16.7.2009

Keine Angst vor großen Namen!

Beim ersten Studium Generale sind wir noch ein wenig schüchtern. Das muss sich ändern.

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(Fotos: Christin Ilgner)

Es ist Abend im Roten Salon. 21 aufgeregte Journalistenschüler und einer, den vermutlich nichts mehr aus der Fassung bringt: Professor Michael Stürmer, Chefkorrespondent der WELT und der WELT AM SONNTAG, Historiker und ehemaliger Berater von Bundeskanzler Kohl. Er ist unser erster Gast im Studium Generale und redet sofort drauflos. Die sorgfältig vorbereiteten Karteikarten der beiden Moderatoren bleiben unbenutzt, auch für ein paar einleitende Worte bleibt keine Zeit.

In 45 Minuten liefert Stürmer einen Parforceritt durch die aktuelle Weltpolitik, erklärt die Besonderheiten der “atmenden Flügelbombe”, dekliniert die fünf Essentials des Springer-Verlages durch, die wir alle unterschrieben haben – ohne sie völlig durchdrungen zu haben, wie Stürmers Ausführungen sehr bald zeigen. Die Essentials seien kein Anlass zur Zensur, meint Stürmer. Schade. Damit ist die erste Frage, die einige auf ihrem Notizzettel hatten, schon beantwortet.

Während Stürmer redet und redet – über UN-Friedenseinsätze, die Zukunft des Euro und den Puritanismus bei Max Weber – werden wir in unseren weichen Ledersofas kleiner und kleiner. Nervöses Geknipse mit den Kugelschreibern bei dem Versuch, all dem zu folgen und eine ebenbürtige Frage zu formulieren. In Stürmers Augen blitzt wohlwollender Tadel, als niemand in der Lage ist, die Herkunft des Totalitarismus-Begriffs zu erklären. “Da müssen Sie sich doch etwas bei denken!” Wir sitzen wie in Schockstarre vor dem sinnierenden Professor, der uns hier en passant eine  – so scheint es – dringende Nachhilfestunde erteilt und dabei auch, “das nur am Rande”, mit einigen journalistischen Plattitüden aufräumt wie der Annahme, dass ein Quantensprung einen wirklich großen Fortschritt bezeichnet. Das Gegenteil ist der Fall.

Nach fünfzig Minuten haben wir genügend Mut gesammelt, in eine winzige Sprechpause einzuhaken. Eine Handvoll Fragen. In wenigen Sätzen zeichnet Stürmer das große Bild, lässt Blitze zucken und Ströme von Blut durch den Roten Salon fließen. Er rät uns, unser Englisch zu polieren und dafür Shakespeare, die Bibel und Alice im Wunderland zu lesen. “Verschwenden Sie Ihre Zeit nicht”, lautet der weise Ratschlag, den wir mit auf den Weg bekommen. Viele Fragen bleiben ungestellt, als das Gespräch zu Ende geht – viel zu früh, hatten wir doch noch so viele Punkte, an denen wir ansetzen wollten. Da bleibt nur die Hoffnung, dass wir uns beim nächsten Studium Generale nicht so sehr von einem großen Namen beeindrucken lassen.

Nina Trentmann

Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Gäste der Akademie, Medienmacher zu Besuch | 5 Kommentare »
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5 Kommentare zu “Keine Angst vor großen Namen!”

  1. mbd

    Waren wir so scheu? Im Gespräch will ich als Journalist doch gar nicht die Antwort auf die Frage nach dem Totalitarismus-Begriff geben. Wenn mich der Gesprächspartner fragt, bin ich auf seine Antwort gespannt.

  2. cru

    “Schockstarre” trifft es ziemlich genau. Aber aller Anfang ist bekanntlich schwer. Und was Totalitarismus ist, wissen wir jetzt. Ansatzweise zumindest.

  3. lobschi

    Wie konzentriert und interessiert wir auf dem Foto aussehen – vorbildlich!

  4. CU

    Auf dem Foto sieht man doch aber einen großen Fragenkatalog… Immer druff…!!!

  5. jen

    Ich dachte auch erst: “Waren wir so scheu?” Dann hab ich mir überlegt, dass ich zwei, drei gute Fragen hatte – und hab ich sie gestellt? Lag aber ganz bestimmt eher am Zeitproblem…

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