2000 mal berührt
Ein großer Tag im Leben des Kolumnisten Franz Josef Wagner: Heute erscheint sein 2000. Brief in BILD. 2000 mal große Gefühle, maßlose Unverschämtheiten, kluge Gedanken oder pure Albernheiten. 2000 mal Lob oder Anklage oder Mitleid oder Spott. Wie auch immer man zu FJW steht, eines ist er nie: langweilig. Die Auseinandersetzung mit ihm – meist ein Vergnügen. Und Herausforderung.

Einsamer Wolf? “Bin ich überhaupt nicht!” Erkenntnisse von und mit Franz Josef Wagner
im roten Salon der Akademie.
Das war auch die Erfahrung der Journalistenschüler von Team 7 der Axel Springer Akademie, die Franz Josef Wagner jetzt einen Abend lang für sich hatten. Hier schreibt einer aus dem Team an Wagner, was ihm nach dem Besuch durch den Kopf gegangen ist.
Lieber Franz Josef Wagner,
Sie waren zu Gast bei uns, Team 7 der Axel Springer Akademie. Hier lernen wir, wie man rechechiert, Interviews führt, Aufmacher schreibt. Sie müssen nichts mehr lernen. Sie sind ein Star, 12 Millionen Menschen lesen jeden Tag Ihre Kolumne. Man diskutiert über Sie in der Gosse und auf dem Golfplatz. Darauf sind Sie stolz. Wir sind Journalistenschüler, über uns diskutiert niemand. Als ich noch in die Windeln machte, waren Sie schon Chef von “Bunte”. Sie könnten mein Opa sein. Vor diesem Abend habe ich nicht zu Ihren Jüngern gehört. Dann haben Sie mit uns gesprochen. Übers Blattmachen, Ihr Leben, Gott. Jeden Sonntag gehen Sie in die Kirche und beten für eine bessere Welt.
Als Sie noch Chef waren, beschimpften Sie manches Mal Ihre Mitarbeiter. Aber Sie stehen dazu. Sie sagen: “Sicher ist mir mal das eine oder andere Wort rausgeschlüpft.” Entweder man hasst oder man liebt Sie. Viele Dünnhäutige würden Ihnen gern mal in die Fresse hauen. Ihnen ist das egal. Sie sagen: “Diese Anfeindungen machen mir nichts aus. Ich würde selbst dann nicht aufhören, wenn man mir eine Insel schenkte. Was sollte ich da? Mit Palmen reden?”
Sie erzählen uns, dass Sie ein Aufzugsmensch seien. Mal hoch, mal runter. Im Moment sind sie oben. So sehen Sie das. Ich finde nicht alles gut, was Sie machen. Ich hätte Eva Herman nicht als dumme Kuh bezeichnet. Ich finde es verkehrt, wenn Sie Schülern raten: “Schwänzt die Schule, lernt Eichelhäher von Eulen zu unterscheiden.” Nicht jeder weiß, was Sie meinen. Aber Sie beweisen Tugenden, die ich bei vielen Menschen vermisse: Ehrlichkeit, Direktheit, Furchtlosigkeit, Kritikfähigkeit. Sie sind nie langweilig. Sie sind ein Träumer. Sie sind anders. Ich frage mich: Was ist an uns anders?
Herzlichst, Tim Röhn
Autor: mtspahl Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Gäste der Akademie | Keine Kommentare »
Tags: Franz Josef Wagner, Journalistenschüler, Team 7
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