Team 2 in Israel (II) – Die unsichtbare Grenze
Tel Aviv, Montag 11.5.2009, Baka.
Laute Stimmen schreien wild durcheinander, Autohupen dröhnen, Töpfe klappern, es riecht nach frischen Orangen, nach gegrilltem und rohem Fleisch. Wir stehen zwischen Krieg und Frieden, zwischen Freundschaft und Feindschaft, zwischen Israel und Palästina.

Doch entgegen unseren Erwartungen gibt es keinen meterhohen Sicherheitszaun, keinen Stacheldraht, keine mit scharfen Waffen behangenen Soldaten. Nichts als Asphalt. Eine unsichtbare Grenze…
Angefangen hatte der Tag 50 Kilometer weiter südlich – in der deutschen Botschaft in Tel Aviv.
9.00 Uhr: Mit dem Generalsekretär des Israelischen Presserats – Arik Bachar – diskutieren wir über Ethik im Journalismus. Die wichtigsten Erkenntnisse: Korruption ist keine Seltenheit, das Leben von Politikern in Israel wird von den Medien ausgeschlachtet wie die beste Daily-Soap und Autorisierung von Interviews ist nach wie vor ein rein deutsches Phänomen!

Im Gespräch mit Arik Bachar.
13.00 Uhr: Wir erreichen “Givat Haviva”, ein Kibbuz-Education Center. Begegnungsstätte für Israelis und Palästinenser. Konflikttrainer Alex G. Elsohn erklärt uns das Prinzip der Einrichtung: Hier treffen sich junge Menschen, zwischen denen ein Dialog im alltäglichen Leben eigentlich unvorstellbar wäre. In zahlreichen Projekten lernen sie sich zu verständigen, sich anzunähern, um so – vielleicht – irgendwann friedlich miteinander leben zu können.

Aussprache zwischen Farhat Agbaria, (israelischen Araber), Shahaar Yanai (israelischer Jude) und Konflikttrainer Alex Elson (ist Schweizer) in einem Kibbuz. Thema: Der Nahostkonflikt.
15.00 Uhr: Wir treffen Lydia Aisenberg, eine walisische Jüdin, die vor 40 Jahren vor dem Antisemitismus in Wales nach Israel flüchtete. Seit 15 Jahren arbeitet sie als Guide für Givat Haviva, führt Touristen und Schulklassen entlang der “Grünen Grenze”, die Israel und die West Bank voneinander trennt.

Unser Guide Lydia Aisenberg erklärt uns den komplexen Grenzverlauf im Nahen Osten: Sie sagt “Ich schildere jetzt aber nur die Spitze des Aisenberges”.
Zusammen mit der toughen 63-Jährigen erkunden wir die Region, fahren zum Check Point und treffen palästinensische Einheimische, die sich kurioserweise auf den jüdischen Feiertag “Lag Boamer” freuen – endlich wieder im Meer planschen, endlich wieder heiraten (das ist nämlich sieben Wochen nach dem Pessach-Fest erstmal verboten). Zum Fest werden große Feuer angezündet, alte Möbel, Überflüssiges wird verbrannt. Lydia Aisenberg scherzt: “Und die Ehefrau kommt als Topping obendrauf.” Ihren walischen, schwarzen Humor werden wir wohl nicht so schnell vergessen. Und auch nicht das große Loch, das sich nach einem Mini-Mittagessen langsam aber sicher in unserer Magengegend auftut.

Dorf-Bewohner im Westjordanland sammeln fürs Feuer. Heute Abend ist Feiertag (Lag Baomer) – ursprünglich ein jüdisches Fest. Doch auch die arabischen Nachbarn feiern mit.
19.00 Uhr: Lydia führt uns nach East Baka, zeigt uns die unsichtbare Grenze zu West Baka – und nach fünf Stunden Führung dann auch endlich den Imbiss, unsere letzte und sehnsüchtig erwartete Station an diesem Tag. Hier gibt es Unmengen Pita-Brot, Humus und Frisches vom Grill.

Team 2 unterwegs in Baka.
20.30 Uhr: Gut gesättigt geht es jetzt ans Handeln und Feilschen. Wir entdecken am Shop gegenüber das, was die weiblichen Kollegen im Team schon seit Wochen gesucht haben: das richtige Outfit für die Zertifikatsverleihung am Donnerstag. Dank des Verhandlungsgeschicks von Jenni Roth soll der ausgewählte neonbunte Gymnastikanzug, den die Damen einheitlich tragen wollen, für alle nur 360 Schekel (umgerechnet etwa 75 Euro) kosten. Leider hat der Verkäufer nicht mit so einem Run gerechnet und die schicken Latexfetzen nicht vorrätig. Unser Begleiter Samson Altmann-Schevitz hingegen führt ganz andere Geschäfte im Schilde. Verhökern will er uns – für drei Autos. Zum Glück weiß Frau Aldag-Gendner das zu verhindern. Zertifikatsvergabe wir kommen – wenn auch ohne Gymnastikanzug.
Astrid Bock und Stephanie Morcinek (Fotos: Philip Volkmann-Schluck)
Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung | 1 Kommentar »
Tags: Baka, Kibbuz, Nahostkonflikt, Palästinenser, Presserat, Team 2, Zertifikatsverleihung
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Am 12. Mai 2009 um 16:22 Uhr
Verfolge den blog mit großem Interesse.
Flotter Artikel und gute Fotos.
Bin gespannt, was Ihr noch so alles
erlebt.
Grüße aus Bayern, Max