GASTBLOG: Sebastian Turner über Innovation
Wer Innovationen und ihre Quellen ansieht, stellt fest: Alles kann grandios gutgehen oder schrecklichst scheitern. Meist hängen Erfolg und Misserfolg nicht am Geld, sondern am Geist: an der Fähigkeit und Bereitschaft, Innovation zu erkennen, wertzuschätzen und erfolgreich zu verwirklichen.

Prof. Sebastian Turner ist Partner der Scholz & Friends Gruppe
und lehrt an der Berliner Universität der Künste (Foto: S&F)
Deutschlands künftiger Erfolg beruht darauf, dass wir diese Einstellung annehmen. Das ist nicht nur leicht gesagt, es ist auch erstaunlich leicht getan. Ein jeder kann es an seinem Platz. Es geht nicht um die Neuerfindung der Menschen oder der Organisationen, sondern allein darum, stets und immer darauf zu achten, dass Überholtes infrage gestellt und neue Lösungen gesucht und erprobt werden.
Wie findet man die Köpfe, die Innovation befördern? Mit ganz einfachen Fragen: “Haben Sie schon einmal etwas verändert? Ist es geglückt? Und hat es Ihnen Freude gemacht?” Den Ausbildungsplatzbewerber, der mit Nein antwortet, kann man dennoch einstellen, wenn man ihm die Freude am Neuen vermittelt. Dem Vorstandsaspiranten, der keine Freude an erfolgreichen Veränderungen vorzuweisen hat, sollte man aber den Aufstieg verwehren – und damit die Erstarrung des Unternehmens vermeiden.
Vollkommen fremde Blickwinkel erleichtern einen Typ von Innovation, der am anspruchsvollsten scheint und auch wirtschaftlich das größte Potenzial bietet: die Sprung-Innovation. Während evolutionäre Erneuerungen darauf zielen, eine Sache noch ein bisschen besser zu machen, sucht die revolutionäre Innovation den ganz neuen Weg, sie überspringt das Bewährte. Viele Jahrzehnte dauerte es, bis die Dampfmaschine vom Land aufs Schiff kam. Die revolutionäre Innovation der Motorschifffahrt war geboren. Wie reagierten die Evolutionäre des Segelschiffbaus? Sie erfanden den Sechs- und den Siebenmaster, die Dinosaurier der Seefahrt, und strichen alsbald die Segel.
Das Vorurteil sagt, dass die Deutschen besonders gut seien in der evolutionären Erneuerung: Wir machen den Diesel noch etwas effizienter, die Offsetpresse noch etwas präziser. Mag sein, dass das Vorurteil stimmt. Ein anderes Vorurteil besagt, dass die heutigen Kopierer und künftigen Verfolger gar nicht in der Lage seien, uns zu überholen. China, Indien, kleine und große Tiger laufen zwangsläufig hinter uns in der Spur. Das ist ganz sicher Unsinn. Der Musikinstrumente-Weltmarktführer Hohner wollte keine Kabel an seinen Instrumenten, Yamaha dankt es ihm bis heute. Ganze Branchenverzeichnisse versunkener deutscher Innovationsikonen zeugen davon, dass Kopierer überholen können.
Innovationsvorsprung kann nur erringen, wer sich selbst und alles Bewährte immer wieder infrage stellt. Diese Freude sollten wir uns machen.
Sebastian Turner
Autor: Gastblogger Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | 4 Kommentare »
Tags: Ausbildung, Gastblog, Innovation, Scholz & Friends, Sebastian Turner
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Am 15. Juli 2010 um 09:25 Uhr
Da hat Herr Turner aber mal so was von Recht. Die spannende Frage ist nur:
Was können Agenturen dazu beitragen?
Siehe auch http://wp.me/pcPOb-ip
„Wenn das zu vermarktende Angebot eher suboptimal ist, verdienen Werber im Grundsatz ihr Geld damit, dass sie mittelmäßige Gäule möglich geschickt zu Pseudo-Rennpferden umlackieren.”
Am 15. Juli 2010 um 11:06 Uhr
Meiner Erfahrung nach sind es BWL-Planungs-Denkschablonen, die zielsicher Innovationen verhindern.
Am 20. Juli 2010 um 23:07 Uhr
@ Klaas Kramer
Jau! Und natürlich die sichere Erkenntnis, dass es immer 1.000 Gründe gegen etwas Neues gibt (unabhängig vom Studiengang
und man so auf jeden Fall auf der sicheren Seite ist.
@ Sebastian Turner
Und? Was tut S&F dagegen?
Am 21. Juli 2010 um 13:08 Uhr
[...] & Friends Gruppe und Aufsichtsrat der Scholz & Friends Holding Commarco, als Gastautor im Blog der Axel Springer-Akademie ganz schön Wind um das Thema. Mit dem netten Beispiel vom Siebenmaster und mit dem feinen Satz: [...]