4.8.2009

GASTBLOG: Fragen und Antworten zum DJV-Streit

Im “Was mit Medien”-Team hat uns in den vergangenen zwei Wochen eine Debatte intensiv beschäftigt: Es geht um den digitalen Graben, der offensichtlich durch den DJV geht. Auf der einen Seite: Journalisten, die meinen, herkömmliche Strukturen lassen sich auf das Netz übertragen – auf der anderen Seite Journalisten, die seit 10 Jahren online mit eine anderen Realität leben.

wasmitmedien

Eigentlich müsste es jetzt im Journalismus um ganz andere Themen gehen – aber es ist bezeichnend, dass zu diesem Thema täglich neue Meinungen und Statements auftauchen – eine Diskussion ist wohl weiter überfällig. Um den Einstieg zu erleichtern, habe ich hier die wichtigsten Fragen & Antworten zusammengefasst.

Was war der Auslöser der Debatte?
In dieser Pressemitteilung fordert der DJV ein gemeinsames Vorgehen mit Verlegern und Politik gegen das Meinungsmonopol von Google im Netz.

Warum eine konzertierte Aktion gegen Google?
“Wir sind als DJV der Meinung, weil wir eben auch Journalistinnen und Journalisten als Urheber vertreten, dass wo dieses geistige Eigentum weiterverwertet oder verbreitet wird, im Prinzip eine Lösung gefunden werden muß, um die Urheber zu beteiligen. (…) Inwieweit ist Google inzwischen eine gewisse Marktmacht? Und wie weit muß man darauf gucken, und dass sich hier keine unangemessene Marktmacht zusammenballt!”, so Ulrike Kaiser, stellvertretende Bundesvorsitzende des DJV im Gespräch mit uns.

Ist Google das Hassobjekt deutscher Medien?
Ja, wenn man den Zitaten von Hubert Burda Glauben schenkt, der Google als Killerapplikation bezeichnet. Nein, wenn man Spiegel Online Glauben schenkt: Sie schimpfen auf Google und meinen das Netz.*

Hat Google zu viel Macht?
Das hat auch die SZ gefragt. Michael Konken (DJV-Chef), Sascha Lobo (Internet) und Alexander Dix (Berliner Datenschutzbeauftragter) antworten per Videostatement.

Wie ist der DJV zu diesem Standpunkt gekommen: Hat der Verband seine Online-Experten befragt? Nein, stellt DJV-Onliner-Chef Thomas Mrazek klar.

Als Reaktion hat DJV-Mitglied und Focus Onliner Björn Sievers einen Offenen Brief geschrieben. Was sagt der DJV?
Ulrike Kaiser hat ihm ausführlich geantwortet und diese offene Diskussion ausdrücklich begrüßt.

Als Reaktion hat DJV-Mitglied und Handelsblatt-Reporter Thomas Knüwer öffentlich seinen Austritt erklärt. Was sagt der DJV?
Ulrike Kaiser sagte hierzu bei uns im Interview: “Das sind so harsche Töne, die da inzwischen stattgefunden haben, aber die sind nicht immer ein Ersatz für Argumente. Ich denke, es ist an der Zeit, diese Diskussion zwischen den “Holzjournalisten” und den Onlinern zu versachlichen und mehr miteinander zu reden, als übereinander.”

Sieht der DJV einen digitalen Graben innerhalb der eigenen Reihen?
Ulrike Kaiser sieht, dass die Onliner sich unter-repräsentiert fühlen. Das sei aber ähnlich gewesen, als die ersten Fernsehkollegen in den Verband eintragten.

Was tut der DJV, um die Onliner im Verband für sich zu gewinnen?
Ulrike Kaiser sagt, dass Verband die Onliner durch seine Arbeit überzeugen will: “Wir versuchen zum Beispiel jetzt gerade – und ich denke, da sind wir auf einem guten Weg – die Onliner selbst in die Tarifarbeit mit einzubeziehen.” – Darauf Björn Sievers: “Tatsächlich? Dann chapaeu, im Jahr 13 des Bestehens von zum Beispiel FOCUS Online.”

