22.6.2009

Wer im Glashaus sitzt (Linksverkehr 26)

Seit das NDR-Medienmagazin “Zapp” vergangenen Mittwoch einen Beitrag über hoch dotierte PR-Auftritte öffentlich-rechtlicher Moderatoren gesendet hat, ist die Entrüstung in der Branche groß. Viele Zeitungen berichten, überall Kritik an Tom Buhrow & Co. Völlig zu recht, meine ich, unabhängiger Journalismus sieht anders aus. Aber wo bleibt die Recherche in den eigenen Reihen? Welche Printkollegen kassieren für Vorträge, Diskussionsrunden oder Moderationen bei Firmenveranstaltungen? Wäre doch mal ganz interessant. Oder?

(Ums Thema Glaubwürdigkeit geht es auch hier.)

Autor: jep Kategorie: A bis Z, Blattkritik, Zukunft des Journalismus | 6 Kommentare »
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6 Kommentare zu “Wer im Glashaus sitzt (Linksverkehr 26)”

  1. tazmanischer teufel

    Interessant ja, aber meiner Ansicht nach nicht solch ein “Aufreger”, wie bei den Kollegen der Öffentlich-rechtlichen. Denen muss man eine gewisse Objektivität abverlangen können, wenn wir als Gebührenzahler dafür sorgen, dass die Damen und Herren den Aufschnitt fürs Brot bekommen.
    Wie sehr sich die freie Presse vor den Karren der Industrie spannen lässt, bekommt man ja in regelmäßigen Abständen von den großen Verlagen mit.

  2. jep

    Ich will auch keinen Zeitungsredakteur, der für 6.000 Euro ein Anlegerforum der Deutschen Bank moderiert und eine Woche später deren Bilanzpolitik kommentiert. Journalisten sollten (um nicht müssen zu sagen) sich grundsätzlich von solchen Auftritten fernhalten. Denn deren Leser, Zuhörer und Zuschauer können ihnen immer “eine gewisse Objektivität abverlangen”.

  3. tazmanischer teufel

    Nun ja, wenn ich Medien konsumiere weiß ich im besten Fall auch, dass diese eine gewisse subjektive Tendenz z.B. politisch oder moralisch besitzen. BILD eher konservativ, taz eher nicht so. Schlimmer finde ich es, wenn Medien aus Angst vor Anzeigenverlust Themen zu speziellen Unternehmen nicht aufbereiten.

  4. SoVu

    stimme tazmanischer teufel zu – wenn eine der ganz großen deutschen tageszeitungen den lidl-skandal verschwindend klein bzw. untypisch unkritisch im blatt platziert, weil das unternehmen anzeigenkunde ist und ein anderes blatt selbst in der people-spalte nicht über ein bmw-event berichtet, weil auch mercedes werbung schaltet, das finde ich – auch – bedenklich.

    klar, alternativen gibt es kaum, gerade nicht in diesen zeiten. aber unabhängig ist das auch nicht.
    und wo fängt unabhängigkeit eigentlich an? wer zum beispiel einmal über die sommerfeste der großen sender schlendert, sieht journalisten öffentlicher und privater medien mit politikern und wirtschaftsleuten ein bier nach dem nächsten bechern – auf kosten der sender, versteht sich…

  5. sök

    @taz-teufel

    Aber sorgen Sie nicht auch mit dem Kauf der Zeitung dafür, dass der- oder diejenige seine Butterbrötchen schmieren kann? Das kann man doch beliebig weiterdrehen. Und so transparent, dass man beispielsweise einem Lidl-Kritiker seine Aldi-Freundschaft anliest, so transparent ist doch kein Medium, egal wie konservativ oder nicht.

    Also letztlich sollte sich jeder Journalist doch solche Vorträge dreimal überlegen. Nur was ist, wenn man das Geld aus diesen Vorträgen IMMER spendet? Darf man dann wieder kassieren? Gilt dann Hajo Friedrichs Stichwort “nicht gemein machen – auch nicht mit der guten Sache” immernoch?

  6. tazmanischer teufel

    @sök
    Das sehe ich etwas differenzierter. Wenn ich mir eine Zeitung kaufe, dann entscheide ich mich dafür, wem ich die Butter fürs Brot finanziere.
    Bei den Öffentlich-rechtlichen zahle ich Geld für… ja wofür zahle ich eigentlich? Drittklassige Telenovelas, eine Bundesliga, die mich nicht interessiert, Schlagerabende mit Florian Silbereisen???

    Ich gehe aber soweit mit Ihnen überein, dass Journalisten sich auf glattes Eis bewegen, wenn Sie in Form von Moderationstätigkeiten als Glaubwürdigkeitsverstärker für Unternehmen und Veranstaltungen herhalten…

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