GASTBLOG: Die TV-Revolution
Wer braucht künftig eigentlich noch einen Fernseher? Apples iTunes soll, zumindest in den USA, schon bald aufgerüstet werden zur vollwertigen Multimedia-Station – indem es, ähnlich wie schon jetzt mit der Radiofunktion, Livestreams von TV-Programmen sendet. Gegen Gebühr, versteht sich.
Man erinnert sich: Als Apple begann, in die Musikbranche einzusteigen, hat das damals auch niemand weiter ernst genommen. Schließlich, so dachte man damals, wolle der Kunde ja unbedingt CD-Hüllen und schicke Inlets in der Hand halten. Und er wolle zudem ein Album in seinem gesamten Kontext genießen, nicht nur einzelne Stücke.
Ein fataler Irrtum, wie man heute weiß. Die CD ist tot und die Musikbranche dürfte sich bis zum heutigen Tag bitter ärgern, Apple als Konkurrenten schlichtweg übersehen zu haben (in diesem Kontext könnte man auch die Handy-Hersteller mal fragen, aber das nur nebenbei.)
Fernsehen, bewegtes Bild – all das könnte ganz schnell jetzt ebenfalls zur Apple-Domäne werden. Weil iTunes demnach künftig alles wäre, was Fernseher und TV-Sender schon lange sein wollten: Live-TV, Video-on-demand-Portal, kostenpflichtiges und kostenfreies Material auf einer Plattform, leicht zu installieren, mühelos zu bedienen (auch bei den Bezahlvorgängen). Fernsehen nimmt aber zunehmend auch eine Entwicklung, die man sich seit Jahren hätte denken können, die aber von Fernsehleuten immer wieder gerne negiert wird. “Fernsehen” heißt künftig nichts anderes, als dass der Fernseher nur noch ein Abspielkanal von vielen ist. Er stirbt deswegen noch nicht, verliert aber erheblich an Bedeutung.
Man kommt in diesem Zusammenhang dann relativ schnell auf ein Thema, über das die Branche aktuell viel und gerne redet: Wie bezahlt und finanziert man Medien künftig, noch dazu in einem Zeitalter, in dem es vermeintlich alles kostenlos gibt und der Nutzer nicht gewillt ist, auch nur einen Euro für Inhalte auszugeben? Man sieht die Chancen, die diese fragmentierten Märkte bieten, sehr schön am Beispiel des heute Abend wieder gestarteteten grandiosen “Stromberg” auf Pro 7 – weil dieses Beispiel schön belegt, dass der Vetrieb auf vielen Kanälen und die anschließende Refinanzierung gar kein Widerspruch sein müssen.
Also, den Bernd Stromberg gab es heute Abend erstmals im Free-TV, gleichzeitig ist die DVD mit allen (!!) Folgen der neuen Staffel bereits im Verkauf (den Zuschauerzahlen tat dies übrigens keinerlei Abbruch, gestern abend sahen so viele zu wie noch nie.) Gleichzeitig gibt es “Stromberg” bei “Maxdome” auf “Myspass” und zum (kostenpflichtigen) Download bei ebendiesem iTunes.
Und ich würde fast jede darauf halten: Diese “Stromberg”-Staffel wird die erfolgreichste aller Zeiten. Nicht obwohl, sondern weil sie auf allen Kanälen omnipräsent ist.
Christian Jakubetz
Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »
Tags: Apple, Christian Jakubetz, Download, Fernsehen, Gastblog, Handy, iTunes, Radio, Stromberg, TV
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Am 4. November 2009 um 14:34 Uhr
Den Einstiegssatz finde ich etwas unglücklich, den Rest unterschreibe ich. Die Antwort auf diesen (“Wer braucht künftig eigentlich noch einen Fernseher?) ist: Alle. Alle brauchen mindestens Fernseher, wenn nicht gar einen Beamer.
An diesen wird dann allerhand angeschlossen, aber eben nicht mehr zwingend ein DVB-T, DVB-C, DVB-S-Receiver oder gar eine Antenne für Rundfunkempfang. Statt dessen eine beliebige Kombination aus z.B. folgenden Geräten: Xbox, BlueRay-Player, Playstation, Maxdome-Box, T-Entertain, Apple TV. Damit kann so viel schöner und besser konsumiert werden.
Die Frage müsste lauten: Wer braucht noch Sender, die einzig und allein serielles Programm verbreiten? (Die ist aber natürlich nicht so griffig.)