4.12.2009

Award der Woche für Antonia Rados

Der Spiegel titelt diese Woche “Wann dürfen Deutsche töten? Die Bundeswehr, Afghanistan und der Krieg im 21.Jahrhundert.” Das ist nur ein Beispiel für die aktuelle Berichterstattung zum Krieg in Afghanistan – der bis vor kurzem noch keiner sein durfte. Oft geht es nur um politische Zusammenhänge und Technik. Es werden immer nur Gruppen genannt- die Taliban, die Bundeswehr, die Amerikaner, die Zivilisten. Sie werden nicht personalisiert, es gibt keine Gesichter und keine Individuen.

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Ein Gesicht gab es in der vergangen Woche zum Krieg in Afghanistan: das von Franz Josef Jung – ehemaliger Verteidigungsminister. Doch das wohl eher unfreiwillig. Und während Jung noch bis zum Schluss versucht hat, sein Gesicht zu wahren, gibt es eine Frau, der es gelingt Gesichter des Krieges, besonders die der Opfer, zu zeigen – Antonia Rados, RTL-Kriegsreporterin.

Am Sonntagabend lief ihre Reportage “Frauen in Angst” im Fernsehen. Rados traf in Afghanistan auf verschiedene Menschen, die unter dem Taliban-Regime leiden. In ihrer Reportage zeigt sie auf einfühlsame Art, wie unwürdig besonders Frauen in Afghanistan leben müssen. Rados sagt: “Die Taliban führen einen Krieg besonders erfolgreich: den gegen die Frauen.” Sie werden bedroht, misshandelt, exekutiert.

Um genau dies abzubilden, begibt sich Antonia Rados selbst in Gefahr. So begleitet sie eine afghanische Angeordnete nach Kandahar, die Hochburg der Taliban im Süden des Landes.

Ohne Polizeischutz, denn die Afghanin vertraut in ihrem Land niemandem mehr. Gemeinsam besuchen sie in Kandahar eine der letzten Mädchenschulen. Nur wenige Minuten können sie sich an einem Ort aufhalten, sonst könnten sie von den Taliban erkannt werden.

Antonia Rados ist nur wenige Tage auf der Flucht vor den radikalen Islamisten, für die mutige Abgeordnete und zahlreiche andere Frauen ist es Alltag.

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(Foto: RTL)

Antonia Rados verzichtet in ihrer Reportage oft auf Text, lässt Bilder sprechen. Diese sind häufig brutal und grausam. Beim Zuschauer macht sich Entsetzten, aber auch Bewunderung breit. Für die mutigen Afghanischen Frauen, die in einem brutalen und menschenunwürdigen Krieg versuchen ihr Leben zu meistern, auch wenn sie Familienangehörige verloren haben und in ständiger Angst vor dem Terror der Taliban leben.

„Frauen in Angst“ ist nur ein Beispiel für die Arbeit von Antonia Rados. Seit Jahren ist die heute 56-Jährige als Kriegs-& Krisenreporterin im Einsatz. Die studierte Politologin war schon in Bosnien-Herzegowina, Chile, Südafrika, Somalia, Iran, Pakistan und Afghanistan.

Doch Mitleid will Antonia Rados nicht erzeugen, sie sagt: “Bemitleidungen von Journalisten sollten sich in Grenzen halten.”

Rados gelingt es, anders als vielen Kollegen, den Krieg und Missstände aus Sicht der Opfer darzustellen und somit auch die Zuschauer zu sensibilisieren.

Antonia Rados- eine Frau, die für ihren Mut und ihre großartige journalistische Arbeit nicht nur den Award der Woche verdient hat, sondern auch meine Bewunderung.

Christin Ilgner

Autor: student Kategorie: A bis Z | 1 Kommentar »
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Ein Kommentar zu “Award der Woche für Antonia Rados”

  1. makrele

    Ich teile die begeisterte Meinung über den Rados-Afghanistan-Film überhaupt nicht. Normalerweise schaue ich selten RTL, hatte mir ein Higlight dort erhofft. Aber ich fand den Film enttäuschend – Rados hat nur abgebildet, keinen Hintergrund beleuchtet, keine Analyse, keine Einordnung geliefert. Auch Fakten fehlten völlig – ich musste ihr einfach glauben, dass die genannten Frauen verfolgt werden (was ich durchaus prinzipiell glaube, natürlich, aber in diesem Film war das nicht nachvollziehbar). Mein Fazit: Frau RAdos hat sich, ihr Team und die genannten Frauen für einen langweiligen, inhaltsfreien Film in Gefahr gebracht. Das ist kein verantwortungsbewusster Journalismus, sondern passt leider wieder ins RTL-Bild. Kein Wunder, dass sie beim ZDF nicht bleiben mochte. Die sind mit solcher Oberflächlichkeit (hoffentlich) nicht zufrieden.

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