4.3.2010

Prügel für Feuilletonisten

Spot an, Auftritt Regina Ziegler. Im roten Pelzmantel betritt die Grand Dame der deutschen Filmproduktion den Roten Salon der Axel-Springer-Akademie: “Ich bin gespannt, was ihr so wissen wollt.” Dabei war die 66-Jährige nicht immer  so nett zu Journalisten.

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Regina Ziegler mit Solveig Rathenow und Michael Bee von Team 7 (Foto: Laura Gehrmann)

Die Ansage ist klar: Langweilt mich bitte nicht! Regina Ziegler streift den Pelz ab, den ein Assistent gerade noch auffangen kann, blickt gut gelaunt in die Runde, der Aufmerksamkeit ihres Publikums gewiss: Die Show kann beginnen!

“Ich habe meine Firma mit 29 Jahren gegründet – wenn ihr euch beeilt, schafft ihr das auch noch“, sagt die 66-Jährige und bricht das Eis mit einem tiefen, verrauchten Lachen. Also lauschen wir die nächsten zwanzig Minuten der anekdotenreichen Schilderung ihres Werdegangs: Fürs Jurastudium nach Berlin gekommen, dieses schnell abgebrochen, weil das Nachtleben interessanter war, stattdessen Jobben beim Sender Freies Berlin, dann der Entschluss, die eigene Filmproduktion zu starten; das Geld für den ersten Film (“Ich dacht, ich wäre tot”) pumpt sie von Freunden – und kann es nur zurückzahlen, weil sie für das Erstlingswerk den Bundesfilmpreis erhält.

“So, und was wollt ihr noch wissen?”, endet sie abrupt ihre Vorstellung. Wir sollen ja Fragen stellen! Wie wird man Deutschlands erfolgreichste Filmproduzentin? Manch einer halte sie für wahnsinnig, gibt sich Regina Ziegler überzeugt. Götz George zum Beispiel, der finde dass sie sich für eine Produzentin zu viel auf dem Set herumtreibt. Aber genau darin liege das Geheimnis ihres Erfolgs: “Ich habe mich nie verbiegen lassen und bin immer meinen Visionen gefolgt, egal was Andere gesagt haben.”

Als sie 1973 anfing, war die Filmbranche reine Männersache. “Da besteht nur, wer durch Leistung überzeugt.” Regina Ziegler hat sich nicht abwimmeln lassen, klopft im Zweifel ein drittes, viertes oder fünftes Mal an Türen, um Gelder für den nächsten Film einzuwerben. Heute arbeiten rund vierzig Frauen und zwei Männer für die ‘Regina Ziegler Filmproduktion’. Eine bewusste Absage an die Machowelt? “Gar nicht. Ich arbeite einfach gern mit Frauen zusammen: Die Kommunikation untereinander klappt gut und am Ende geht es doch um das bestmögliche Ergebnis.”

Regina Ziegler gibt freimütig zu, dass sie nicht gut mit Kritik umgehen kann: “Früher habe ich Feuilletonisten schon mal Schläge angedroht, wenn sie meine Produktionen verrissen haben.” Heute sei sie milder. Vielleicht hat sie aber auch nur weniger Gelegenheit, sich an Kritik abzuarbeiten: Für das Doku-Drama “Die Wölfe” (ZDF) erhielt sie im vergangenen Jahr den ‘International Emmy Award’. “Diese Auszeichnung öffnet so viele Türen – und Geldbörsen.” Ganz besonders stolz ist sie auf den Preis, weil er von einer anonymen Jury verliehen wurde: “Wisst ihr, normalerweise wird doch gemauschelt und die Sieger stehen vorher schon fest.” Darüber würden wir gerne mehr erfahren und haken nach. Vergebens. Die Dame hüllt sich in Schweigen und in ihren Pelzmantel: Die Zeit ist abgelaufen.

“Danke, Sie waren ein gutes Publikum”, lächelt Königin Regina zum Abschluss und eigentlich fehlt nur noch, dass sie sich verbeugt. Wir spenden begeistert Applaus: Auch wenn dieser Abend kein Lehrstück in harter Interviewtechnik war, so haben wir doch einen exklusiven Einblick in die Filmwelt erhalten – und waren zweifelsohne bestens unterhalten.

Silke Mülherr

Autor: student Kategorie: A bis Z, Gäste der Akademie | Keine Kommentare »
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