Journalisten durch den Ausgang dieses Streits eingeschüchtert. Alexander Svensson () schiebt den Fokus aber auch auf die vielen negativen Kommentare, die der DFB bekommen hat: “Den DFB werden die negativen Reaktionen nicht davon abhalten, bei ähnlicher Gelegenheit wieder so zu reagieren — vermutlich hätte das nicht einmal eine Niederlage in letzter Instanz geschafft.”

Insgesamt ist es also eine traurige Geschichte. Denn trotz der riesigen Energie, die in diesen Streit gesteckt wurde, werden sich Geschichten wie diese wiederholen.

(P.S.: Den dritten Teil meiner Produktivitätsserie gibt es in der kommenden Ausgabe. Ich wollte diesmal unbedingt das Ende des DFB-Weinreich-Streits dokumentieren.)

Daniel Fiene

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 4 Kommentare »
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4 Kommentare zu “GASTBLOG: Hundertzehn Zwanziger gegen Zwanziger”

  1. Simon Pausch

    Geschichten wie diese werden sich wiederholen – stimmt. Was an der causa Weinreich./.DFB traurig sein soll, leuchtet mir allerdings nicht ein.
    1. Auf dem Papier ist es eine Einigung zweier Streitparteien. Die geht aber einher mit einem massiven Image-Verlust des DFB bzw. seines Präsidenten (der hatte im Dezember sogar kurzzeitig von Rücktritt gesprochen) und einem Repuatationsgewinn des Journalisten. Der Fall zeigt: Es ist möglich, vor Gericht gegen mächtige Verbände zu bestehen.
    2. Diese Einigung ist, wenngleich sie mit einem leichten finanziellen Schaden verbunden ist, das Optimum, welches Weinreich erreichen konnte. Oder ist jemand ernsthaft davon ausgegangen, dass der DFB öffentlich zu Kreuze kriecht und seinen Präsidenten mit Schimpf und Schande vom Hofe jagt? Wohl kaum. Ein Rücktritt Zwanzigers hätte der gesamten Auseinandersetzung zudem das Geschmäckle einer Privat-Fehde bekommen, was schade gewesen wäre. Die Dimension ist nämlich genereller, denn:
    3. Hinter Weinreich hat sich eine Woge der Solidarität aufgetürmt, auch über finanzielle Unterstützung hinaus. Allein das reicht als Mutmacher für jene, die auch in Zukunft investigativ im Sportjournalismus arbeiten wollen.

  2. C. Lauer

    Ein Mutmacher mit Sicherheit nicht nur für den Sportjournalismus, sondern das gesamte Metier. Diese “Woge der Solidarität” ist ein Glücks-, wohl aber leider auch Einzelfall. Andere zumindest werden weniger publik, auch wenn es im Grunde um dieselbe Sache geht: http://www.br-online.de/bayern2/zuendfunk/zuendfunk-politik-thema-waffenindustrie-ID1234792246339.xml

    Es wäre wünschenswert, wenn solche Geschichten aller Größenordnungen derart breite Unterstützung in der Öffentlichkeit erfahren würden. Ein guter Anfang (?) ist mit Weinreich vs. DFB ja schon gemacht.

  3. Daniel Fiene

    C. Lauer, ja – ein guter Anfang ist schon gemacht.

    Simon Pausch, besonders Ihr dritter Punkt gefällt mir sehr gut.

  4. daniel fienes weblog » Blog Archive » fiene & 110 x 20

    [...] Dienstag ist im JEPBLOG mein neuer Gastbeitrag erschienen. Dieses Mal habe ich über das Ende des Streits zwischen dem Sportjournalist Jens Weinreich und dem DFB [...]

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