18.1.2012

Brain hits the valley

“Und warum genau sollten wir nun in Ihr Produkt investieren?”, fragte – der Legende nach – der Investor in der Dotcom-Ära. “Because it works”, antwortete der Tech-Nerd achselzuckend.

Die erste Hochphase von Silicon Valley – die ohne Zweifel auch zahlreiche wichtige und bleibende Werte hervorgebracht hat! – war eine Phase der IT-Schrauber, Marc Zuckerberg ist das beste Beispiel dafür. Für das Manager Magazin besuchte kürzlich Astrid Maier den Airbnb-Gründer Brian Chesky und stellte fest:

Wer Chesky (…) lauscht, dem fällt auf, dass diesmal an der Erfolg-im-Silicon-Valley-Saga etwas ganz anders ist: Kein Technik-Nerd spielt darin die Hauptrolle. Brian Chesky hat Design studiert, statt Streberbrille trägt der CEO dicke Muskelpakete unter dem T-Shirt.

Okay, ich bin mir nicht sicher, welche Bedeutung der Indikator “Muskelpaket” für die Zukunft der Produktentwicklung hat, aber die These leuchtet ein: In der neuen Phase des Social und Mobile Web treten Design und Kontext gegenüber Technik und Programmierung in den Vordergrund – indem sie schlichtweg auf den technischen Erfahrungen der vergangenen Jahre aufbauen.

Auch jetzt sammeln Gründer im Silicon Valley wieder Millionenbeträge von Investoren ein – und trotzdem ist diese Phase nicht mit den Venture-Capital-Schlachten der Dotcom-Bubble vergleichbar.


Dot.com-Blase: Man beachte den “Fictitious Value”… (Quelle: Kampas Research)

Inzwischen sind eine gehörige Portion Erfahrung, wesentlich bessere Marktforschungstools (dank Social Media) und eine gehörige Portion Hirn dazugekommen. Kristina Halvorson von Brain Traffic (sic!) fängt deshalb nach eigener Schilderung jedes Kundengespräch über digitale Produkte und Strategien demonstrativ mit einer äußerst kurzen Frage an: “Warum?!”

Das Schöne für uns Journalisten und Medienmacher ist: Wir können diese Frage beantworten. Wir sind Experten für Storytelling. Wir erfinden das Rad jeden Tag neu, weil Kreation unser Job ist. Und wir lernen durch unsere Multiplattform-Strategie auch immer besser, in welchem Kontext Medienangebote genutzt werden.

Design ist das neue Tech. Das galt schon immer für die richtige Aufbereitung und Inszenierung einer Story, ob als Text oder Bewegtbild. Das gilt künftig auch für das Gesamtdesign als Story-Package, interaktiv auf allen Plattformen.

Und wie immer gilt: Dieses Design MUSS nicht von Medien entworfen werden. Es gibt immer bessere Algorithmen und vielfältige Konkurrenz, vom Unterhaltungskonzern über den Suchmaschinenbetreiber bis zum Autofabrikanten. Doch wären wir nicht schön doof, diese Kompetenz kampflos preiszugeben?

Autor: amayer Kategorie: A bis Z, Zukunft des Journalismus | Keine Kommentare »
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