Könnte jetzt ein Piraten-Verband entstehen?
Thomas Knüwer fragt zwar in seinem Blog-Eintrag, ob man nicht etwas tun müsse und ob eine Erklärung der richtige Schritt wäre, dass das Internet gar nicht so schlim ist – im Interview von Meedia sagte er aber hierzu: “Ich habe keine Ahnung, wohin das alles führen wird. Es gibt aber eine ganze Menge Menschen, auch in Verlagen, die das Internet positiv sehen. Und die sind unzufrieden, wie die aktuelle Diskussion von Verlagen und Verbänden geführt wird. Diese Unzufriedenheit manifestiert sich bisher in einzelnen Beiträgen in Weblogs. Ich würde gerne versuchen, diese Unzufriedenheit zu kanalisieren. Auch die erschreckende Inkompetenz der Politik in Sachen Internet lässt darauf schließen, dass ein wenig Interessensvertretung für das Internet von Nöten wäre.”

Was sagt der DJV?
Ulrike Kaiser: “Ob in Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk oder eben online. Ich denke, die Journalistinnen und Journalisten, die sich als hauptberufliche Journalisten verstehen, die wären gut beraten sich nicht selber auseinander zu dividieren, und dafür kann ich nur appellieren.”

Wo findet die Diskussion statt?
Hauptsächlich bei Twitter und in den Blogs.

To be continued.

Daniel Fiene

* P.S.: Die SpOn-Meinung wurde im DJV-Blog der freien Journalisten im Eintrag “die heile Welt von Spiegel Online” kommentiert. In den Kommentaren distanzieren sich DJV-Amtsträger von der Meinung des Blogeintrags. Für Kritiker ein Zeichen, wie tief der digitale Graben innerhalb des DJVs in Wirklichkeit ist.

Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 6 Kommentare »
Tags: , , , , , ,

Verwandte Artikel

6 Kommentare zu “GASTBLOG: Fragen und Antworten zum DJV-Streit”

  1. DJV reagiert skeptisch auf regionale Nachrichten bei YouTube » Pottblog

    [...] Der Deutsche Journalistenverband (DJV), insbesondere in Form des Vorsitzenden Michael Konken, ist in der jüngsten Zeit nicht gerade verdächtig gewesen, sich in Fragen rund um das Internet, den Online-Journalismus usw. gut auszukennen. Siehe dazu beispielsweise die DJV-Pressemitteilung zur “konzertierten Aktion” (gegen Google) und den daraus resultierenden medienwirksam durchgeführten DJV-Austritt durch Handelsblatt-Reporter Thomas Knüwer oder den Blogbeitrag Kaiser Konken oder die Selbstherrlichkeit im DJV-Bundesverband6. Eine lesenswerte FAQ7-Sammlung von Daniel Fiene zum Thema gibt es im jepblog. [...]

  2. mlü

    Ich zitiere nur die Aufzählung von Frau Kaiser: “Ob in Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk oder eben online.” Oder eben online, das tut weh. So nachgelagert, dass es das eben auch noch gibt. Der Medienkonsum findet mittlerweile zu einem großen Teil online statt und nicht eben auch noch. Ich steige grad ein in die Branche und werd zornig wenn ich sehe, wie die alte Garde ob ihrer Obsession für bedrucktes Papier meine Zukunft aufs Spiel setzt.

  3. AM

    @ mlü

    Sie werden zornig? Cool, da freu ich mich auf den Aufbaukurs! :-) Frau Kaiser sagte übrigens voriges Jahr auf einer Podiumsdiskussion auch den schönen Satz, der Journalismus werde durch das Internet verdrängt. Nett.

  4. STES

    DJV im Kreuzverhör: Na, das nenne ich doch mal eine nonlineare Erzählstruktur. Schade, dass es keine Teaser mit Mouse-Over gibt, die anzeigen, wie die Originale der Verlinkungen aussehen. Wäre doch ein nettes Angebot, wenn ich gleich sehe könnte, ob ein Video, ein Podcast oder ein Text mit Bildern folgt. Das wäre doch mal crossmedial.

  5. cru

    Leider ist die Meinung von Frau Kaiser in vielen Redaktionen aber immer noch vorherrschend, zumindest im Print (beim Fernsehen spielt Crossmedia teilweise eine andere Rolle). Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Es wird wohl noch viel Arbeit vor uns liegen.

  6. n_tre

    Kann meine Kollegen nur unterstützen. Ich habe vielfach den Eindruck, dass der Verband noch nicht in der heutigen Medienrealität angekommen ist.

Einen Kommentar schreiben