GASTBLOG: Das Internet rettet die ARD
Es ist schon ein Kreuz: Da ist man ordentlich akkreditierter Journalist in Teheran und dann sitzt man deswegen im Hotel fest, während draußen auf der Strasse irgendweche Iraner völlig unkontrolliert Handyvideos von den Demonstrationen ins Netz stellen.
Sei’s drum, Bilder sind Bilder und es reicht ja völlig aus, “Quelle: Youtube” hinzuschreiben und das Ganze dann doch zu senden – mit dem Hinweis auf die Quelle Internet. Das wird dann wohl als Zitat zu verstehen sein. Immer öfter ist es der Fall, dass aktuelle Informationen zuerst über Internetkanäle kommen. Bevor das ARD-Hauptstadtteam oder auch die Kollegen der anderen Sender ihr Team auf den Weg geschickt haben, hat ein Passant ein Bild oder Video hochgeladen oder bisweilen schon an die Konkurrenz verkauft. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie man das Problem lösen kann.
Was ich nicht verstehe ist, warum die ARD nicht einen eigenen Mann mit Handy oder Minicam auf die Strasse schickt – vielleicht nicht gerade einen Ausländer, sondern einen Iraner. Der kann heimlich filmen und die ARD hat die Bildrechte. Statt dessen klaut man bei Youtube. Auf der anderen Seite schreit man dann laut auf, wenn eigene Beiträge auf irgendwelchen Tauschbörsen auftauchen. Obwohl das ja der GEZ-zahlende Bürger wenigstens schon einmal bezahlt hat.
Es scheint Trend zu sein, das klassische Medien bei der Schnelligkeit immer öfter verlieren. Ist das schlimm? Nein. Sollen die anderen doch den Job machen. Gerade Zeitungen können sich erst mal einen Kaffee kochen, und sich dann an die Arbeit machen. Die Hintergründe aufklären. Die Situation analysieren. Zum Beispiel schreiben, dass Proteste im Iran noch keine Revolution machen. Und schon gar keine, die Freiheit und Demokratie bringt.
Oder die Situation im Jemen erklären, die Hintergründe der Entführungen. Eigene Quellen auftun. Skype-Schaltungen mit Kollegen vor Ort machen und das Video online stellen. Bei großen Ereignissen ist der Tag danach ebenso wichtig wie der Tag selbst. Das wissen wir spätestens seit den Anschlägen in den USA.
Daraus können wir lernen: Wenn wir als Printleute schon die die schnellsten mehr sein können, dann doch bitte die besten. Erklärbär statt Twitterer. Darin liegt eine Chance für Print, aber auch Radio und TV.
Thomas Wanhoff
Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 4 Kommentare »
Tags: Demokratie, Gastblog, Handyvideo, Iran, Teheran, Thomas Wanhoff, TV, Twitter
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Am 17. Juni 2009 um 01:14 Uhr
Thomas Wanhoffs Forderung, dass Zeitungen sich auf ihre Stärken besinnen sollen (mehr Hintergrundinfos, Analysen und Kommentare), ist natürlich nicht neu. Ähnliches hat z. B. Mathias Döpfner bereits vor über drei Jahren gefordert (http://tinyurl.com/l9bxyx).
Ich finde allerdings gerade, dass der hohe Anspruch, den der Autor an den Printjournalismus stellt, langfristig genauso für den Online-Journalismus gelten muss. Er sollte (hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft) so zuverlässig und fundiert wie die gute alte Tageszeitung sein – trotz der Schnelligkeit. Das Google-optimierte Agentur-Einerlei, das man heute auf den großen deutschen Nachrichtenseiten findet, ist hoffentlich nur Ausdruck davon, dass der Online-Journalismus noch in den Kinderschuhen steckt.
Deshalb halte ich es nicht für angebracht, dass der Autor inhaltlichen Tiefgang vor allem als Chance für Journalisten in den klassischen Massenmedien versteht. Im Internet wäre eine Qualitätsoffensive nämlich viel dringender nötig.
Am 17. Juni 2009 um 09:02 Uhr
[...] 1. “Das Internet rettet die ARD” (axel-springer-akademie.de, Thomas Wanhoff) Thomas Wanhoff fragt sich, warum die ordentlich akkreditierten Journalisten in Teheran bei YouTube klauen: “Was ich nicht verstehe ist, warum die ARD nicht einen eigenen Mann mit Handy oder Minicam auf die Strasse schickt – vielleicht nicht gerade einen Ausländer, sondern einen Iraner. Der kann heimlich filmen und die ARD hat die Bildrechte.” [...]
Am 17. Juni 2009 um 12:00 Uhr
[...] Das Internet rettet die ARD Shared um 11:45 Uhr via Delicious Es ist schon ein Kreuz: Da ist man ordentlich akkreditierter Journalist in Teheran und dann sitzt man deswegen im Hotel fest, während draußen auf der Strasse irgendweche Iraner völlig unkontrolliert Handyvideos von den Demonstrationen ins Netz stellen. [...]
Am 18. Juni 2009 um 10:06 Uhr
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