EXKLUSIV: Lukas Kircher über iPad, Design und Journalismus
Das Ende der Maus. Das iPad wird.
In den Augen der Verleger und Chefredakteure flackert so ein Leuchten, wenn es um Apples neuesten Streich, das iPad, geht. Jahrelang sind ihre Inhalte von Google-Optimierern, Monetarisierungstheoretikern und Content-Wiederverwertern als Füllmasse zwischen Anzeigen gequält worden. Irgendwie war das kein Journalismus. Nun mischt sich unter die, auf der Erfahrung mit dem Internet-Hype gründende Skepsis der Publizisten immer stärker die Hoffnung, mal wieder ordentliche journalistische Produkte für Geld verkaufen zu können. Innovative Premium-Produkte.

Ich glaube, diese Hoffnung ist begründet.
Wir kreuzen gerade das abgeschlossene Leseerlebnis und den Tiefgang einer gedruckten Zeitung mit der Aktualität und der Interaktion des Internets. Jeden Tag, den wir mit der Konzeption von Anwendungen für das iPad verbringen dürfen, verstärkt den Eindruck: Mann, das macht echt wieder Spass!
Das iPad ist die perfekte Plattform für Journalismus. Ein Quantensprung in der Möglichkeit, Inhalte einfach und intuitiv zugänglich und verständlich zu machen. Ein Computer ohne Computer. Der Anfang vom Ende der Maus, des Trackpads, der Pfeil- und Funktionstasten, dieser ganzen Armada an umständlichen Prothesen, die immer auch ein bisschen Ausdruck der Komplexität und Sperrigkeit von Computern waren. An die Stelle von pseudo-effizientem Klicken durch die Untermenüs einer Druckertreiber-Installation tritt das aufregende, explorative Wühlen in Inhalten mit unseren Händen, das wir aus unserer Kindheit kennen.
“Exploratives Wühlen”
Das iPad und seine Nachfolger werden viel verändern. Die Art und Weise wie wir lernen – e-learning ohne geografische oder zeitliche Beschränkung, eine Universität zum Mitnehmen. Brettspiele – endlich “Siedler von Catan” spielen ohne das nervige Aufstellen. Produktkommunikation – der Katalog der Zukunft zeigt mir bereits im Geschäft wie mein neues Wohnzimmer mit rotem Stoff auf der Couch aussieht. Bücher – interaktive Bücher verbinden Lesen mit Spielen. Sie werden leise aber nachhaltig viele der komplizierten und anfälligen PCs zu Hause verdrängen.

Die Frage, die sich ganz konkret für uns stellt, ist, wie wir als Storyteller am Besten auf die neue Multitouch-Benutzeroberfläche reagieren. Derzeit wird in den Verlagshäusern im Bezug auf das iPad viel über generelle Benutzerführung (Print- oder Internet-Metaphern), Distributionsstrategie (mit oder gegen Apple) und technische Feinheiten gesprochen. Die wenigsten überlegen sich schon, was dieses Gerät für Content und Storytelling bedeutet. Es geht nicht nur darum, welche bestehenden Inhalte in so ein Gerät gegossen werden, sondern wie man völlig neuen Wahrnehmungsmodalitäten gerecht werden kann. Hier bietet sich für uns die Möglichkeit, schneller, besser, eindringlicher zu erklären, worum es bei einer Sache geht.
Der Leser wird ein Thema zunächst scannen und dann nach freiem Ermessen interessante Details antippen, zoomen, wegschieben, durchblättern oder bündeln – und in immer abenteuerlichere Tiefen vordringen. Die technischen Möglichkeiten werden das Feld für neue journalistische Erzählformen öffnen. Wir nennen das “Hybrid-Journalismus”, eine Erzählform, bei der Struktur und Dramaturgie der Erzählung gleichermaßen graphisch und textuell ablaufen.
Ein bisschen wie die Mischung aus Fernsehen, Print-Journalismus und einem feinen Computerspiel.

Hier haben wir die Chance, Journalismus auch digital wieder ein bisschen “magisch” zu machen. Das ist die Rückkehr der Kreativen an die Spitze der digitalen Wertschöpfung, die Ablöse des Primats der “Suchmaschinenoptimierer”.
Können wir Inhalte in aufregendem Design, intelligent, hilfreich und unverzichtbar für Leser machen? Dann können wir es auch verkaufen.

Autor Lukas Kircher ist Editorial Designer und Gründer sowie Geschäftsführender Gesellschafter der Medienagentur KircherBurkhardt. Er entwarf unter anderem das Design unseres Ausbildungspartners WELT KOMPAKT.
Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Ausbildung, Zukunft des Journalismus | 14 Kommentare »
Tags: Apple, Ausbildung, Google, interaktiv, iPad, KircherBurkhardt, Lukas Kircher, Storytelling, Suchmaschine, Welt Kompakt
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Am 7. April 2010 um 11:43 Uhr
[...] sieht auch der Zeitungsdesigner Lukas Kirchner so in einem lesenswerten Beitrag für das Blog der Axel-Springer-Akademie: “Hier haben wir die Chance, Journalismus auch digital wieder ein bisschen “magisch” zu [...]
Am 7. April 2010 um 12:27 Uhr
LIKE LIKE LIKE!!! Endlich mal ein interessanter Beitrag zum Thema.
Am 7. April 2010 um 13:37 Uhr
“Ein Computer ohne Computer.”
Das trifft den Kern der Sache sehr gut.
Am 7. April 2010 um 13:57 Uhr
Das iPad wird das grundlegende Problem des Journalismus nicht lösen: Die Mehrheit der Leser ist nicht bereit, der erforderlichen Preis zu bezahlen. Nicht einmal den Teil, der nach den Anzeigekunden bisher übriggeblieben ist (und der ein für allemal weg ist, weil ich die Leser heute auch bei Facebook, Google, etc. erreichen kann und die Zielgruppendefinition über spezielle Themen und Leserschaften nicht mehr funktioniert).
Es werden für das iPad tolle Sachen kommen. Sicher. Die Leser da draussen werden aber nicht einmal die 5 oder 10 Euro bezahlen, die man für ein olles PDF haben müsste, das nur ein Abfallprodukt des normalen Veröffentlichungsprozesses darstellt. Noch viel weniger werden die Leser 20 Euro oder mehr bezahlen für ein Produkt, das interaktiv und spannend ist und die neuen Möglichkeiten ausnutzt. Für dessen Produktion braucht man nämlich (ganz grob geschätzt) auf einen Journalisten noch zusätzlich einen Programmierer und einen Grafiker.
Wer mich für zu skeptisch hält: Man schaue 15 Jahre zurück und sehe sich die damaligen Prognosen zum Publishing von interaktiven Büchern auf dem neuen Medium PC an. The sky was the limit. Man träumte von interaktiven Büchern, Zeitschriften, der täglichen Zeitung auf CD. Was ist davon umgesetzt worden? Bertelsmann hat locker 10 Jahre gebraucht, bis das Lexikon halbwegs interaktiv auf CD gekommen ist (das beste interaktive war verlagsfremd und kam von Microsoft) und hat damit vermutlich nie Geld verdient. Aus den anderen Sachen wurde exakt nix. Null. Niente. Weil es nicht finanzierbar war. Das iPad ändert daran leider nichts.
Das Argument, dass man gegen die Überlegungen oben die wegfallenden Druck- und Distributionskosten setzen muss, ist übrigens ein Scheinargument. Denn diese Kosten stellten bisher die entscheidende Markteintrittsbarriere dar. Diese ist nun aber weg, weil jetzt jeder schreiben kann und damit (theoretisch) jeden erreichen kann. Aus wenig bis keine Konkurrenz ist jetzt Hyperkonkurrenz geworden. Das macht die Finanzierbarkeit nicht einfacher …
Am 7. April 2010 um 15:07 Uhr
Was für ein substanzloses Hurra-Geschwurbel. Da kann man sich ja praktisch über jeden Satz lustig machen.
Warum sollte jemand etwas auf dem iPad kaufen, was er in anderen Medien nicht kaufen will?
Eine Maus wird als umständliche Prothese bezeichnet, die mangels Maus nur eingeschränkte Kontrolle von Anwendungen auf dem iPad aber völlig ignoriert.
Das Klicken durch Untermenüs einer Druckertreiber-Installation wird mit dem aufregenden, explorativen Wühlen in Inhalten verglichen, wo Äpfel und Birnen besser gepasst hätten. Was hat ein Treiber mit einem Inhalt zu tun? Zur Unterstützung von Dritthardware durch das iPad wird natürlich kein Wort verloren.
E-Learning und Brettspiele ohne zeitliche und geografische Begrenzung und ohne Aufstellen. Kann man zwar seit Jahren mit Notebooks, aber macht ja nichts.
Besonders schön ist folgendes Geschwurbel:
Stellt sich die Frage, was der Leser denn bisher mit Informationen im Internet gemacht hat.
Wenn dieser Artikel ein Vorgeschmack auf den beschworenen Journalismus sein soll, offensichtlich nicht. Aber immerhin konnte man “exklusiv” dranpappen.
Am 7. April 2010 um 18:30 Uhr
Grandioser Beitrag. Ich warte sehnsüchtig auf das iPad, denn es wird auch den Ebookmarkt, bzw. den der Ebook Reader revolutionieren.
