Award der Woche für off-the-record
Machen die ZDF-Mainzelmännchen Schleichwerbung für das iPhone? Warum ist die Volkspizza von Dr. Oetker und nicht von Wagner? Und was hat das mit BILD zu tun? Solche Fragen stellen die Blogger von off-the-record.de (otr) – und geben somit ihre Antwort darauf, wie unabhängig Medien heute eigentlich noch sind, ob die Zeitung bald stirbt und was das Gefährliche an Social-Media-Kampagnen ist.

Dabei sind sie mutig wie BILD, hintergründig wie die WELT und amüsant wie Casting-Shows.
Der Bohlen dieses Blogs: Harald Dzubilla. Unter dem bereits aus dem Print bekannten Pseudonym “Spießer Alfons” spießt er Werbung auf, die dumm oder abgekupfert ist, tadelt verlegerisches Geklüngel und echauffiert sich über PR-Wölfe im Journalistenfell.
Mit seiner “Post an Wagner” antwortet er dem BILD-Kolumnisten. Dessen Post an Michael Jackson werde den King of Pop wohl nicht mehr erreichen – “Der ist nämlich tot”, schreibt er Franz Josef Wagner unter anderem. Und dass diese “Botschaft gegen die Aasgeier und Leichenfledderer auf Erden, die aus dem Tod des Michael Jackson möglichst viel Kohle machen wollen” darüber hinaus einen unlauteren Beigeschmack bekomme, wenn BILD zur gleichen Zeit eine Michael-Jackson-CD verkauft.
Man muss nicht immer einer Meinung sein mit Dzubilla. Aber er liefert Hintergründe, bringt starke Argumente, deckt auf und regt zum Nachdenken an. Damit hat das Blog auch etwas Journalistisches, der zweite Blogger, Olaf Kolbrück, ist eigentlich Redakteur. Und damit wären wir am Punkt: Werbung, Web 2.0, Social-Media, PR, Online-Journalismus, die Grenzen verschwimmen und was im Internetzeitalter noch welchen Status hat und welche Bedeutung wird derzeit vielseitig diskutiert. Auch bei otr.
otr ist ein Ableger von Horizont und versteht sich als Blog für Marketing, Werbung und Medien mit Meinungen und Nachrichten zum Geschehen in der Kommunikationsbranche. “Vom Aussterben der Pferde oder: Quo vadis, Print-Leser”, heißt einer der Beiträge, der erklärt, was Pferde und Zeitungen gemein haben. Beides zeichnete einst den Anfang eines Gesellschaftswandels, die PS hin zur mobilen Gesellschaft, der Print-Journalismus hin zur Medien-Gesellschaft. Irgendwann kam beides zusammen und wurde überholt von schnelleren Dingen. Heute sitzen die Menschen in Autos oder Zügen und informieren sich über ihr Handy und das Internet.
Aber: “Der Einsatz von Traktoren hat den legendären Ackergaul arbeitslos gemacht, aber die Pferde als solche haben auch das überlebt”, heißt es auf otr. Auch Print-Lektüre werde es immer geben. “Die Tageszeitungen werden nicht mehr die Nachricht als solche in den Vordergrund stellen, sondern sie werden sie ergänzen durch bessere Hintergrundinformationen, die man nicht im Internet findet. Damit werden sie Exklusiv-Status bekommen. Und bei den Magazinen werden die Vollblüter unter den Titeln überleben, die Rennpferde ebenso wie quirlige Ponys und prächtige Zirkuspferde, wenn sie die Menschen faszinieren, unterhalten und ihnen Freude bereiten.”
Natürlich darf auch jeder User seinen Senf dazu geben bei off-the-record.de. Aber nur zu den Regeln der Blog-”Netiquette”: “Bitte bleibt in den Diskussionen freundlich und sachlich”, “Respektiert die Meinung anderer” und “Rassistische, pornographische, menschenverachtende, verleumderische und beleidigende Kommentare werden gelöscht”, lauten die zum Beispiel. Leicht zu akzeptieren, finde ich.
Loben ist übrigens erlaubt. otr lobt in einem Beitrag das crossmediale und ressortübergreifende Denken von WELT ONLINE: „Welt.de, mir sonst vertraut durch Google-optimierte Überschriften, (…) liefert rund um ein Interview mit dem Dalai Lama ein gelungenes Beispiel, wie sich gute Inhalte auf unterschiedlichen medialen Wegen darstellen lassen“ heißt es da. Und weiter: „Mit Jörg Eigendorf reiste nicht der vielleicht erwartete Kulturredakteur nach Dharamshala, sondern ein für seine zuweilen steile Analysen bekannter Wirtschaftsexperte der ‘Welt’. Und der befragt den Dalai Lama vor seinem Deutschlandbesuch eben nicht nach den üblichen Weihrauchthemen, sondern in Zeiten von Wachstum 2.0 nach Buddhismus, Globalisierung, Marktwirtschaft und Management.”
Hier ein Lob zurück aus der Blauen Gruppe von Axel Springer – mit dem Award der Woche für off-the-record.de.
Sonja Vukovic
Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 2 Kommentare »
Tags: Blogger, Crossmedia, Franz Josef Wagner, Horizont, Spießer Alfons, Web 2.0, Welt Online
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Am 24. Juli 2009 um 13:06 Uhr
Vielen Dank, liebe Sonja, für solch freundliche Worte und Award! Nur der Vergleich mit Bohlen irritiert mich. Bedeutet das nun gut oder schlecht…?
Liebe Grüße!
Harald Dzubilla
Am 29. Juli 2009 um 12:01 Uhr
Lieber Herr Dzubilla,
vermutlich ist das Ansichtssache
Ich jedenfalls halte Besserwisserei für eine produktive Sache, wenn man es wirklich besser weiß. In dem Sinne: der Award der Woche ist eine positive Auszeichnung. Schöne Grüße aus Dalmatien,
Sonja Vukovic