18.12.2009

Award der Woche für Jürgen Döschner

Macht ein Journalist seinen Job gut, nimmt er durch seine Berichterstattung auf die öffentliche Diskussion und Meinungsbildung Einfluss. Weil der WDR-Hörfunkjournalist Jürgen Döschner einen guten Job gemacht hat, öffnete der Umweltausschuss des Bundestags am Mittwoch [pdf] ein Fass – mit radioaktivem Inhalt.

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Vor einigen Monaten war Döschner auf eine Meldung über neue EU-Richtlinien für den Transport von radioaktivem Abfall gestoßen, unter anderem aus der Öl- und Gasindustrie. Das ließ den Energie-Experten aufhorchen: “In den fast acht Jahren, die ich mich mit Öl und Gas beschäftige, habe ich noch nie etwas von radioaktiven Rückständen gehört.” Döschner begann mit Recherchen.

In seinem Feature “Strahlende Ölquellen” deckte er einen weltweiten Skandal auf.: Die Öl- und Gasindustrie produziert jährlich Millionen Tonnen radioaktiven Müll, und das bislang fast unbemerkt vor der Öffentlichkeit. Für eine sichere Entsorgung eines Großteils der Abfälle gibt es keinen Nachweis.

Mit der Hilfe eines Mitarbeiters einer Förderanlage im Emsland konnte sich Döschner selbst von der unverantwortlichen Vorgehensweise des Betreibers ein Bild machen: Er entdeckte kontaminierte Rohre auf dem Gelände.

Valide Zahlen über die Menge gibt es nicht. Der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung spricht von 300 Tonnen radioaktiven Abfall pro Jahr in Deutschland. Laut Döschners Recherchen sind es sogar ein- bis zweitausend Tonnen.

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(Foto: privat)

Interview mit Jürgen Döschner über seine Recherchen (Quelle: WDR 5, Auszug)

Der Branchenverband hält die kontaminierten Rückstände für ungefährlich. Mit einer 700 Mal höheren Belastung als bei normalem Erdboden beurteilt Döschner diese Aussage als schlichtweg falsch. Momentan liegt die Verantwortung allein in der Hand der Industrie. Die Entsorgung des Materials würde Milliarden verschlingen. In den jährlichen Strahlenschutzberichten der Bundesregierung tauchen die Abfälle nicht einmal auf.

Die radioaktiven Substanzen gelangen während der Förderung mit dem sogenannten Prozesswasser aus dem Erdinnern an die Oberfläche. Es handelt sich unter anderem um Radium 226, das hochgradig giftig ist. Schon kleinste Mengen können Knochenkrebs verursachen.

Die Bundesregierung zeigte sich im Umweltausschuss am Mittwoch uninformiert. “Wir waren überrascht, wie ahnungslos eine Regierung sein kann”, sagte ein Mitglied gegenüber Döschner. An weiteren Beiträgen und Sendungen zum Thema arbeitet der Hörfunkjournalist bereits. Für die vorbildliche Ausübung der vierten Gewalt im Staate und seine Berichterstattung “Strahlende Ölquellen” verleihe ich Jürgen Döschner den Award der Woche.

Zur Person
Jürgen Döschner wurde 1957 in Duisburg geboren. Seit 1984 arbeitet er für den WDR-Hörfunk – unter anderem in der Wirtschaftredaktion. 1997 bis 2002 war er Leiter des ARD-Hörfunkstudios Moskau. Für sein Feature “Fire and Forget” wurde er 2008 mit dem zweiten Preis des Otto Brenner Preises ausgezeichnet.

Jasmin Henning

Autor: student Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »
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Ein Kommentar zu “Award der Woche für Jürgen Döschner”

  1. mbd

    Zunächst so langweilig, der Anstoß der Recherche. Aber doch so wichtig das Ergebnis. Glückwunsch!

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