3.4.2009

Award der Woche für dieStandard.at

Gibt es weibliche Wirtschaft oder feminine Politik? Dieser Frage nähert sich täglich das Nachrichten-Portal dieStandard.at an. Hier berichten sechs Redakteurinnen tagesaktuell über Politik, Wissenschaft, Kultur und vieles mehr, immer mit dem Versuch, die Geschichte so zu drehen, dass es Frauen besonders anspricht.

Bei medizinischen Themen geht dieStandard der Frage nach, ob die Pille für den Mann sicherer ist, als jene für die Frau. Im Artikel zur Steuerreform recherchiert die Autorin, wie sich die Bonuszahlung für Alleinerziehende verändert. Zur politischen Situation in der Slowakei anlässlich der Präsidentenwahl am 4. April lautet die Überschrift: “Erste Frau im Präsidentenamt?”.

So kann theoretisch jede Meldung den Sprung ins weibliche Nachrichtenportal schaffen, wenn die Redakteurin nur den femininen Dreh findet.

Vor knapp zehn Jahren arbeiteten die Frauen, die die Idee zum weiblichen Nachrichten-Portal hatten, noch für die österreichische Tageszeitung “Der Standard”. So erklärt die Entstehungsgeschichte auch die Namensgebung. Ina Freudenschuß, heute Chefredakteurin von dieStandard erzählt: “Die unterschiedlichsten Frauen aus Redaktion, Sekretariat und Grafik setzen sich damals zusammen, weil sie Zeitung mal anders machen wollten. Politische Nachrichten für Frauen.” Das war die Geburtsstunde von dieStandard. Auf die neue Idee reagierte die Online-Chefin begeistert. Im März 2000 ging dieStandard an den Start und bildet seitdem ein eigenständiges Ressort, eingebettet in die Online-Redaktion von “Der Standard”. Dadurch hat die kleine Redaktion den Vorteil auf ein großes Agentur- Bild- und Redaktionsarchiv zugreifen zu können.

“Unser Portal ist im deutschen Sprachraum einmalig, wenn nicht sogar weltweit”, sagt Freudenschuß. Deshalb macht es viel Spaß durch die Seiten zu stöbern, weil der Artikel, so wie er hier geschrieben steht, nirgendwo zu lesen ist. Die Seite kann nicht unbedingt als Quelle für die aktuellste Berichterstattung dienen, aber die Redakteurinnen zeigen, dass eine lahme oder bereits abgelutschte Geschichte hier einen neuen Dreh bekommt.

Oft rufen die Artikel eine direkte Reaktion hervor. Von nervig feministisch, bis “toll, dass so was mal gesagt wurde”. So geht es anscheinend vielen Lesern, denn den Artikel zu lesen ist mindestens so spannend wie die darunter geschriebenen Postings: dem feministischen Ausruf folgt gerne mal ein männlicher Kommentar.

Apropos Männer: “Bei uns haben sich schon öfters Männer beworben. Im Moment haben wir nur einen männlichen freien Mitarbeiter, obwohl wir glauben, dass Männer generell schon feministisch schreiben können”, sagt Freudenschuß.

Feministsich, ein Begriff, bei dem selbst so manche Frau zusammenzuckt, weil dann ein kämpferischer, verbissener Wind weht und vor dem inneren Auge sofort Alice Schwarzer auftaucht. Freudenschuß sagt dazu: “Es ist schon in Ordnung uns als feministisch zu bezeichnen. Wir betrachten uns als politisches Frauen-Portal.”

Maria Gerber

Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 5 Kommentare »
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5 Kommentare zu “Award der Woche für dieStandard.at”

  1. maTze

    Die Chefredakteurin traut Männern also zu, für eine Frauen-Zielgruppe zu schreiben?! Da bin ich ganz auf ihrer Seite. Die Akademie-Leitung wird aber sicher protestieren – nicht wahr, Herr Peters?

  2. jep

    @ maTze

    Nein, das ist doch gar nicht nötig. Eine rein weibliche Redaktion, die selbst unter ihren freien Mitarbeiterinnen nur einen einzigen (Quoten-)Mann duldet, zeigt doch sehr deutlich, wie weit die Chefredakteurin Männern tatsächlich zutraut, für Frauen zu schreiben.

    Ich bleibe dabei: Zielgruppen-Konzepte funktionieren am besten, wenn die Macher selbst zur Zielgruppe gehören. Und, maTze, ums mal positiv zu sagen: Ihr Versuch einer Glosse für alte Leute war ein schöner Beleg für diese These.

  3. maTze

    @jep: Was ist denn daran positiv? ;)

    Ich stimme übrigens durchaus zu: ganz ohne Frauen kann man ein Frauenmagazin sicherlich nicht machen.

    Ich würde aber auch meinen, dass ein Zielgruppen-Fremder nur sehr eingeschränkt über Zielgruppen-Produkte urteilen kann. Und mit 44 also noch nicht über Seniorenglossen.

  4. jep

    @ maTze

    Das hat eine gewisse Logik und ist auch nicht ganz falsch. Was Ihre Glosse angeht, rate ich trotzdem von einer öffentlichen Diskussion ab – sonst sehen Sie am Ende alt aus (was die falsche Interpretation von “zielgruppengerecht” wäre).

  5. maTze

    ;)

    Das sind wir mal ganz einer Meinung!

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