8.7.2009

Bringen deutsche Journalisten schlechtes Karma nach Georgien?

Beste Grüße aus dem Kaukasus! Das Wetter hier – Sonnenschein, leichte Brise, 30 Grad C – ist eine echte Entschädigung für die vielen Wochen des Kraut-und-Rüben-Wetters in Berlin. Dort starteten am Sonntag Nachmittag zwölf junge Journalisten eine Recherchereise in den Kaukasus unter dem Motto “Georgien – Ein Jahr nach dem Krieg”.

journalists-network_org

Um das Wetter bewusst zu genießen, bleibt aber keine Zeit: die Organisatoren von journalists network haben das Programm reichlich mit Terminen beladen.

Noch vor dem Abflug trafen wir Vertreter Russlands in der beeindruckend-pompösen Botschaft Unter den Linden. Direkt nach der Begrüßung, kaum dass wir uns gesetzt hatten, gingen sie in die PR-Offensive und verlasen einen Text, der die vermeintlichen Umstände des Georgisch-südossetisch-russischen Krieges vom August vergangenen Jahres klarstellte. Von den Wänden glotzten ausgestopfte Hirsch- und Widderköpfe herab. Dann führte man uns ins Botschaftskino und zeigte uns “The Art of Betrayal” des Internet-Senders Russia.ru, einen recht rustikalen Propagandafilm über das heldenhafte Verhalten der Russen, die die Menschen in Abchasien und Süd-Ossetien vor den “sadistischen Monstern” – gemeint waren die georgischen Soldaten – beschützt haben.

Aber der eigentliche Bösewicht waren die USA. Keiner aus unserer Gruppe hat sich im anschließenden Gespräch zum Film geäußert, er war einfach zu plump. Nachdem die Vertreter Russlands am Ende noch bemerkten, dass es normal sei, dass sie die Meinung ihres Arbeitgebers vertreten, flogen wir nach Tblisi.

Das Terminhopping begann am Montag Vormittag mit dem Ombudsman Georgiens, Sozar Subari, der ganz sachlich die Methoden erörterte, mit denen die Regierung in Georgien die Opposition einschüchtert. Auf seinem Tisch lagen Steine, die seiner Meinung nach in Georgien nicht von Demonstranten auf Polizisten, sondern in entgegen gesetzter Richtung geworfen werden. Auf seinem Rechner zeigte er uns ein Video, wie ein paar Männer aus einem Auto springen und den Coca-Cola-Direktor Georgiens verprügeln. Die “Unbekannten”, die sehr gut zu erkennen sind, wurden aber bis heute nicht gefasst. Nun ja, ohne eine polizeiliche Untersuchung des Falles ist das ja auch nicht so einfach.

Und dann begann anscheinend eine Art vorauseilendes, schlechtes Karma von unseren zukünftigen Gesprächspartnern Besitz zu ergreifen: Der Schriftsteller, den wir am Abend treffen wollten, wurde vom Auto angefahren (nicht schlimm, aber schlimm genug, so dass er unseren Termin absagte). Auf der Patrouille der EUMM, der Monitoring Mission der EU in Georgien, die wir am Dienstag begleiteten, flog ein MI-8-Hubschrauber der Russen die administrative Grenzlinie ab – das sehe er zum ersten Mal, sagte uns ein Beobachter. Dann, auf dem Weg zum Hauptquartier der EUMM in Tblisi, erhielten wir einen Anruf, dass es Probleme wegen eines Kabelbrandes gebe: Wir hatten Glück und konnten den Leiter der EUMM-Mission, Hansjörg Haber, trotzdem treffen, es war nur etwas dunkel in den Fluren, da der Strom durch das Feuer ausgefallen war. Und dann kam ein Todesfall dem nächsten Termin bei der Heinrich-Böll-Stiftung in die Quere. Nicht der Gesprächspartner, aber jemand aus dessen Familie war betroffen, natürlich verzichteten wir aus Pietätsgründen.

Immerhin haben wir dadurch ein wenig Luft bis zum fünften Termin – inzwischen besuchten wir noch den Fernsehsender Rustavi 2 -, einem Gespräch mit dem stellvertretenden Außenminister Georgiens. Drei Kreuze, dass uns bis dahin kein schlechtes Karma vorauseilt…

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z | Keine Kommentare »
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