11.3.2010

Ebelings Nachrichtensperre

Mal ganz ehrlich: Es reicht. Vielleicht ist es die Enttäuschung, dass mein Vorstandschef gestern N24 endgültig ad acta gelegt hat. Vielleicht hat ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling auch einfach punktgenau den Punkt getroffen, an dem der Spaß ein Loch kriegt. Jedenfalls hat Ebeling jetzt in seltener Deutlichkeit formuliert:

“Auch wenn ich mehr Geld hätte, würde ich es nicht für mehr Nachrichten ausgeben.”

Stattdessen lieber mehr Fiction (= Benno Fürmann und Heino Ferch rund um die Uhr), denn Nachrichten seien ein Zuschussgeschäft. Sagt der Mann, der vorher als CEO Produkte wie Voltaren (Slogan: “wieder Freude an Bewegung”) verantwortet hat, und der den Unterschied zwischen Medien- und Pharmabranche offensichtlich lockerer nimmt als ich.

Im Gegensatz zu Voltaren und Fenistil stehen ProSieben und Sat.1 nämlich unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes. Jenes ProSieben, das unter dem Anchorman Wolfgang Klein Ende der 90er-Jahre eine der besten Nachrichtensendungen produzierte, die deutsches Privatfernsehen bisher hervorgebracht hat (sieht man einmal vom ebenfalls großartigen Format “Weltvox” mit Wibke Bruhns ab). Jenes Sat.1, dessen Anchorman Peter Limbourg noch vergangenes Jahr ein geradezu jungenhaftes Grinsen aufsetzte, wenn er erzählte, dass die Sat.1-Nachrichten bei den Quoten teilweise schon vor der beamtet-bräsigen Tagesschau lägen. (Das war so etwas wie journalistischer Wettbewerb, wow.)

Keine Frage: Was die ProSiebenSat.1-Sender (N24 inklusive) im Moment newstechnisch abliefern, ist kein Aushängeschild für den Fernsehjournalismus. Trotzdem wird mir bange, wenn die Nachrichtenredaktionen nur noch als Kostenstelle laufen. Private Fernsehsender werden linzenziert, zum Vollprogramm gehören Nachrichten.

Those were the days – Promo für die ehemaligen VOX-Hauptnachrichten.

Vor ein paar Wochen schrieb Walter Isaacson in TIME: “During the past few months, the crisis in journalism has reached meltdown proportions.”

Thomas Ebeling hat die Temperatur mit seiner Wortmeldung gewaltig nach oben getrieben.

Ps.: Notiz für intern: Wollen wir in einem der nächsten TV-Workshops ne Nachrichtensendung produzieren? Einfach mal zeigen, wie sowas geht? Und dann mit dem CEO über N24 sprechen? ;-)

Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 2 Kommentare »
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2 Kommentare zu “Ebelings Nachrichtensperre”

  1. mts

    Genau, einfach mal zeigen, wie sowas geht! Ist doch eigentlich gar nicht so schwer. Die Sendung meine ich. Den CEO überreden vielleicht etwas schwerer ;-)

  2. AM

    @ mts:

    Das teilen wir auf. Ich sorge für die Sendung, DU überzeugst den CEO. Setze da voll auf Dich.

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