2.10.2009

Besser als Plasberg

Es war die Nachfrage eines italienischen Journalisten, die 89 die Mauer öffnete. Es war die Bitte eines britischen Kollegen, die Westerwelle nun auf dem Weg ins Auswärtige Amt stolpern ließ. Fragen ausländische Journalisten besser? Zumindest fragen sie sehr gut. Ros Atkins zum Beispiel, der den Award dieser Woche verdient.


http://www.bbc.co.uk

Ursprünglich kam der Mann aus dem Sportjournalismus, hatte sich in der Welt rumgetrieben zwischen den äußeren Hybriden und dem Kap der guten Hoffnung, sich als DJ in London verdingt und bei British Airways das in-flight radio beschallt. Das muss man sich mal vorstellen: Das wäre so als hätte Michael Schumacher als Fahrstuhlführer im Fernsehturm angefangen ehe man ihn in der Formel 1 Autos fahren ließ. So ähnlich muss das bei Ros Atkins gewesen sein, dem sympatischen Kumpeltyp aus dem romantischen Cornwall in Südengland: Als er 2001 endlich bei der BBC landete, fing er auch dort erst als producer an. Heute ist er Chefmoderator von World Have Your Say (WHYS) und Allzweckwaffe im modernen Talkradio.

WHYS ist die interaktive Nachrichtenshow von BBC World Service. Sie wird jeden Werktag ab 19 Uhr (MEZ) weltweit ausgestrahlt und beschäftigt sich monothematisch mit aktuellen Fragen. Live und mit sehr aktiver Beteiligung der Hörer, die anrufen, mailen oder per sms und internetblog die Diskussionsthemen bestimmen. Im Bayeriaschen Fernsehen nennt man das „Jetzt red i“ und versetzt es mit Lokalkolorit und Bierschwaden. Bei der BBC bedient man das global village und achtet mehr auf Substanz.

Mitten drin: Ros Atkins. Er redet wie ein Maschinengewehr, jettet zur Livesendung von Kontinent zu Kontinent und schreibt nebenher für den Guardian. Was ihn auszeichnet, ist seine Art der Gesprächsführung, was ihn unverwechselbar macht, ist seine Mischung aus britischer Höflichkeit, angelsächsischem Fakten-Journalismus und entwaffnender Schlagfertigkeit.

Geduldig und behutsam holt er etwa die junge Sudanesin ins Gespräch, die mit schlechter Telefonleitung und gebrochenem Englisch den Rechten der Frau Gehör verschaffen will. Höflich, aber scharf fällt er dem US-Redneck ins Wort, der sein Plädoyer für die Todesstrafe on air inszenieren will. Es ist Gesprächsführung at it’s best: Schnell und präzise; immer respektvoll gegen die Menschen und immer hart in der Sache; exzellent vorbereitet und temporeich präsentiert. So wie Plasberg sein sollte. – In Deutschland ist WHYS übrigens auch über UKW zu empfangen, aber nicht so leicht zu kopieren. Zumindest in diesem Format sind die Engländer eben mal wieder schlicht besser.

Von Rudolf Porsch

Autor: rporsch Kategorie: A bis Z | 1 Kommentar »
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Ein Kommentar zu “Besser als Plasberg”

  1. Sebastian

    die Sendung gibt’s übrigens auch im praktischen Podcast-Format: http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewPodcast?id=262251771

    So braucht man nicht am Radio kleben, verpasste Sendungen lassen sich am PC oder iPod nachhören.

    Plasberg sollte man zu Gute halten, dass er es mit seinen störrischen und selbstgefälligen Gästen (oftmals Politiker, die nur ihr Parteiprogramm abspulen) auch nicht gerade leicht hat. Vielen Deutschen fehlt die angelsächsische Diskussionskultur, auch mal auf Andere einzugehen und nicht nur verpönt den Kopf zu schütteln, wenn man mal gerade nicht das Wort hat.

    Ich bin mir nicht sicher, ob Atkins beim TV-Duell die Merkel geknackt hätte. Ein guter Dialog setzt Gesprächsbereitschaft von beiden Seiten voraus.

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