Falsche Fährten
Er ist als Querkopf bekannt. Als einer, der gern aneckt. Dinge beim Namen nennt. Mal provozierend, mal pragmatisch. In jedem Fall unterhaltsam.

Buschkowsky (li.) versucht dem Team zu zeigen, wo’s lang geht. (Foto: Haack)
Auf einen wie Heinz Buschkowsky (SPD) freut man sich als Gesprächpartner. Denn der Bezirksbürgermeister von Neukölln hält nicht viel von der diplomatischen Verbindlichkeit vieler Politiker. Dachte ich zumindest.
Der Abend unseres Studium Generales startet viel versprechend. Heinz Buschkowsky hat es sich im tiefen Ledersessel bequem gemacht, nippt an seiner Cola Light, blickt in erwartungsvolle Gesichter. Der Rote Salon wird zu seiner Bühne. Licht aus, Spot an. Die Buschkowsky-Show kann beginnen. Das Publikum wird nicht enttäuscht. Im Sekundentakt fallen sie, jene Sorte Sprüche, die ihn deutschlandweit bekannt gemacht haben. Er redet über Neukölln, seine Heimat, die mehr für ihn ist als die Rütli-Schule. Über verfehlte Integrationspolitik und Multikulti. Über Parteibosse in ihren Elfenbeintürmchen. Über Parallelgesellschaften und Bildungsnotstände. Und über ihn, den Kommunalpolitiker, das Frontschwein an der Basis.
Ein „alter Trapper“ sei er und tritt den Beweis an: Gekonnt legt er Fährten – und genauso gut ist er im Spuren verwischen. So fällt es schwer, Buschkowskys Argumentation zu folgen. Erstes Beispiel: die Medien. Neukölln sei häufig Schlagzeilenlieferant unter der Überschrift „Sex and Crime sells“. Zu oft werde nur über das Negative aus seinem Bezirk berichtet. Boulevard sei immer auch ein Stück Voyeurismus, nach dem Motto „Mutti, wie gut, dass wir da nicht wohnen“, sagt er. Die Rütli-Schule interessiere nicht mehr, seit sie zum Vorbild für ein ganzheitliches Betreuungsangebot geworden ist. Gleichzeitig, so räumt Buschkowsky aber ein, nutze er die Medien, und sie hätten ihn auch immer wieder unterstützt.
Die Presse – sie ist vermutlich seine wirkungsvollste Waffe. „Es ist meine Aufgabe, auf die Probleme hier aufmerksam zu machen und ich brauche dafür Menschen, die sie publizieren.“ Sein Interview kürzlich im Stern mit Rapper Bushido sei ein ideales Transportmittel gewesen. „Mit den Grauen Panthern erreiche ich die Bevölkerung in Neukölln-Nord nicht, da ist nun einmal Bushido Trumpf“, sagt er.
Auch auf Fragen über seine politische Machtfülle gibt Heinz Buschkowsky widersprüchliche Antworten. Nein, in die Bundespolitik habe es ihn nie gezogen. „Dort kennt man das wirkliche Leben nicht, sieht die Dinge nur mit den Maßstäben des eigenen Elfenbeinturms.“ Er möchte lieber nah dran bleiben an der Basis. Als Kommunalpolitiker kann man schon mal „den Weihnachtsmann spielen und konkrete Alltagsprobleme vor Ort abräumen.“
“Kommunalpolitik macht süchtig”, gesteht Heinz Buschkowsky (Foto: Haack)
Dann aber gefragt, ob es nicht auch seine Verantwortung sei, wie sich die Dinge in Neukölln in den vergangenen Jahren verschlechtert hätten, hebt Buschkowsky kopfschüttelnd die Hände: „Da verkennen Sie die Möglichkeiten der Bezirkspolitik. Die entscheidenden Stellschrauben wie Klassengrößen, Lehreranzahl, Beitragsfreiheit für Kitas und vor allem die Ressourcenausstattung liegen auf der Landesebene.“ Fast alle wirklich strukturell eingreifenden Dinge lägen außerhalb seiner Befugnisse. Deshalb ist die öffentliche Kommunikation für ihn so wichtig. Für den Rest muss der Bund ran. Wie jeder gute Trapper versucht Buschkowsky seine Verfolger abzuhängen, wenn es brenzlig wird. Einfach falsche Fährten legen.
Viele Fragezeichen bleiben, bis zum Schluss. Nach seiner heftigsten Niederlage und dem größten Erfolg wird er gefragt. „Ich habe die Integrationspolitik und das Problembewusstsein nicht entscheidend weiterbringen können“, das sei eine Niederlage, gesteht er. Und der Erfolg? „Ich habe dazu beigetragen, dass auch Realismus in der Integrationspolitik zu einem Thema geworden ist.“
Es war ein spannender, kurzweiliger, unterhaltsamer Abend. Aber es gab viele erwartbare, unpräzise Antworten. Viel zu erwartbar für einen wie Heinz Buschkowsky. Der Trapper von Neukölln hat sich bei uns auf die Spur des diplomatischen Politikers begeben. Schade eigentlich.
Caroline Rudelt
Autor: student Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Gäste der Akademie | Keine Kommentare »
Tags: Integration, Journalistenschüler, Multikulti, Neukölln, Politik, Studium generale, Team 6
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