Agenda-Searching
Der Journalismus ist reif für ein neues Kunstwort: Agenda-Searching. Damit will ich kennzeichnen, wohin sich Journalismus (ja, auch Qualitäts-Journalismus) in den nächsten Jahren entwickeln wird. Es geht weniger darum, als one-to-many-Gatekeeper selbst Themen zu setzen (Agenda-Setting), sondern Aufgabe des Journalisten ist künftig, eine schon längst gesetzte Agenda zu erkennen.

Pioniere des Agenda-Searching: Das Crossmedia-Masterpiece von Team 7.
Nächste Woche online.
Und wo wird sie gesetzt? Da draußen.
Wir können noch so huldvoll daran festhalten, dass der hehre Journalismus eine seit Jahrhunderten nicht geschliffene Trutzburg darstellt und wir auch in 50 Jahren noch Medien aus Bäumen fertigen werden. Geschenkt. Aber die Nachricht braucht uns nicht mehr, um ihren Empfänger zu finden.
Social Mediasphere steht für eine neue, unabhängige, in ihrer Dimension und Durchschlagskraft nur zu erahnende Infostruktur, die sich gerade Bahn bricht. Agenda-Searching soll die Themenwolken in diesem Feucht-Biotop erkennen.
Was wird diskutiert? Mit welcher Tendenz? Wer sind die Nachrichtenmacher, wie zuverlässig sind die Quellen? Es sind viele Elemente klassischen journalistischen Handwerks enthalten.
Und es kommt eine noch viel ältere, dem Journalismus eher wenig nahe Tugend hinzu: Demut. Runter vom Thron des Schlagzeilen-Machers, Schluss mit dem Hüter des Grals.
Team 7 der Akademie macht damit gerade den Anfang: Aus Anlass der Fußball-WM erstellen die Journalistenschüler ein journalistisches Qualitätsprodukt, das sich komplett aus dem Social Web speist und Südafrika authentischer und vielfältiger vermitteln soll als jedes klassisch produzierte Medium das je könnte.
Um im WM-Bild zu bleiben: Mag sein, dass noch nicht alles rund läuft. Aber den Ball hält keiner mehr (auf).
Die Neu(er)findung des Journalismus. Was für großartige Zeiten!
Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 1 Kommentar »
Tags: Agenda-Searching, Agenda-Setting, Crossmedia, Gatekeeper, Journalistenschüler, Social Media, Team 7
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Am 5. August 2010 um 18:51 Uhr
“Agenda-Searching” … Journalisten, die nicht schon vor dem Aufkommen von sozialen Netzwerken auf die Welt “da draussen” gehört haben, waren keine guten Journalisten. Sie hatten kein “Gespür für Themen”, um es mal klassisch, und ganz unneudeutsch zu formulieren.
Zudem bilden soziale Netzwerke nur einen weiteren Teil der Welt, und sind bisher qua sozialer, persönlicher und demographischer Selektion auch nur unzureichend geeignet, die Gesellschaft voll zu erfassen. Ich hoffe, dass die asa auch das ihren Schülern lehrt.