7.7.2009

GASTBLOG: Zeigen wir’s ihnen

Manches ist so banal, dass es innerlich fast schmerzt, es noch einmal zu formulieren: Die Ausbildung von Journalistinnen und Journalisten heutzutage muss medienübergreifend geschehen. Oder anders gesagt: Ohne die Fähigkeit und die Bereitschaft zum mehrschichtigen und vernetzen Arbeiten geht im Journalismus nichts mehr. Zumindest nichts Zukunftsweisendes.

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Das Team 6 der Axel-Springer-Akademie wird das genauso lernen und täglich mit Leben füllen wie Journalistenschülerinnen und –schüler anderswo. Und dann gehen sie in die Redaktionen, die nur danach lechzen, gut ausgebildete, crossmedial denkende neue Mitarbeiter zu beschäftigen, weil es genau daran noch ein bisschen mangelt in den Redaktionen. Logisch! Logisch?

Ich würde die innerlichen Schmerzen des Noch-Mal-Formulierens nicht auf mich nehmen, wenn es schon alle begriffen hätten, dass es nur so geht. Klar, die Medienbranche leidet unter dem zurückgehenden Anzeigengeschäft, unter (zum Teil selbst verschuldeten) Problemen durch die Wirtschaftskrise. Es wird gespart statt investiert. Da ist eine inhaltliche und personelle Neuausrichtung schwer.

Aber wer in den vergangen Wochen ein bisschen Zeit auf Veranstaltungen verbracht hat, bei denen hochrangige Vertreter der Journalistenzunft den Stand der Dinge diskutieren durften, wurde das dumpfe Gefühl nicht los: Selbst mit Geld in den Taschen würde sich die Branche schwer tun, den medienübergreifenden Journalismus als Antwort auf die Herausforderungen der Zeit anzuerkennen.

Robin Meyer-Lucht vom “Carta”-Portal schrieb nach dem Besuch eines der Podien: “Die Weigerung, sich selbst infrage zu stellen und die neuen Rahmenbedingungen zu reflektieren, nahm grandiose Ausmaße an.”

Und der Medienblogger Ronnie Grob konstatierte: “[N]icht geredet wurde darüber, wie die Printunternehmen damit umgehen, dass sie nun online der Quote ausgesetzt sind, bzw. wie drastisch das ihren Journalismus verändert”

Viel anderes als schon vor zehn Jahren wurde dort selten diskutiert. Alle waren sich einig, dass alles irgendwie im Wandel sei und man mit der Zeit gehen und sich ändern müsse. Aber konkret? Hm, äh, nun. Christian Bartels von der Netzeitung befand: “Wen die jeweiligen Thesen bisher nicht vom Hocker gerissen haben, werden sie in der näheren Zukunft auch nicht aufrütteln.”

Aufrütteln müssen die guten Beispiele; die Taten, nicht die Worte. Her mit dem guten crossmedialen Journalismus. Her mit den Journalisten und Journalistinnen, die vom Inhalt her denken, nicht vom Medium, die nicht zunächst den Rahmen sehen, der zu füllen ist, sondern die Füllung in verschiedene Gefäße geben, angereichert mit dem jeweils Passenden fürs Zielpublikum. Letztlich bedeutet das auch: im Team arbeiten können. Denn ich will gar nicht, dass immer jeder alles allein macht. Nur theoretisch können muss er es, um sich hineindenken zu können in all die Möglichkeiten der Darstellung. Viel Spaß dabei, Team 6!

Domenika Ahlrichs

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »
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