Am 7. April 2010 um 22:24 Uhr
[...] Euphorie pur in unvollständigen Sätzen bei Axel-Springer-Akademie [...]
Am 8. April 2010 um 11:13 Uhr
Kann Heiko nur zustimmen. Substanzlose pseudoeuphorisierendes Geschwurbel, daß mehr Fragen als Antworten bietet. Zumal im trendig Kurzsatz-Stil verfasst. Ich bin nicht gegen das iPad, aber solch Texte Berliner Werbeagenturen erzeugen ersteinmal mehr Reaktanz als Zustimmung. In erster Linie ist das iPad ein Netbook ohne Tastatur. Nicht mehr und nicht weniger. Die erwähnten Chancen und Möglichkeiten gibt es jetzt bereits schon, nur werden sie nicht überzeugend umgesetzt oder der Leser will sie einfach nicht nutzen. Das nützt auch ein ein neues Medium nicht. Aber Herr Kircher lebt davon. Er wird dafür bezahlt den Trends von übermorgen zu folgen und zu feiern. Mich erinnert das eher an AstroTV. Da sagen die Esotherik-Tanten auch immer eine Besserung oder neue Beziehung in den nächsten Monaten vorraus. Nie kurzfristig natürlich. Das basiert allein darauf das in ein paar Monaten sich niemand mehr daran erinnert was ein Guru-Experte alles bejubelt hat. Gut verdient hat aber aber währenddessen längst daran. Es lebe die Ahnunglosigkeit der Massen, sie bringen Herrn Kircher bares Geld.
Am 8. April 2010 um 14:20 Uhr
[...] haben sich dieser Frage noch nicht wirklich angenommen, auch wenn deren Dienstleister sie dazu aufrufen, ja ermahnen. Das verwundert eigentlich auch nicht, denn selbst spezifische [...]
Am 8. April 2010 um 16:20 Uhr
Jeder kann sich noch gut an die Iphone Kritiker erinnern. In ähnlicher Form wird nun auch das Ipad erstmal belächelt und auseinander genommen. Insbesondere von Personen, die den Erfolg von Apple einfach nicht akzeptieren wollen. Das Ipad wird einschlagen und das “Onlinegehen” revolutionieren. Ich freue mich drauf.
Am 8. April 2010 um 16:47 Uhr
[...] Noch mehr Springer-Schwärmereien für rettende Tablets bei Axel-Springer-Akademie [...]
Am 12. April 2010 um 08:05 Uhr
Diese Allgemeinplätze hätte auch der Praktikant der WIRED schreiben können. Nur kann man dann eben nicht exklusiv dranpeppen. Selbst wenn Herr Kircher recht haben sollte, wird sich niemand an diese schwammige Zukunftsvision in zwei Jahren erinnern, weil alle irgendwie dieser Meinung oder Hoffnung ist.
Am 23. April 2010 um 11:00 Uhr
Einen Tag nach diesem Beitrag präsentierte Steve Jobs quasi am Rande seiner Keynote zu OS4 – welches nach dem iPhone natürlich auch am iPad gelten wird. – das iAD 60:40 Erlösmodell für künftige mobile Ads am iPhone&iPad.
Ein Erlösmodell, welches die – wahrscheinlich durchaus berechtigte – verlegerseitige iPad-Hoffnung wohl ziemlich neu definieren wird, sollte das wahr werden. Ebenso auch den paid vs. free content-Diskussionen neues Unterfutter geben wird.
Hier ist selbstverständlich das iPad als der Motor für jenes Income zu sehen, welches unweigerlich von Publisher- und Media-seite auf Apple-Income-Seite wandern wird müssen.
Details: (“Apple s`gonna sell & host the ads”), Min. 3:59)
Keynote Steve Jobs, 8.4.2010, Part one: http://www.youtube.com/watch?v=q7WVt63S49s
Mir persönlich gefällt ja das iPad, aber der Clash of Cultures im iTunes-Store (Busendiskussion der Bild-App u.a.), in Kombination mit dem angedachten Erlösmodell ist aber durch die Hintertür auch nicht ganz ohne…
Neben der Tatsache, das hier nicht mal eine sensationell neue Werbeform präsentiert wird, sondern im Wesentlichen lediglich “gebrandete Apps”,(also Werbebotschaften Apps-statt Siedler von Catan) funktional im Betriebssystem selbst mit einer (ganz und gar nicht nicht neuen) Multitask-Funktion verankert, und dann getargeted online ausgespielt werden…
Am 23. April 2010 um 11:09 Uhr
nachtrag zum link/ keynote im vorigen Post…
Wesentlich ist minute 1:00 bis ca. Minute 5:59…